Ausschreibungen für Ökostrom?

  • Verfolgt man die heimische und europäische Energiepolitik, so kommt man nicht um das Thema Ausschreibungen für Ökostrom. Es wird zu einem Wunderwuzzi-System hochstilisiert, das alle unsere Energieprobleme künftig lösen wird.
    Eines vorweg: Ausschreibungen sind kein Fördersystem an sich, sondern nur ein möglicher Weg, wie Zuschüsse für Ökostrom vergeben werden. So kann etwa der Zugang zu Prämien, aber auch zu Investitionsförderungen über Ausschreibungen erfolgen.

In aller Munde sind die Ausschreibungen aufgrund der EU-Leitlinien für Beihilfen im Umwelt- und Energiebereich. Hier ist vorgesehen, dass ab 2017 anhand eindeutiger, transparenter und diskriminierungsfreier Kriterien ein Ausschreibungsprozess gewährt werden soll. Die Hoffnung bzw. das Ziel ist, dass durch ein Bieterverfahren der günstigste Preis erzielt wird.

Leider ist diese Annahme nur eine Theorie, die sich bislang in der Praxis nicht bewahrheitet hat. Wie bei jedem freien Markt gilt das Gesetz des Angebotes und der Nachfrage. Märkte mit wenigen Bietern werden zu einem Oligopol, wodurch bei kleinen Märkten eher steigende Preise zu erwarten sind. Nennen wir es einmal akademisch und nett: Es kommt zu einem strategischen Bieterverhalten. Das hierzu die Markdominanz und finanzielle Potenz der Landesenergieversorger bzw. von Energiekonzernen von Vorteil ist, leuchtet, glaube ich, jedem ein. Beispielweise erfordern Projekte kostspielige und aufwendige Vorleistungen für die Genehmigung. Es bleibt bei Ausschreibungen aber immer unklar, ob schlussendlich das Projekt einen Zuschlag erhält. Internationale Beispiele zeigen, dass Ausschreibungen bei Ökostrom niedrige und sogar sinkende Realisierungsraten mit sich bringen. Anbieter versuchen sich zu unterbieten, um den Zuschlag zu erhalten, unterschätzen aber ihre eigenen Kosten. Wenn sich noch zwischenzeitlich Rahmenbedingungen verändern, die die Kosten erhöhen, kann ein Projekt schnell unrentabel werden.

Das lustige ist aber, dass sogar die EU-Kommission nicht ganz von dem Vergabesystem überzeugt ist und sieht daher in den oben zitierten Leitlinien vor, dass man davon absehen kann, wenn nachweislich die Anzahl von beihilfefähigen Vorhaben begrenzt ist, wenn Ausschreibungen zu höheren Förderkosten (z.B. durch Preisabsprachen) führen, oder wenn nur wenige Vorhaben verwirklicht werden.

Ein ganz aktuelles Beispiel: Es wurden die Ergebnisse der siebenten Ausschreiberunde für Windkraftprojekte in Deutschland veröffentlicht. Lediglich für 54% der ausgeschriebenen Menge wurde geboten, der Rest blieb ungenutzt liegen. Vor der Einführung der Ausschreibungen wurden rund 5.000 MW Windkraftleistung pro Jahr errichtet. Für heuer werden rund 3.000 MW erwartet. 2019 prognostiziert der deutsche Windenergie-Verband BWE nur mehr 1.000 bis 1500 MW. Frankreich, das zweitwichtigste Windkraftland in Europa, hat mit den gerade eingeführten Ausschreibungen noch größere Schwierigkeiten. In der letzten Ausschreiberunde konnte nur ein Viertel der ausgeschriebenen Menge bezuschlagt werden.

Ich kann nur hoffen, dass Österreich mit der Einführung von Ausschreibungen nicht die gleichen Fehler macht und damit ein Verhinderungs- und kein Ausbausystem schafft …

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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