35 Jahre Biomasse-Nahwärme in NÖ

  • Ein ehrenvoller Rückblick wurde im Stift Heiligenkreuz gemacht: 35 Jahre Biomasse-Nahwärme in Niederösterreich. Der Ort der Festlichkeit wurde bewusst gewählt, schließlich wurde in Heiligenkreuz die erste Biomasse-Nahwärmeanlage 1983 errichtet. Die Bilanz: Mittlerweile sind über 750 Biomasse-Nahwärmeanlagen in NÖ im Einsatz; Die Trassenlänge beträgt 1.123 km (eine Länge von St. Pölten bis Paris); Es wird eine Wertschöpfung von 86,5 Mio. Euro erzielt. Im Rahmen der Veranstaltungen wurden auch Pioniere und Wegbereiter vom LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf ausgezeichnet.

„Damals wurde Pionierarbeit geleistet“, erklärte Pernkopf. „Die Energie aus Biomasse ist nachhaltig und erneuerbar. Sie sichert regionale Arbeitsplätze ohne Ablaufdatum, denn der wichtigste nachwachsende Rohstoff ist unser Wald.“ Auch Diözesanbischof Alois Schwarz zählte zu den Ehrengästen: „Energiewende bedeutet Schöpfungsverantwortung – Schöpfungsverantwortung bedeutet Energiewende. Seit 30 Jahren gehen die Diözesen proaktiv an die Themen Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung heran, und wir gehen diesen Lernweg Schritt für Schritt. ‚Niemals zurück‘ ist das Gebot der Stunde. Das Thema Energie steht nicht für sich selbst oder endet beim bewussten Stromeinkauf. Energienutzung ist eine Querschnittmaterie durch alle Politikbereiche, durch unser aller Leben und Alltag. Als Umweltbischof betone ich immer, dass Fortschritt und Technik sich nicht gegen den Menschen wenden dürfen. Energieverschwendung ist Schöpfungsraub, hier gilt es, den zunehmenden Energiebedarf einer vollständig globalisierten und zunehmend digitalisierten Welt kritisch im Auge zu behalten. Wir alle sind in der Pflicht, Forschung und Engagement im Bereich nachhaltiger Energiequellen zu unterstützen.“

Besonders interessant war der kurze Abriss der Geschichte des Heizwerkes vom Forstbetriebsleiter Pater Coelestin. Das Stift Heiligenkreuz wurde im Jahre 1133 vom hl. Leopold gegründet, auf Anraten seines Sohnes, des Bischofs Otto von Freising. Das Kloster besteht seit der Gründung ohne Unterbrechung, das sind bald 900 Jahre. Zur Besiedelung wurden Mönche aus dem französischen Kloster Morimond in den noch sehr unberührten Wienerwald gerufen. Der Markgraf übergab ihnen das Land, welches heute um das Kloster liegt, zur Urbarmachung und gab ihnen somit die Möglichkeit sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Dieser Stiftungsbesitz ist bis heute erhalten und bildet das wesentliche Gebiet der Forstverwaltung Heiligenkreuz.

1983 wurde der Entschluss gefasst eine Heizzentrale beim Sägewerk zu errichten. Federführend war hierzu der damalige Forstmeister Manfred Ertl. Dieser ärgerte sich über die jährlichen 3 Mio. Schilling hohen Kosten für das Heizöl des Stiftes, die der Forstbetrieb erwirtschaften musste. So versuchte Ertl den Abt schon Jahre zuvor von einer Biomasse-Nahwärmeanlage zu überzeugen, die er bei einer Exkursion in Finnland bestaunen konnte – das Material war ja im Forstbetrieb vorhanden. Doch der Abt sträubte sich wegen den Investitionen. Anlässlich einer Äbte-Konferenz erfuhr aber dieser, dass die Stifte Zwettl und Altenburg eine Anlage planten und beschloss: Wir sind schneller! So wurde am 10. November 1983 die erste Biomasse-Nahwärmeanlage in NÖ eingeweiht. Dazu Coelestin: „Nach jahrzehntelanger Erfahrung können wir behaupten, nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.“

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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