Brandschutz und Speichertechnologie – Interview mit Experte Rupert Haslinger

  • Rupert Haslinger

  • Speicher für Strom aus Photovoltaik sind in aller Munde. Ich selbst habe den Überblick über alle Möglichkeiten, Vor- und Nachteile verloren, deshalb hole ich mir heute wieder einen Experten „ins Haus“ und möchte vor allem über ein Thema sprechen, über das wir bei Kunden und Behörden immer wieder stolpern und möchte mit gängigen Mythen aufräumen.

Rupert, erzähl uns hier bitte kurz etwas über dich und deine Erfahrungen im Bereich Photovoltaik und Speicher.

Ich bin seit über 16 Jahren in der Energiewirtschaft tätig. Die Hälfte davon als Projektingenieur für Photovoltaik-Anlagen und Stromspeicher-Systeme in Österreich wie in Deutschland. Die Entwicklung von netzgekoppelten Stromspeicher-Systemen in Deutschland habe ich von Anfang an miterlebt. Seit 2013 hat dort ein unglaublicher Boom eingesetzt: wurden 2013 etwa 4.000 Speicher installiert, sind es im letzten Jahr rund 40.000 Speicher gewesen. Aktuell sind über 100.000 Stromspeicher-Systeme in Deutschland installiert. Damals konnte ich einen der ersten netzgekoppelten Stromspeicher in Deutschland projektieren und realisieren. Im Jahr 2013 wurde etwa bei jeder 10.ten Photovoltaik-Anlage ein Stromspeicher installiert – heute wird bei jeder 2.ten Photovoltaik-Anlage ein Stromspeicher installiert. In Deutschland lohnt sich der Speicher nicht nur wegen der Förderung, sondern vor allem wegen der hohen Strompreise. In Österreich ist eine Speicher-Förderung – derzeit – noch notwendig.

© BSW-Solar

Erstmal generell: Was sind die meistgehörten Mythen zum Thema Speicher und Brandgefahr?

Die gängigen Mythen sind: Speicher sind brandgefährlich und am Lebensende Sondermüll. Dazu ist zu sagen, dass Akkus nicht automatisch Sondermüll sind, sondern im Recyclingprozess wieder zu neuen Wertstoffen verarbeitet werden können. Beim Thema Brandgefahr ist zu differenzieren: handelt es sich um netzgekoppelte Speicher-Systeme bei Photovoltaik-Anlagen oder generell um Lithium-Akkus – zum Beispiel für E-Fahrräder. Bei Lithium-Akkus für E-Fahrräder kommt es hin und wieder zu Bränden, die aber auf eine unsachgemäße Lagerung oder unkontrollierte Ladevorgänge zurückzuführen sind. Generell gilt: Wenn der Akku vollständig geladen ist soll dieser vom Netz getrennt werden – und natürlich soll der Akku nicht in der Wohnung auf einer brennbaren Unterlage gelagert werden. Die Schlagzeilen in diversen Zeitschriften sind dann sehr reißerisch geschrieben und differenzieren auf den ersten Blick nicht, um welchen Speicher es sich im Detail handelt und wie dieser gelagert wurde: „Einfamilienhäuser werden brennen“ oder „Akku-Packs können wie eine Bombe hochgehen“. So entsteht oftmals ein falsches Bild in der öffentlichen Wahrnehmung. In den allerwenigsten Fällen handelt es sich tatsächlich um netzgekoppelte Stromspeicher für Photovoltaik-Anlagen, die in Zusammenhang mit einem Brand stehen. Blickt man sich die wenigen Fälle genauer an trifft man auch hier auf dieselben Fehler: keine sachgemäße Installation durch einen Fachbetrieb, Montage von nicht zertifizierten Speichersystemen und die Installation des Speichers an ungeeigneten Plätzen.

Und wie gefährlich ist ein Heimspeicher wirklich?

Netzgekoppelte Stromspeicher-Systeme sind grundsätzlich sichere Systeme, da sie mehrfach abgesichert sind. Die interne Absicherung nennt sich Batteriemanagementsystem (BMS) und kontrolliert ständig die Entlade- und Ladeströme und verhindert eine Überladung und eine Tiefenentladung. Bei einer zu starken Erwärmung stoppt zusätzlich der Entlade- bzw. Ladevorgang. Die externen Maßnahmen für einen sicheren Betrieb sind: eine sachgemäße Installation durch einen Fachbetrieb, die Montage von zertifizierten Speichersystemen und die Montage an geeigneten Plätzen. Fachunternehmen werden vom Speicherhersteller zudem zertifiziert. Als Kunde kann man nachfragen seit wann der Betrieb bei diesem Speicherhersteller zertifiziert ist. Je länger dieser zertifiziert ist, desto größer die Erfahrung. Ein erfahrener Installateur wird auch Empfehlungen geben wo der Speicher am besten installiert werden kann. Idealerweise nicht in der Garage (wo es im Winter zu kalt wird) oder am Dachboden (wo es im Sommer zu heiß wird). Ideal ist oft der Technikraum im Keller oder das Erdgeschoß, wo auch der Stromzähler installiert ist. Wie ein Wechselrichter, so soll auch ein Speicher mit ausreichend Montageabstand zu anderen Objekten installiert werden. Das heißt der Speicher darf nicht unmittelbar zwischen Schränken oder Regalen eingebaut werden. Die Kabelführung erfolgt in Kabelschächten und nicht lose an Wänden oder an hölzernen Aufbauten. Der Montageuntergrund darf nicht brennbar sein. Und natürlich gehört ein Speicher – wie alle anderen Elektroinstallationen inklusive der Photovoltaik-Anlage – versichert. Bei einer sachgemäßen Installation ist also ein dauerhafter und sicherer Betrieb gewährleistet.

In manchen Bedienungsanleitungen steht zum Thema „Verhalten im Brandfall“ nicht sehr viel. Es geht eher in die Richtung „Verlassen Sie das Haus“. Das ist nicht sehr beruhigend. Worauf sollte man beim Kauf achten?

Beim Kauf gilt es ein bewährtes Stromspeicher-System auszuwählen, welches von einem erfahrenen Fachunternehmen installiert wird. Bei Stromspeicher auf Basis der Lithium-Eisenphosphat-Technologie ist in der Kathode keine Sauerstoff-Verbindung enthalten. Im Brandfall ist somit kein „interner Sauerstoff-Lieferant“ enthalten. Auch aus diesem Grund setzen zahlreiche Anbieter auf Speichersysteme mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen.

Im Allgemeinen gilt: Bei jedem unkontrollierten Brand im Gebäude ist unverzüglich die Feuerwehr zu rufen. Sollte der Brand in Zusammenhang mit einem Stromspeicher stehen, dann gilt dies ebenso. Der brennbare Anteil in den Akkus beinhaltet primär den Kohlenstoff in der Anode, den Separator und den Elektrolyt. Im Brandfall ist der Elektrolyt auf Basis von Lithiumhexafluorophosphat kritisch. Hitze und Wasser beim Löschen wandelt das Lithiumhexafluorophosphat in Fluorwasserstoff bzw. Flusssäure um. Der Kontakt mit diesen Stoffen hat eine stark ätzende Wirkung. Daher gilt, dass im Brandfall die Feuerwehr unter Einsatz von Atemschutz den Brand löschen soll.

Es gibt so viele verschiedene Arten und „Chemiecocktails“ und als Laie ist es schwierig dabei den Überblick zu behalten. Gibt es sowas wie ein Ranking der am wenigsten gefährlichen Zusammensetzungen bis hin zu den gefährlichsten? Vielleicht hast du eine Studie dazu, die du verlinken kannst?

Wie erwähnt verhindert die interne Überwachung (BMS) einen kritischen Zustand des Stromspeichers. Eine sachgemäße Installation senkt das Restrisiko gegen Null. Des Weiteren gelten Speichersysteme mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen als sicherer, weil in der Metalllegierung keine Sauerstoff-Atome enthalten sind. Gleichwohl sind diese Speicher im Brandfall ähnlich zu bewerten, da auch deren Elektrolyt Lithiumhexafluorophosphat enthält. Da sachgemäß installierte Stromspeicher-Systeme grundsätzlich ein sicheres System darstellen, gibt es kein Ranking von gefährlichen bis sehr gefährlichen Speichern.

Welche auf dem Markt befindlichen Lösungen/Marken würdest du im Bezug auf das Thema Brandschutz empfehlen?

Bei den führenden Markenanbietern, ist man grundsätzlich auf der sicheren Seite. Hier gibt es Rankings – zum Beispiel von EuPD Research.

© EuPD Research 5/17

Was passiert wenn ein Haus brennt in dem ein Speicher steht?

Hat das Feuer im Haus den Speicher erfasst, kann es sein, dass der Speicher bei längerer Hitzeeinwirkung mechanisch, physikalisch und chemisch geschädigt wird. Der Speicher bzw. die Akku-Packs können dann zu brennen beginnen. Als Löschmittel dient oftmals Wasser um den Speicher zu kühlen und den Brand einzudämmen. Für den Einsatz bei Bränden gibt es klare Empfehlungen und Vorschriften. Der Landesfeuerwehrverband Niederösterreich hat hier eine kompakte Übersicht erstellt: „Photovoltaik-Anlagen und stationäre Lithium-Solarstromspeicher“

Ein detailliertes Merkblatt für Einsatzkräfte hat der deutsche Bundesverband der Solarwirtschaft e.V. bereits 2014 veröffentlicht: „Einsatz an stationären Lithium-Solarstromspeichern: Hinweise für die Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung“

Was wird in Zukunft von den Behörden verlangt werden?

Die Förder- und Genehmigungsprozedere für Speicher-Systeme sind in Österreich in jedem Bundesland unterschiedlich. Auf der Internetseite des Bundesverbandes Photovoltaic Austria sind die aktuellen Förder- und Genehmigungsprozedere dargestellt. Neuerungen werden auf dieser Internetseite stets aktualisiert: https://www.pvaustria.at/forderungen

Danke dir für das interessante Interview!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

One Comment

  1. Hallo,

    Bin selber seit 5 a bisher glücklicher Besitzer eines Energie-Plus Hauses mit 9,5 kWp PV-Anlage, Wärmepumpenheizung und 100% Smart Home Technologie auf Basis von KNX. Wenn andere schon ihre alten Ölkessel anwerfen müssen, damit sowohl die Umwelt verschmutzen und außerdem noch ihr Budget belasten, freue ich mich darüber, dass mein Haus mir noch Einnahmen statt Ausgaben beschert. Manchmal ist das sogar noch im Dezember so! Trotzdem konnte ich bis heute keinen Stromspeicher finden, für den sich die Investition gelohnt hätte. Meinen Berechnungen zu Folge müsste der nämlich – bei angenommenen 10 kWh nutzbarer Kapazität unter 4.000€ kosten. Man zahlt aber mindestens 6.000, eher schon 8.000 € und damit würde sich das bei mir nie rechnen. Ich verstehe deshalb den Hype um Stromspeichersysteme überhaupt nicht!

    Kann mir mal jemand dabei helfen, etwas wirklich „preiswertes“ im besten Sinne des Wortes zu finden?

    Axel Großmann

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