Photovoltaikboom 2.0 – jetzt oder nie!


  • (c) Alexander Ulz

  • Ich hab in letzter Zeit mal wieder gemerkt wie sehr in meiner eigenen Photovoltaikblase bin. Für mich ist das alles so logisch, ich kenne jede einzelne Förderung und habe eine Idee über den zukünftigen Energiemarkt.
    Bei meinen Gesprächen – auch mit Freunden – merke ich aber, dass ich damit tatsächlich zur Minderheit gehöre und möchte mal wieder sowas wie einen Grundlagenartikel inklusive Standortbestimmung schreiben. Wir stehen vor nicht weniger als dem Photovoltaikboom 2.0 wenn die Regierung ihre Vorhaben umsetzt und die Branche nicht ab März wieder ins Nirvana schickt. Das ist derzeit die größte Bedrohung des Marktes. Deshalb, jetzt handeln und nicht mehr warten.

Aber zuerst mal, wo stehen wir? Der Photovoltaikboom 2.0 ist in vollem Gange. Nach dem ersten durch Förderungen getriebenen Solarboom 2008-2012 gab es durch sinkende Strompreise und sinkende Förderungen einen regelrechten Einbruch des Zubaus von Photovoltaikanlagen in Österreich. Diese Dürreperiode dauerte von 2013-2016. Seit 2014 aber sind die Anlagenpreise für Photovoltaikanlagen stabil auf niedrigem Niveau, die Technologie ausgereift und tausende funktionierende Anlagen seit vielen Jahren in Betrieb. Mit Jänner 2018 kamen zwei Elemente hinzu, die den 2. Frühling der Photovoltaik in Österreich eingeläutet haben.

  1. Die Strompreise steigen und machen Photovoltaik noch wirtschaftlicher
  2. Die Förderung ist erstmals für 2019 bekannt (in dieser Form auch das letzte Mal)

Was ist die Oemag Förderung?

Die  OeMAG – Abwicklungsstelle für Ökostrom wickelt in Österreich die Bundesförderung für Photovoltaik ab und ist die derzeit attraktivste Form der Förderung der Photovoltaik in Österreich. Während der Klimafonds und die Stadt Wien „nur“ Investitionsförderungen ausschütten, also einen Zuschuss von 15-20 % auf den Anlagenpreis ausbezahlen (was bei hohem Eigenverbrauch auch toll ist), bezahlt die OeMag neben dem Investitionszuschuss auch einen Zuschuss auf überschüssigen Strom aus dem eigenen Kraftwerk. Das ermöglicht es, ein großes Dach komplett auszunutzen, anstatt nur einen Bruchteil zu belegen, welcher einen hohen Eigenverbrauch (Strom wird weitgehend selbst verbraucht) ermöglicht. Die Förderung für 2019 ist erstmals schon seit Beginn des Jahres bekannt und wird daher zu vielen Antragstellern führen.

Förderung bis 200 kWp 250,-/kWp Investitionszuschuss + 7,67 ct/kWh für überschüssigen Strom.

Zusätzlich dazu ist außerdem noch Geld aus 2018 mit einem Tarif von 7,9 ct/kWh übrig für Projekte die bereits entwickelt oder schnell zu genehmigen sind. Um die oben genannte Förderung für 2019 zu bekommen, muss jedoch bis Anfang Jänner ein fertig genehmigtes Projekt auf dem Tisch liegen, damit am 9.1. bei der großen „Klickralley“ der Zuschlag geholt werden kann. Hoher Eigenverbrauch wird vorgereiht, aber trotzdem muss man innerhalb von 2 Minuten den Antrag eingeben.

Wer es im Jänner nicht schafft hat dann wahrscheinlich im März nochmal die Möglichkeit bei der großen Investförderung einzureichen. Bei dieser Förderung werden auch Anlagen größer 200 kWp gefördert. Bei diesem Termin wird auch die „große Speicherförderung ausgeschüttet, die letztes Jahr schwer überbucht war. Angeblich gab es 6000 Anträge und nur 600 wurden gefördert.

  • 5-100 kWp 250,-/kWp Photovoltaik
  • 100-500 kWp 200,-/kWp Photovoltaik
  • Speicher: ca.  500,-/kWh Speicherkapazität

 

ACHTUNG: Ab März 2019 luftleerer Raum als größte Bedrohung

Nach März ist die Branche dann so wie es derzeit aussieht wieder im luftleeren Raum, weil nun am großen Energiegesetz 2020 gefeilt wird. Glaubt man den Gerüchten der Branche, soll es keine Tarifförderung mehr geben, was ich persönlich schade finde, weil das derzeitige System meiner Meinung nach europaweit das sinnvollste Fördersystem für Eigenverbrauchsanlagen darstellt. Zu viel Dachfläche wird ungenutzt bleiben, wenn es zu einer reinen Investförderung kommt.

Deshalb der große Aufruf. Wer auch noch annähernd darüber nachdenkt eine Anlage zu errichten, sollte sich baldmöglichst um einen Quick-Check kümmern. Bei diesem Quick-Check wird errechnet wie groß die Anlage am Dach werden könnte, wie viel sie kosten würde und was sie bringen würde.

Flachdachchecker – selbst Anlage ausrechnen

Wer sich zuerst selbst einen Überblick machen möchte, kann auch mit dem Flachdachchecker sein Dach prüfen. Dafür müssen Sie lediglich  Ihre Adresse eingeben und die Dachfläche an den Ecken anklicken. Oben erscheint dann die mögliche Anlagengröße in kWp. Um auf einen ungefähren Preis und Ertrag der Anlage zu kommen, gibt es einige hilfreiche Faustformeln:

  • 1 kWp kostet ca. 1.000,- – 1.500,- ab einer Anlagegröße von 10 kWp (Kleinere sind teurer)
  • 1 kWp produziert in Österreich ca. 1.000 kWh pro Jahr

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Zeitpunkt nie besser war, eine Investition in eine Photovoltaikanlage zu überlegen und zumindest prüfen zu lassen. Mit erhöhter Nachfrage weltweit ist langfristig auch mit nach oben schwankenden Modul- und Anlagenpreisen zu rechnen.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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