Österreich hat einen neuen grünen Startup Accellerator

  • In der Start-up Szene in Österreich steppt der Bär. Allerorts finden Events statt, werden Inkubatoren und Acceleratoren, Fonds und Awards gestartet und jeder will auf einmal ein Startup gründen. Leider sind die Events meist sehr weblastig und im Klima- und Energiebereich, wo eben nicht die Exits im Vordergrund stehen, sondern eben die Einsparung von Energie oder CO2, gab es bislang nur wenig.

Einzig die Greenstar Initiative des Klimafonds nimmt sich seit 4 Jahren den grünen Startups an. Nun gibt es mit Climate-KIC  eine weitere Institution an die man sich wenden kann und ich freue mich sehr, dass ich nach Greenstart nun auch Teil dieses Programms sein darf. Es ist ohnehin schwer genug sich im Energiemarkt durchzukämpfen und da helfen solche Programme doch sehr. Wir sprechen heute mit dem Programmmanager von Climate-KIC Johannes Naimer-Stach.

Du bist seit kurzem Programmmanager von Climate-KIC Österreich, erzähl uns kurz wie es dazu gekommen ist, und was du dort machst!

Ich war 2015 Teilnehmer beim ersten Start-up Programm von Climate-KIC in Österreich: dem ClimateLaunchpad. Das Konzept hat mir sehr gut gefallen, obwohl – oder wahrscheinlich eher – gerade weil ich mit meinem Businessplan dort phänomenal gescheitert bin. Aber es hat mit den Ausschlag gegeben, dass ich mich getraut habe mich ein Jahr später mit meiner 288 Grad Consulting im Bereich Klimaschutz und Innovation selbstständig zu machen. Und als dann Climate-KIC jemanden gesucht hat, der den Accelerator in Österreich aufbaut, hab ich die Chance ergriffen und den Auftrag tatsächlich bekommen.

Als Programm Manager bin ich für den Aufbau und den Betrieb des Accelerators in Österreich zuständig. Dazu gehört die Suche und Auswahl der besten Cleantech Start-ups Österreichs, die Entwicklung des Curriculums, die Abwicklung der Förderungen und – ganz wichtig – die Vernetzung mit dem europäischen Climate-KIC Netzwerk.

Was ist Climate-KIC und wie unterstützt ihr die Startups dabei?

Climate-KIC steht für Climate Knowledge and Innovationen Community. Zugegeben, das ist jetzt nicht selbsterklärend… Climate-KIC ist aber auf jeden Fall die größte europäische Innovationsinitiative für klimafreundliche Technologien. Climate-KIC fördert europaweit Innovationsprojekte, Start-ups und Nachwuchs-Innovatoren. Seit 2010 hat Climate-KIC mehr als 500 grüne Start-ups auf dem Weg von der Idee zum Markt begleitet, in Österreich etwa Wohnwagon, ESG Plus oder Afforest4Future.

Wir unterstützen zum einen finanziell. In der ersten Stufe bekommen ausgewählte Start-ups 10.000 Euro Förderung. Wer alle 3 Stufen passiert, erhält in Summe 85.000 Euro – und die sind nicht rückzahlbar. Also no strings attached… Dazu kommen Workshops und Coachings, sowie Vernetzungsevents mit Investoren, potentiellen Kunden oder anderen Start-ups. Gerade im deutschsprachigen Bereich arbeiten wir eng im Verbund mit den Acceleratoren in Zürich, München, Frankfurt, Berlin und seit November eben Wien, um unseren Start-ups Unterstützung über die Grenze hinaus bieten zu können. Wir sind also truly European!

Wenn nun jemand gerade in Gründung ist, oder eine Idee hat, wie oder wo kann er am besten bei euch andocken?

Zweimal pro Jahr laden wir die vielversprechendsten Startups, ob bereits gegründet oder noch am Weg dorthin, ein sich für unseren Accelerator zu bewerben. Der nächste, sogenannte Call startet bereits im Juli auf http://www.climate-kic.org/Accelerator/Switzerland-Austria. Natürlich schadet es nicht Climate-KIC auch in den sozialen Medien zu folgen. Oder aber einfach mich direkt kontaktieren!

Ich selbst bin ja großartigerweise nun im Climate KIC-Accelerator, könntest du aber für unsere Leser kurz die Stufen skizzieren, die man durchlaufen muss und was das bedeutet?

Und wir finden es erst großartig dich an Bord haben zu dürfen. Ich kann nur sagen, du hast großen Eindruck auf die Jury gemacht!

Stichwort Jury: aus allen Einreichungen aus dem Call werden die vielversprechendsten zu einer pitching session vor einer kompetenten, externen Jury eingeladen. Wer dort mit seiner Kurzpräsentation und auf Nachfragen der JurorInnen überzeugen kann, kommt für 6 Monate in die erste Stufe des Accelerators. Das sind aber nicht mehr als eine Hand voll. Danach folgt Stufe 2 mit einem Wert von 25.000 Euro und schließlich die letzte Stufe für 50.000 Euro. In Summe dauert das Programm 18 Monate, wobei man sich nach jeder Stufe wieder vor einer externen Jury beweisen muss. Lilium Aviation, die mit dem ersten elektrischen Flugzeug vor kurzem durch die Medien gegangen sind, haben etwa das ganze AcceleratorProgramm in Berlin durchlaufen und, wie man sieht, wohl alles richtig gemacht.

Ich finde es toll, dass nun immer mehr grüne Acceleratoren ins Land kommen. Erfahrungsgemäß sind das aber nicht die klassischen Exit-Startups, die man aus der Web- und Appszene kennt und es gibt auch nicht die großen Renditen, die sich manche Investoren erhoffen, wie geht ihr damit um, bzw. was ist dein Standpunkt dazu?

Cleantech bzw. Klimaschutz ist ein sehr komplexes Gebiet. Das reicht ja von den „Klassikern“, wie Lösungen im Bereich e-Mobilität und Erneuerbare, über exotischere Themen bis hin zu visionären Vorhaben, deren Erfolg vielleicht erst in Jahren oder Jahrzehnten sichtbar sein wird. Und all das habe ich bereits in Einreichungen gesehen. Das ist genau das Schöne an dieser Tätigkeit, und ich bin sehr dankbar so einer Tätigkeit nachgehen zu können. Das große ABER ist, dass es hier keine one-size-fits-it-all-Lösung gibt und man alles individuell betrachten muss. Das ist von der inhaltlichen Bandbreite schon mal anders als die klassischen Exit-Startups. Und dazu kommt, dass die Persönlichkeiten dahinter oft nicht (allein) finanziell motiviert sind. Daher weiß ich nicht, ob man das überhaupt vergleichen kann…

Jedenfalls steckt hinter allen Start-ups im europäischen Climate-KIC Accelerator Programm per definitionem ein Business Case. Und das endet nicht selten damit, dass die Start-ups schon während des Programms Millionen einsammeln können. Das geht nur mit überzeugendem Renditeversprechen.

Mich persönlich motivieren weniger die finanziellen Kennzahlen, ich will Impact ermöglichen! Und ich bin überzeugt, dass sich Impact auch materialisieren lässt.

Was braucht die grüne Startup-Szene deiner Meinung nach, damit noch mehr Gründer in dieses Thema gehen, statt die 100. App zu progammieren? Es gibt meiner Meinung nach in diesem Bereich viel mehr Probleme aka Ideen als Gründer.

Bis jetzt habe ich, zugegebenermaßen, keine App im Programm gehabt. Aber wenn die 100. App clever gemacht ist und gleichzeitig einen Unterschied im Bereich Klimaschutz machen kann, dann immer her damit!

Ich denke, dass ein Schlüssel die Interdisziplinarität von Teams ist. Das zu fördern bringt ganz neue Zugänge, ganz neue Produkte und gleichzeitig reduziert ein komplementäres Team das Risiko zu Scheitern. Dann glaube ich, dass sich jeder und jede mit einer guten Idee eben diese Idee einmal im Rahmen eines Workshops, einer Ausschreibung oder einer Pitch Session präsentieren sollte. Das nimmt die Scheu und öffnet neue Wege.
Und dann fehlt oft auch die Bereitschaft oder auch die Offenheit als Unternehmer oder Unternehmerin am Kampf gegen den Klimawandel mitzumachen. Zugegeben, das ist nicht jedermanns Sache, aber ich denke, dass gerade Entrepreneure Lösungen schaffen können, die z.B. die Politik nicht schafft.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.