Das Wunder von Mals & Sikkim

  • Wie ein Dorf & Bundesstaat der Agrarindustrie die Stirn bieten.
    Eine Geschichte, über ein paar wenige, die versuchen ein globales Problem regional zu lösen. Es geht um Pestizideinsatz, der den Bio-Bauern das Wirtschaften unmöglich macht, da auch ihre Äcker, Plantagen und Wiesen kontaminiert werden.

„Wir befinden uns im Jahr 2014 n. Chr. Ganz Südtirol wird von Monokulturen überrollt und in Pestizid-Wolken gehüllt … Ganz Südtirol? Nein! Ein von unbeugsamen Vinschgern bewohntes Dorf kämpft mit einem Feuerwerk der Ideen gegen eine Übermacht aus Bauernbund, Landesregierung und Pharmaindustrie. Mals im Obervinschgau soll die erste pestizidfreie Gemeinde Europas werden.“

So starten so viele der Nacherzählungen des Malser Weges. Mals, eine 5000 Einwohner zählende Gemeinde in Südtirol und damit mitten im Herzen der Apfelproduktion. Etwa 10 Prozent aller in der EU geernteten Äpfel werden auf rund 18.000 Hektar rund um Bozen angebaut. Mehr als 45 Kilogramm Pestizide werden hier jährlich pro Hektar gespritzt, der italienische Durchschnitt liegt hingegen bei „nur“ 6,6 kg/Jahr/ha. In einer regelmäßig veröffentlichten Liste über die am stärksten mit Pestiziden belasteten Lebensmittel, stehen Äpfel derzeit an vierter Stelle (Non-Profit Organisation „Environmental Working Group“ 2018).

Die Malser wollen nun zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften auch ohne Pestizideinsatz möglich ist. 2014 gab es dort eine Volksabstimmung zu einem Verbot von chemisch-synthetischen Pestiziden.im Gemeindebereich. Mit einer Wahlbeteiligung von 69 Prozent der wahlberechtigten Bürger stimmten 75% der Wähler FÜR das Pestizidverbot. Doch warum ist es heute noch nicht Realität? Einige Mitglieder des Gemeinderates verweigern die Umsetzung und auch die übergeordneten Behörden in Südtirol wollen den Malser Weg nicht anerkennen und lokale Pestizidverbote unmöglich machen, indem sie den Gemeinden die Zuständigkeit entziehen. Es beginnt ein zermürbender Gang durch politische und juristische Instanzen; Journalisten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt kommen zur Unterstützung.

Letztendlich hätte das Pestizidverbot 2018 in Kraft treten sollen, Mitte des Jahres wurde die Verordnung der Gemeinde aufgrund von Rekursen vom Verwaltungsgericht jedoch vorläufig ausgesetzt. Eine endgültige gerichtliche Entscheidung soll im Jänner 2019 fallen, ganze 5 Jahre nach dem eigentlich erfolgreichen Volksbegehren.

Ganz anders sieht es in Indien aus. Dort sind seit Anfang 2016 alle landwirtschaftlichen Flächen im zweitkleinsten Bundesstaat Sikkim bio-zertifiziert. Als bisher einziger Bundesstaat der Welt! Konkret bedeutet das, dass alle 66.000 dort lebenden Kleinbauern auf Pestizide und Kunstdünger verzichten und die Produktivität nicht darunter leidet – das Hauptargument für die Verwendung von Dünger und Pestiziden. Auch ihr Weg war lang, die Erklärung des Ministerpräsidenten zur geplanten Umstellung erfolgte bereits 2003. Seine Vision ist, „dass die gesamte Welt bis zum Jahr 2050 auf Ökolandbau umstellt. Und dafür müssen wir zusammenarbeiten.“


2015 wurden 50 Mio. ha weltweit biologisch bewirtschaftet, das entspricht etwa einem Prozent der gesamten Agrarfläche und lässt noch einen langen Weg bis hin zu einer biologischen Welt-Agrarpolitik offen. Wo stehen wird heute? Bereits drei weitere indische Bundesstaaten wollen komplett auf Bio umstellen und für Mals gibt es derzeit noch Hoffnung. Diese Geschichten aus Italien und Indien sollen schließlich den Weg eines erfolgreichen Widerstands aufzeigen. Zeigen, dass auch wir Bürger, wie in Mals, einen Einfluss auf das Geschehen haben können. In diesem Sinne möchte ich mit den Worten von Alexander Schiebel, dem Dokumentarfilmer von „Das Wunder von Mals“ schließen. Kritik ist in seinem Sinne kein Schmutz, sondern vielmehr „der Rohstoff, aus dem bessere Lösungen gezimmert werden“. Dabei kann jede deiner positiven Entscheidungen andere dazu bewegen, sich auch anders zu verhalten – wir alle sind Teil eines großen Ganzen. Lasst uns gemeinsam eine ökologische Landwirtschaft fördern, indem wir neben dem Konsum dementsprechender Produkte auch Projekte, wie das in Mals, unterstützen.

Quellen:
Buch & Film: Das Wunder von Mals (http://wundervonmals.com/)
Umweltinstitut München e.V.: Pestizid Tirol (https://pestizidtirol.info/de/)

 
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