Journalist, Politiker, Visionär

  • Es ist vielleicht etwas ungewöhnlich, für einen Blog-Eintrag einen Nekrolog zu schreiben, doch ich finde, dass wir als gesamte Ökoenergie-Branche dem Verstorbenen zu Dank verpflichtet sind. Am 14. Juli verstarb Hans Kronberger, Präsident des Bundesverbandes Photovoltaik Austria. Er war Journalist, EU-Abgeordneter, Autor und vor allem ein Vordenker und Wegbereiter der erneuerbaren Energie. Kronberger, 1951 in Hall bei Admont (Stmk.) geboren, studierte Publizistik und Völkerkunde in Wien.

Seit 2008 führte Hans Kronberger den PVA. In dieser Funktion setzte er sich unbeirrt und tatkräftig für die Interessen und Anliegen der österreichischen Photovoltaik-Branche gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit ein. Sein großes Ziel: Die Photovoltaik in Österreich in die Marktreife zu führen. Als PVA-Präsident gestaltete er zwei Reformen des für die Branche elementaren Ökostromgesetzes mit, begleitete die Einführung der Klima- und Energiefondsförderung, erreichte eine Steuerentlastung für den Eigenverbrauch und baute das PVA-Ausbildungszentrum auf, um nur einige wenige seiner Erfolge zu nennen. Er scheute niemals davor zurück, die Politik auch mit unbequemen Themen zu konfrontieren, und tat dies immer mit Vehemenz, Feingefühl und Leidenschaft – dementsprechend stark war er in den Medien präsent. Dank seines Schaffens wird die Photovoltaik in Österreich dieses Jahr eine Verdoppelung des jährlichen Zubaus erreichen. Dennoch, er zeigte sich oft enttäuscht über den langsamen Forstschritt der Energiewende und mahnte alle zu mehr Tempo ein.

Vor seiner PVA-Präsidentschaft war Kronberger Mitglied des Europäischen Parlaments. Er gehörte dort dem Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Verbraucherschutz an und trieb mit vollem Elan die Themen Energie und internationaler Verkehr vorwärts. Als Abgeordneter stiftete er von 1997 bis 2004 den jährlichen „Hans Kronberger Umweltjournalistenpreis“ für die beste ökologische Berichterstattung des Jahres. Von 1982 bis 1996 fungierte er beim ORF als leitender Redakteur der Sendungen „Bürgerforum“, „Argumente“ und „Konflikte“. Ab 1981 war er als Lektor für Publizistik an der Universität Salzburg tätig und gab sein Wissen und seine Begeisterung bis zuletzt als Dozent an der KMU Akademie an junge Menschen weiter. Für sein Schaffen erhielt er mehrere Auszeichnungen, u. a. den österreichischen und internationalen Solarpreis sowie den „Günter-Besch-Kulturpreis“ aus Berlin.

Mit dem Erscheinen des Buches „Geht uns aus der Sonne“ 2011 hat er sich nicht nur ein fachliches Denkmal gesetzt, sondern einen Slogan geschaffen, der in der Branche noch lange mit seiner Person assoziiert werden wird. Ich möchte nicht nur seine fachliche Expertise würdigen, sondern vor allem seine kommunikative. Diese ist in der Erneuerbaren-Branche einzigartig gewesen. Er hatte das mediale „Gspür“ wie kein anderer und wusste immer genau, wann man sprechen oder besser schweigen sollte, sei es bei der Pressearbeit oder im persönlichen Gespräch. Sein geschriebenes Wort war gefürchtet und geschätzt zugleich.

Etwas Persönliches zuletzt: Jedes Jahr hat Kronberger das von mir organisierte Fußballturnier EnergiewendeCUP besucht und bereichert, wie auch in diesem Juni bei strahlend sonnigem Wetter. In diesem Sinne, danke, Hans, möge die Sonne für immer auf deinem Weg scheinen!

„Erneuerbare Energien haben nur einen einzigen Feind:
Die Unwissenheit über die fantastischen Möglichkeiten, die sie uns bieten.“
Hans Kronberger

 

Aus dem Kondolenzbuch:

 

Josef Plank, Generalsekretär des BMNT
Hans Kronberger war ein besonderer Mensch! Er wird uns am Weg zu einem sauberen, fairen und nachhaltigen Energiesystem sehr fehlen. Er war ein unermüdlicher Kämpfer für seine Überzeugung – dass die Zeit für Sonnenenergie reif ist und alle Bremsen gelöst werden müssen. Ich kenne wenige Menschen, die die globalen Zusammenhänge und friedenssichernden Aspekte eines neuen Energiesystems so messerscharf analysieren und kommunizieren können. Danke, Hans!

Peter Traupmann, Geschäftsführer Energieagentur
Durch den Tod von Hans Kronberger haben wir einen Menschen verloren, der mit seiner Vision einer modernen und fossilenergiefreien Energieerzeugung seiner Zeit weit voraus war. Sein Wissen und seine Analysen über Zusammenhänge und Abhängigkeiten werden fehlen. Er verstand es, dieses Wissen wie kaum ein anderer verständlich, nachvollziehbar und pointiert zu kommunizieren. Wir trauern mit vielen anderen nicht nur um einen herausragenden Experten, sondern vor allem auch um einen lieben Freund.

Hans-Josef Fell, Vater des deutschen EEGs
Lieber Hans, Du hast Großartiges für eine bessere Welt geleistet. Die Zusammenarbeit mit Dir im EU-Parlament und mit PV-Austria war stets von großem Sachverstand, leidenschaftlichem Einsatz und großer Freundschaft geprägt. Danke für Dein großes Lebenswerk. Ich werde Dich vermissen.

Doris Holler-Bruckner, Mobilitätspionierin
Lieber Hans! Du warst ein Überzeugter und ein Überzeugender, einer, der viel an der Veränderung der Welt gearbeitet hat, für die Energiewende. Einer der Visionäre, der die Idee der notwendigen Veränderung viele Jahre weitergetragen hat und andere ins Boot geholt hat. Es sind viele Gedanken, die Erinnerung an spannende Gespräche, die einfach bleiben. Dafür ein riesengroßes DANKE! Mit einem stillen Gruß und einem Gedenken an Deine Seele, die uns auf diesem Weg vorausgegangen ist.

 

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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