Klimaschutz allein reicht nicht mehr aus

  • Der Ausstoß von Treibhausgasen sollte rasch sinken. Aber mittlerweile reicht das nicht mehr aus. Wir müssen uns auch auf Veränderungen des Klimas einstellen. Für die Landwirtschaft ist das besonders wichtig, hängt doch unsere Nahrungsmittelversorgung davon ab.

Die UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice hat ein Regelwerk beschlossen, mit dem die globale Erwärmung unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit gehalten werden soll. Die Einhaltung dieser Grenze rät, der im Oktober veröffentliche Sonderbericht des Weltklimarats dringend an. Das heißt, dass wir bei der CO2-Reduktion möglichst rasch in die Gänge kommen müssen. Bereits ab 2020 muss der Treibhausgasausstoß deutlich absinken und ab 2050 netto null erreichen. Eine Besteuerung von CO2-Emissionen ist da wohl nicht die dümmste Idee.

Ein Grad Erwärmung sieht der IPCC jetzt schon erreicht. Die 20 wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen lagen in den vergangenen 22 Jahren. Immer noch gibt es Menschen, die nach noch eindeutigeren Beweisen verlangen, dass das gesamte Ausmaß ohne jeden Zweifel auf die Verbrennung von Öl, Kohle und anderen fossilen Rohstoffen zurückzuführen ist. Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Ganz ehrlich – ich brauche sie nicht, im Zweifel bin ich lieber auf der sicheren Seite. Wenn ich mit meinem Sohn über die Straße gehe, schaue ich nach links und rechts, auch wenn nicht garantiert ist, dass ein Auto kommt.

Die Bekämpfung des Klimawandels reicht mittlerweile aber nicht mehr aus. Wir müssen auch

Anpassungsmaßnahmen thematisieren. Auch aus dem Bewusstsein, dass künftige Generationen mit den Auswirkungen leben werden müssen. Mittlerweile wissen wir, dass nicht nur unsere Kinder und Enkel mit den Folgen leben müssen, sondern wir schon heute die ersten Vorläufer spüren. Ereignisse wie die Hitzewelle im vergangenen Sommer oder die Unwetter in Kärnten werden sich häufen.

Allein in Österreich entstand 2018 laut Hagelversicherung in der Landwirtschaft ein Gesamtschaden von 270 Millionen Euro. Zwar war der (Spät-)Frost heuer im Unterschied zu den beiden Vorjahren kein Thema. Allerdings hat der wärmste April seit dem Jahr 1800 und die damit verbundenen frühsommerlichen Temperaturen ideale Bedingungen für den Rübenrüsselkäfer geboten. Ein Drittel der heimischen Zuckerrübenanbaufläche wurde von dem ein bis eineinhalb Zentimeter großen Schädling aufgefressen. Kostenpunkt: 10 Millionen Euro.

Klimaschutz und Klimaanpassung sind kein Entweder-Oder, sondern gehen im Idealfall Hand in Hand. Maßnahmen im einen Feld entbinden uns aber nicht, etwas im anderen Bereich zu tun. Gerade im Bereich der Landwirtschaft hängt nicht weniger als unsere Nahrungsmittelversorgung davon ab. Weil Importe werden strukturell nicht helfen, sind andere Weltgegenden doch noch stärker vom Klimawandel betroffen als Österreich.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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