Die ländlichen Räume in Europa

  • In der EU leben insgesamt 55 % der Menschen in ländlichen Gebieten.
    Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten, fehlende Infrastruktur, demographische Entwicklung und ähnliche Kennziffern sind Mittelpunkt jahrzehntelanger Diskussionen, zahlreicher Studien und Kongresse. Doch was wir immer noch beklagen ist die fehlende Chancengerechtigkeit.

Föderalismus, Regionalität und Dezentralität sind Voraussetzungen für die Entwicklung hin zu Freiheit und Solidarität. Dessen Keimzelle ist die kommunale Selbstverwaltung, also Subsidiarität. Vorort muss Verantwortung möglich sein.

Wir müssen den Gemeinden ihre Gestaltungsaufgaben zurückgeben. Doch Engagement und Selbstverwaltung sind ohne hinreichende finanzielle Mittel nicht möglich. Und zwar mit Mittel aus eigenen Quellen, nicht mit Föderbescheiden vom Bund oder der EU. Die Kommunen brauchen nicht noch mehr Programme, sondern mehr finanziellen Spielraum und mehr Verantwortung zur Gestaltung.

Globalisierung, Spaltung der Gesellschaft, fehlender sozialer Zusammenhalt, Populismus – ohne Subsidiarität sind diese Herausforderungen nicht zu bewältigen. Und was allen Krisen gemeinsam ist: es fehlt die ordnungspolitische Grundlage.

Ich möchte es so zusammenfassend ausdrücken:

Heimat ist eine der mächtigsten menschlichen Wirklichkeiten. Heimat ist nicht der Traum von der guten alten Zeit, sondern eine prägende Kraft. Heimat bedeutet ein Leben aus geistigen Kräften der Kultur, der Geborgenheit und der Verbundenheit. Die geistige Schaffenskraft erwächst aus dieser Bindung an Heimat. Heimat ist nicht eng, sondern weit. Heimat schließt nicht ab. Heimat kann man nicht konsumieren, sondern sie muss erlebt und gelebt werden. Heimat will begehrt, gestaltet und vererbt werden. Je mehr die Welt zusammenwächst, umso wichtiger ist die Heimat. Je stärker wir von weltweiten Entwicklungen betroffen werden, jeder einzelne von uns, desto wichtiger ist unsere Verwurzelung zu Hause. Die Welt steht uns offen. Aber gerade deswegen brauchen wir ein Zuhause. Unsere Heimat ist ein Teil der Welt. Sie ist etwas, was uns einen Platz in dieser Welt verschafft. Heimat hält den Blick auf die Welt frei.

 
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Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter schloss 1965 die landwirtschaftliche Meisterprüfung ab und übernahm 1970 den elterlichen Hof in Belecke in Nordrhein-Westfalen. Von 1969 bis 1975 war er Bürgermeister der Stadt Belecke und von 1975 bis 1989 Bürgermeister der Stadt Warstein. 18 Jahre (von 1972 bis 1990) gehörte Kroll-Schlüter als CDU-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Von 1991 bis 1998 amtierte er als Staatssekretär und Amtschef im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Freistaates Sachsen. Hermann Kroll Schlüter ist Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forum Europa und vielfältig ehrenamtlich tätig, zuletzt 1995 bis 2000 als Präsident der Internationalen Assoziation Ländlicher Katholischer Organisationen und von 2001 bis 2009 als Vorsitzender der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland. Von 2001 bis 2017 hatte der den Vorsitz des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes inne.

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