Photovoltaik-Verwaltungsreform und Digitalisierung selbst gemacht!

  • Letzte Woche war ich beim 7. Barcamp Renewables, das ich ein paar Jahre auch mitorganisiert habe. Die letzten Jahre war es dann „nur mehr“ die Organisation und Moderation der Podiumsdiskussion und auch diese war dieses Jahr wieder ein voller Erfolg. Beim Barcamp Renewables trifft sich derzeit wohl die bunteste Mischung an energieinteressierten Leuten, die man sich vorstellen kann. Vom Energieversorger, zum Batteriehersteller bis hin zu Menschen aus privaten Initiativen und NGO’s. Ich habe so viele spannende Menschen kennengelernt, die ich auch euch nicht vorenthalten will und lade einige der Gäste zum Interview.

Den Start macht Christian Müller, Gründer des jungen Unternehmens 4Mular. Als er mir davon erzählt hat, was sie machen, war ich so begeistert, weil sie tatsächlich daran sind ein echtes Problem zu lösen. Das Problem ist der FormularWULST bei der Anmeldung einer erneuerbaren Energieanlage, wie zum Beispiel einer Photovoltaikanlage. Die Anzahl an Formularen, die Mann oder Frau da ausfüllen muss ist einfach extrem und noch dazu in jedem Bundesland unterschiedlich. So auch in Deutschland. Nachdem die Jungs von 4Mular jahrelang selbst Photovoltaikanlagen errichtet haben und so den „Schmerz“ am eigenen Leib erfahren haben, haben sie zuerst für sich selbst ein automatisiertes System entwickelt, welches die Formulare fast auf Knopfdruck ausfüllt und stellen dies nun auch anderen Kunden zur Verfügung. Aber nun höre ich auf zu erzählen und lasse das den Gründer selbst tun.

Christian, erzähle bitte kurz wie du in den Bereich der Erneuerbaren gekommen bist und wie ihr auf 4Mular gekommen seid?

 

Gerne! Vielen Dank für die Einladung zum Interview. Damals hatte mich ein Freund in den Bereich der Solarthermie gebracht. Der Weg hin zur Photovoltaik war dann für mich natürlich nicht mehr weit. So habe ich im Laufe von 10 Jahren wirklich einige Solaranlagen geplant und installiert. Aus den immer mehr werdenden Anträgen und Formularen entwickelte sich schnell der Gedanke diesen aufwändigen Prozess zu optimieren und vor allem zu automatisieren.

Nach langer Zeit der Überlegung war der Entschluss gefasst. Ich möchte eine alternative webbasierte Lösung für die Anmeldung von Anlagen aller Art schaffen. Über einen Podcast bin ich dann nach langer Suche auf meine Mitgründer gestoßen. Christoph, ein Geschäftsführer der Ninjaneers GmbH aus Kassel, wurde damals zum Thema Software interviewt. Dieses Interview hatte mich so begeistert, dass ich direkt Kontakt aufnahm und mit ihm und seinem Unternehmen den perfekten Partner für 4Mular gefunden hatte. Mit meiner langen Erfahrung in der Branche und dem technischen KnowHow der Ninjaneers bilden wir das perfekte Team, um 4Mular zum Leben zu erwecken und wir hoffen sehr uns erfolgreich in der Branche zu etablieren.

Was kann das System?

 

Üblicherweise dauert es bis zu 45 Minuten, um die Formulare für die Registrierung einer Energieanlage auszufüllen. 4Mular verkürzt diesen Vorgang auf wenige Minuten – die Daten für eine Anlage lassen sich mit wenigen Klicks in mehreren Formularen nutzen. Ohne ständiges Hin-und-her-Kopieren. Und die Suche nach dem richtigen Formular? Hat sich natürlich auch erledigt.

 

Wie ist euer Business Modell aufgebaut?

Es gibt derzeit 3 Business Cases:

 

  • Der Installateur nutzt ein Monatsabo bei uns
  • Ein Partner (Hersteller) stellt 4Mular seinen Fachpartnern oder Kunden kostenfrei zur Verfügung. Somit trägt z.B. der Modulhersteller, Wechselrichterhersteller oder Großhandel die Kosten.
  • Lizensierung der Netzbetreiber, direkte Anbindung an 4Mular mit Übergabe der Anlagedaten

 

Wo ist es bereits im Einsatz?

Derzeit sind die ersten Installateure mit 4Mular aktiv. Mit Herstellern sind wir gerade intensiv in Gesprächen und prüfen die Integration in vorhandene Anlagen-Planungstools. Das ist ein sehr spannendes Thema. Hier wird ein toller Workflow entstehen.

Wie könnte dieses System in Österreich eingesetzt werden? Sind die Energieversorger oder die Anlagenerrichter eher eure Kunden?

Bei allen Formalitäten rund um eine Photovoltaikanlage und Batteriesystem kann 4mular natürlich auch in Österreich zum Einsatz kommen. Wir können den Prozess sicher sehr einfach auch dort implementieren, da sehr ähnliche Anforderungen bestehen und vor allem auch die gleichen Geräte wie in Deutschland eingesetzt werden.

Das Schöne ist, es sind beides Kunden. Wir bilden die Schnittstelle zwischen Energieversorger und Anlagenerrichter. So profitieren beide Parteien durch unseren neuen optimierten Prozess.

Was wäre deiner Meinung nach wichtig, damit die Digitalisierung bei der Verwaltung weiterkommt?

 

Weniger Papier! Wir reden von Digitalisierung 4.0 und viele EVU’s haben noch kein ausfüllbares PDF-Formular für die Anmeldung. Diese werden teilweise noch händisch ausgefüllt, per Post verschickt und beim Netzbetreiber wieder eingescannt oder manuell eingegeben. Ich bin davon überzeugt, das geht deutlich einfacher! Wichtig für den Prozess und die Umstrukturierung ist die Offenheit und die Bereitschaft der Zusammenarbeit auf beiden Seiten.

 

Welche Schnittstellen bräuchte es bei der Verwaltung, dass Unternehmen wie ihr da andocken könnt?

 

Dies ergibt sich aus der verwendeten Software der Verwaltung / EVU, unsere Architektur ist sehr flexibel aufgebaut und meine Kollegen der Ninjaneers sind absolut fit und breit aufgestellt, um dies auch individuell lösen zu können.

 

Am Schluss noch der Wunsch ans Christkind. Was müsste sich in den Ämtern/der Regierung ändern, damit sowohl eine gute Dokumentation also auch eine userfreundliche Bedienung gewährleistet ist? Hättest du Positivbeispiele, wo das schon viel besser funktioniert?

In meinen Augen brauchen wir einen einheitlichen und vor allem einen einfachen Prozess, um den Datenaustausch klar zu definieren und optimal zu strukturieren. Jeder Netzbetreiber kocht leider aktuell noch sein eigenes Süppchen, anstatt gemeinsam an einem Strang zu ziehen und einen optimalen Weg zu gehen.

Ein Beispiel für eine sehr gute Prozessgestaltung ist z.B. der Messstellenbetrieb und der Stromvertrieb. Hier ist durch die Bundesnetzagentur der Kommunikationsprozess und der Datenaustausch ganz klar und strukturiert definiert. So werden alle Prozesse und Wege optimal und vor allem effektiv gesteuert.

Über einen Partner der mit uns einen Pilotprozess startet und diesen gemeinsam definiert, würden wir uns natürlich freuen.

Danke dir für das spannende Interview!

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About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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