SDGs als Kompass für nachhaltige Entwicklung in Österreich

  • Nachhaltigkeit ist das Ziel. Mit der Agenda 2030 haben wir seit 2015 einen Kompass zur bestmöglichen Orientierung in der Hand, um dieses Ziel zu erreichen. In Österreich bedarf es Handlungen, bei denen Beiträge von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft notwendig sind. Wenn wir Nachhaltigkeit als Chance und Lösung wahrnehmen, sind die Potentiale für die verschiedensten Akteurinnen und Akteure groß.

Im September 2015 wurde die Agenda 2030 mit ihren Sustainable Development Goals (SDGs) von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet. Vertreterinnen und Vertreter aus über 190 Ländern standen damals in der UN-Vollversammlung auf, um ein Zeichen zu setzen. Mehr noch. Mit ihrer Zustimmung signalisierten sie damals die Bereitschaft und das Verantwortungsbewusstsein, um auf die Umsetzung der 17 SDGs und 169 Unterziele auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene bis zum Jahr 2030 hinzuarbeiten. Auch die Republik Österreich verpflichtete sich vor über drei Jahren zur Zielerreichung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Leave no one behind – SDGs als Reaktion auf Herausforderungen unserer Zeit

Die SDGs sind die Reaktion auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit. Die internationale Staatengemeinschaft verständigte auf jene Problemfelder mit hoher Dinglichkeit und formulierte mit den SDGs erstrebenswerte Ziele zur Ermöglichung einer lebenswerten Zukunft für alle Menschen auf unserer Erde. Dabei werden neben Armuts- und Hungerbekämpfung, Gesundheit, Bildung und Energie, auch andere gesellschaftliche Handlungsfelder, wie etwa faire Arbeitsbedingungen, Klimaschutz, Erhalt der ökologischen Artenvielfalt und Friedenssicherung adressiert. Getreu dem Motto „leave no one behind“ darf keine Person – unabhängig ihrer Herkunft, Religion, Ethnie, körperlichen und psychischen Verfasstheit, sowie ihres Geschlechts und Alters und anderen sozio-demographischen Merkmalen – zurückgelassen werden. Das gilt auch für Österreich.

In Österreich besteht Handlungsbedarf bei der SDG-Umsetzung

Es ist klar, dass es in Österreich teils unterschiedliche Bedürfnisse sowie Chancen und Herausforderungen punkto Entwicklung, als in Ländern des globalen Südens gibt. Grundsätzlich sind in Österreich soziale Standards, Umweltqualitäten und wirtschaftliche Leistung im internationalen Kontext relativ hoch. Nichtsdestotrotz haben die SDGs auch für Österreich Relevanz. Diese Bedeutsamkeit dürfen wir keines Falls unterschätzen. Denken wir dabei beispielsweise an den nachhaltigen Umgang mit Boden (SDG 2.4; SDG 12.4; SDG 15), bezahlbare und moderne Energie (SDG 7.1), Ressourceneffizienz in Konsum und Produktion (SDG 8.4), Chancengleichheit und Anti-Diskriminierung (10.3), sowie Klimaschutz (13.2). Hier wird klar, dass es auch in Österreich genügend Herausforderungen zu bewältigen gibt. Um die SDGs auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu erreichen und adäquate Maßnahmen im Sinne nachhaltiger Entwicklung umzusetzen, ist ein UN-Mitgliedsstaat eigenverantwortlich. Demnach liegt die Entscheidung, wie der Umsetzungsprozess, die Messung und die Berichterstattung national gestaltet werden, in der Hand eines jeden Landes. In Österreich wurde im Jahr 2016 der sogenannte Mainstreaming-Ansatz gewählt. Das bedeutet, dass die Interpretation der einzelnen SDGs, die Verantwortung für deren Implementierung, sowie die Bestandserhebung und Lückenanalyse für den eigenen Ressortbereich bei den jeweiligen Bundesministerien liegt. Im Umkehrschluss ist zu beobachten, wie Governance und Kohärenz für eine gesamtstaatlich koordinierte Umsetzung fehlen. Seit rund einem Jahr gibt es ein erstes nationales Indikatoren-Set, herausgegeben von der Statistik Austria in Abstimmung mit der europäischen Ebene. Dieser Schritt ist grundsätzlich positiv zu bewerten, wiewohl die geäußerten Kritiken an einzelnen Indikatoren und am Fehlen der Indikatoren für SDG 14 (Leben unter Wasser) oftmals zulässig erscheinen.

Das sagt der Rechnungshof zur Umsetzung der Agenda 2030 in Österreich

Der Österreichische Rechnungshof überprüfte von Juni bis September 2017 die Umsetzung der Agenda 2030 mit den 17 SDGs in Österreich. Im Juni 2018 wurden die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Verbesserungsvorschläge veröffentlicht. Neben vielen anderen, zielt eine der Schlussfolgerungen dieser Prüfung auf den fehlenden gesamtstaatlichen Umsetzungsplan inklusive klarer politischer Prioritätensetzung und Verantwortlichkeiten auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene ab. Vor dem Hintergrund des fehlenden Umsetzungsplans stockt verständlicherweise die Implementierung einzelner Maßnahmen im Zusammenspiel unterschiedlicher Gesellschafts- und Akteursgruppen (z.B. Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft) in Städten, Gemeinden und Bundesländern.

Ein Blick in europäische Länder lohnt sich, um Möglichkeiten zu erkennen

Der SDG Index and Dashboards Report wird jährlich vom Sustainable Development Solutions Network und der Bertelsmann Stiftung herausgegeben. Staaten und ihre SDG-Umsetzung werden dabei verglichen. Österreich belegt aktuell Rang 9 (Report 2017: Rang 7). Im Report 2018 liegen Schweden, Dänemark, Finnland, Deutschland, Frankreich, Norwegen, Schweiz, Slowenien auf den ersten 8 Plätzen vor Österreich. Das Rad muss bekanntlich nicht immer neu erfunden werden. Manchmal lohnt sich ein Blick in andere Länder, um Ideen und erfolgreiche SDG-Initiativen für den eigenen nationalen Umsetzungsprozess kennenzulernen. Exemplarisch möchte ich in diesem Zusammenhang vier Länder und ihre SDG-Aktivitäten in aller Kürze erwähnen:

Deutschland: Vielfältige SDG-Maßnahmen zu beobachten. So ist Nachhaltigkeitspolitik federführend im Kanzleramt angesiedelt. Die Bundesregierung wird vom Rat für nachhaltige Entwicklung beraten. Das Land verfügt über einen eigenen Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung sowie einen Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, in der die SDGs behandelt werden. Auf kommunaler Ebene bestehen unterschiedlichste Möglichkeiten zur Teilhabe an den SDGs, etwa über die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW). Im Jahr 2017 wurde eine neue Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den SDGs orientiert, verabschiedet.

Niederlande: Mit der Kampagne „Adopteer een SDG“ (engl.: Adopt a SDG) wird proaktive Bewusstseinsbildung forciert. Bereits über 20 Mitglieder des Parlaments setzen sich damit für die Implementierung der SDGs ein. Zudem gibt es im ganzen Land sogenannte SDG-BotschafterInnen und die Partizipation auf kommunaler Ebene ist gegeben.

Dänemark: Die Budgets der einzelnen Ministerien werden mit den SDGs verknüpft, um so die Wirkungsorientierung zu erhöhen. Die SDG-Implementierung wird in den Standing Committées des Parlaments vorangetrieben. Neue Partnerschaften entstehen, wie etwa die Initiative „P4G“ von State of Green, welche Politik und Wirtschaft für die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung zusammenbringt.

Finnland: Maßnahmen und Mechanismen zur Erhöhung von Politikkohärenz im Sinne nachhaltiger Entwicklung sind zu beobachten. Mit „Finland we want by 2050“ wurde kürzlich eine Vision bzw. Society’s Commitment verabschiedet, welches den aktiven Multi-Stakeholder-Ansatz unterstreicht.

Weiterführende Informationen

Nationales Monitoring der UN Agenda 2030 (Statistik Austria)

Rechnungshof-Bericht zur Umsetzung der Agenda 2030

SDG Index and Dashboards Report (Internationaler Vergleich)

SDG-Webseite der Österreichischen Bundesregierung

Studie „The SDGs as a lever for change in policy practices“ (Internationaler Vergleich)

Übersicht „SDGs’ implementation: Good practices from across Europe“ von CONCORD Europe

Webseite der SKEW – Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (Deutschland)

 
About the Author

Florian Leregger

Florian Leregger

Nachhaltigkeit als Chance und Lösung wahrnehmen! Die Sustainable Development Goals bieten uns dafür Handlungsoptionen. Florian Leregger studierte Umwelt- und Bioressourcenmanagement (Fachbereich: Regionale Entwicklung) an der Universität für Bodenkultur Wien. Seit 2017 ist er Geschäftsführer des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE). Zu seinen Schwerpunkten zählen Themen in den Bereichen Klimawandel, Wirtschaft, Umwelt, Entwicklungszusammenarbeit sowie nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung im Kontext der Sustainable Development Goals (SDGs). Neben bisherigen Berufserfahrungen und ehrenamtlichen Engagements in der Jugendarbeit, Entwicklungszusammenarbeit, Wissenschaft, Forschung und Umweltpädagogik sammelte er während seiner Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Uganda und Costa Rica, wertvolles Wissen und Erfahrungen.

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