Fahrradmobilität – einen Zahn zulegen?

  • In Österreich werden rund 7% der Wegstrecken mit dem Fahrrad zurückgelegt. Wien belegt Platz 12 des „Copenhagenize Index“1, welcher die Fahrradinfrastruktur in verschiedenen Städten vergleicht, und ist damit unter anderem hinter Kopenhagen, Utrecht, Amsterdam sowie Tokyo, Berlin und Barcelona platziert.

In Linz werden nur ca. 5% der Wege mit dem Rad absolviert. Als österreichische Spitzenreiter gelten Graz mit 13% und Salzburg mit 18%2. Die Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung sieht nun eine Verdopplung des Radanteils bis 2025 vor, um die Klimaziele im Sektor Mobilität umzusetzen. In Anbetracht, dass sich der Radanteil in den letzten 20 Jahren gerade einmal um ca. 2% erhöht hat, scheint das aktuelle Ziel äußerst ambitioniert.

Für die meisten Pendler, die das Rad als Fortbewegungsmittel wählen, sind Zeitersparnis und Flexibilität die Hauptargumente, um auf PKW oder Öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten3. Die positiven Effekte auf die Gesundheit sind primär nicht ausschlaggebend, um auf das Fahrrad umzusteigen, können aber Radfahrerinnen und Radfahrer dauerhaft motivieren ihr Fortbewegungsmittel beizubehalten4.

Aus der Verkehrsplanung ist bekannt, dass Straßen genutzt werden, wenn sie vorhanden sind. Das bedeutet, dass das Angebot auch zu gewissen Teilen die Nachfrage bedingt. Bessere Fahrradinfrastruktur zu fordern, die Radwege großzügig auszubauen und beispielsweise attraktive Anreize für Firmen ihre Mitarbeiterinne und Mitarbeiter mit Rädern auszustatten, sind naheliegende Forderungen und Instrumente, um das Pendeln mit dem Rad schmackhafter zu machen.

Jedoch wäre ein deutlich besseres Fahrerlebnis und Zeitersparnisse mit ein paar Detaillösungen bereits möglich. Geringe Investitionssummen könnten die Situation positiv bestärken, indem zum Beispiel Ampelschaltungen für Fahrradfahrer optimiert werden und so „grüne Wellen“ möglich werden. Gut beleuchtete und großzügig dimensionierte Fahrradabstellplätze bei öffentlichen Gebäuden, als auch bei Arbeitsplätzen sind essentiell, damit Radfahren als unbeschwert betrachtet wird.

Bauliche Maßnahmen und auf den Radverkehr zugeschnittene Verkehrsplanung können manche Situationen im Straßenverkehr entschärfen. Die wohl schwierigste Punkt in den steigenden Fahrradzahlen wird aber wohl sein, ein positives Verhältnis zwischen allen Straßenteilnehmern sicherzustellen. Dies gelingt nur bei gemeinsamer Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer.

 

1http://copenhagenizeindex.eu
2http://radlobby.at
3Winters, M., Davidson, G., Kao, D., & Teschke, K. (2011). Motivators and deterrents of bicycling: comparing influences on decisions to ride. Transportation, 38(1), 153-168.
4Jones, C. H., & Ogilvie, D. (2012). Motivations for active commuting: a qualitative investigation of the period of home or work relocation. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity, 9(1), 109.

 
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