Nachhaltig investieren: Urbanisierung als große Herausforderung des 21. Jahrhunderts

  • Smart city Internet of Things and Information Communication Technology (c) Fotolia littlestocker

  • Die Urbanisierung ist einer der großen globalen Trends. Der Zuwachs an Menschen, vor allem an Menschen in Städten, schreitet weltweit voran – in den Industrienationen, und mehr noch in den Schwellenländern. Doch was bedeutet das Entstehen von Megacities für Gesellschaft und Umwelt?

Der verstärkte Zuzug aus ländlichen Gebieten in die Städte kann letztlich als ein Effekt der Industrialisierung und des sozialen Wandels gesehen werden. Beim mittlerweile seit Jahrhunderten zu beobachtenden Prozess eines andauernden Städtewachstums spielt das Bevölkerungswachstum in den jeweiligen Ländern allgemein eine entscheidende Rolle. Dazu kommen Aspekte u.a. der Infrastruktur, Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung und der erwartete Lebensstandard. Neue Konzepte für die „Städte der Zukunft“ schließen unter anderem Ideen in den Bereichen Bauökologie, Ressourcenverbrauch und Verkehr mit ein. Die Städte selbst sind inzwischen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. So zeichnet Tokio beispielsweise für 40 % des Bruttoinlandsprodukts von Japan verantwortlich, und der Großraum Paris trägt zu 30 % an der französischen Wirtschaftsleistung bei. Der sogenannte Verstädterungsgrad als Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung misst die Urbanisierung. Dieser betrug im Jahr 2009 weltweit erstmals mehr als 50 %. In den Emerging Markets sind es derzeit noch 45 %. 2050 werden laut Schätzungen der UNO mehr als drei Viertel der Erdbevölkerung in Städten leben.

Wie nachhaltig sind Städte?

Aus Nachhaltigkeitssicht stellt sich die Frage, ob Städte prinzipiell mehr oder weniger „nachhaltig“ sind, als der ländliche Raum. Einerseits verbrauchen Städte derzeit rund 70 % des Primärenergiebedarfs, sind für 80 % der CO2-Emissionen verantwortlich und stehen für 75 % des Rohstoffbedarfs. Andererseits ermöglichen sie auch eine effiziente Versorgung mit technischer Infrastruktur wie Mobilität, Energie und Wasser und sorgen für Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie Produkten und Dienstleistungen. Das Thema der Urbanisierung schließt neben den Kernstädten auch die Peripherie mit ein. In den Industrieländern ist seit einigen Jahrzehnten eine Suburbanisierung, also eine Wanderbewegung aus der Kernzone der Städte in die Peripherie, zu beobachten. Wenn man Nachhaltigkeitsfaktoren für Stadt und Vorstadt analysiert, dann weisen die Städte selbst aus Nachhaltigkeitssicht deutliche Vorteile gegenüber den Vororten oder sogenannten „Speckgürteln“ auf. Der Energieverbrauch von Bewohnern der Peripherie ist deutlich höher als in den städtischen Zentren. Der ökologische Fußabdruck eines durchschnittlichen Vorstadthauses rund um New York liegt beispielsweise in etwa beim zweieinhalbfachen Wert von jenem einer Wohnung in New York. Dies kann unter anderem damit erklärt werden, dass der CO2-Ausstoß alter Metropolen in der Regel relativ gering ist, weil relativ wenige Menschen ihre Autos nutzen.

Smart Cities – energieeffiziente und ressourcenschonende Städte

Nachhaltige Konzepte für Städte umfassen unterschiedliche Aspekte. Wesentliche Themen beinhalten etwa die Nachhaltigkeit der Bauten selbst, den Ressourcenverbrauch und das Thema öffentlicher Verkehr und Mobilität. Der ökologische Fußabdruck von Städten hängt auch davon ab, wie dicht die Stadt aufgebaut ist. Dichtere Städte verbrauchen weniger Rohstoffe weil man kurze Wege nutzt. Vertikale Städte wie Hongkong weisen einen sehr geringen Benzinverbrauch pro Person auf. Das Gegenteil ist bei sogenannten Flächenstädten wie Houston der Fall. Im Zusammenhang mit dem Konzept von „Smart Cities“ werden die Themen Mobilität, Energie, Umwelt, Wirtschaft, Governance sowie Mensch und Lebensqualität miteinander verknüpft und in den Mittelpunkt gestellt. Moderne Smart-City-Konzepte setzen sich mit der besonderen Bedeutung von Städten im Kontext von Klimaschutz und Ressourcenmanagement auseinander. Prinzipiell bieten Städte ein großes Potenzial, den Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit und demographischer Wandel mit intelligenten Lösungen zu begegnen. Aus ökologischer Sicht sind Effizienzsteigerungen und die Reduktion des Energieverbrauchs wesentlich. Angestrebt wird eine Verbesserung der Treibhausgasbilanz durch Einsatz neuester Technologien mit hoher Ressourcen- und Energieeffizienz sowie durch intelligente und systemorientierte Lösungen zur Optimierung der Energiesysteme.

Unternehmensdialog: Smart Metering und Smart Grid

Im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung kommen neue Technologien in den Bereichen Infrastruktur, Gebäude und Mobilität zum Einsatz. Um Ressourcen wie Energie und Wasser möglichst effizient zu nutzen, werden sie zunehmend auch intelligent vernetzt – wie in den Konzepten von „Smart Metering“ (intelligentes Zählen) und „Smart Grid“ (intelligentes Stromnetz). Der Trend zu „Smart Metering“ und „Smart Grid“ wird durch das dynamische Wachstum bei erneuerbaren Energien und durch neue IT-Entwicklungen unterstützt. Im Zusammenhang mit dem Thema Urbanisierung zielt der Unternehmensdialog des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management auf Unternehmen in den Bereichen „Smart Metering“ und „Smart Grid“ ab. Wesentliche Fragen an die Unternehmen sind in diesem Zusammenhang: Welche Ressourceneinsparungen sind mit „Smart Metering“ und „Smart Grid“ Systemen möglich? Was sind die wesentlichen Hindernisse, die ein schnelleres Wachstum in den Bereichen „Smart Metering“ und „Smart Grid“ verhindern? Welche aktuellen Entwicklungen und technischen Neuerungen prägen „Smart Metering“ und „Smart Grid“? Sind die Technologien zu „Smart Metering“ und „Smart Grid“ bereits ausgereift?
Chancen und Risiken smarter Technologien

Europa und Nordamerika sind seit einigen Jahren intensiv dabei, Smart-Grid-Lösungen zu implementieren. In Europa ist Italien führend, in den USA gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesstaaten. In den Emerging Markets kommt das Thema erst seit kurzem in die Gänge, der chinesische Markt weist umfangreiches Potenzial auf. Bei Smart Grid handelt es sich mittlerweile um technisch ausgereifte Technologien, sowohl was die Datenübertragung als auch was die Verbrauchssteuerung betrifft. Allerdings existieren bislang keine allgemeingültigen Standards für Smart Metering. Auch die Berechnung von Einsparungen ist derzeit nicht geregelt. Die Verwendung neuer Technologien wird jedoch immer wieder durch Finanzierungsengpässe und Veränderungen bei der Regulierung der Energiebranche gehemmt. Die hohen Kosten verhindern, sofern nicht klare Vorgaben des Gesetzgebers existieren, auch einen flächendeckenden Einsatz der neuen Technologien durch die Energieversorgungsunternehmen. Weiters zeigt sich, dass Neubauten eine deutlich höhere Dichte an Kontroll- und Messtechnologien aufweisen als revitalisierte Altbauten. In einzelnen europäischen Staaten sind mittlerweile Smart-Grid-Lösungen für Neubauten vorgeschrieben. Zu den vielen Chancen von Smart-Grid-Technologien zählen die Verbesserung der Energieeffizienz – in den einzelnen Haushalten kann Studien zufolge von Effizienzgewinnen von 4 bis 12 % ausgegangen werden –, die Reduktion der Anzahl und Dauer von Stromausfällen sowie die Optimierung der Nutzung der verwendeten Hardware. Der Smart-Metering-Markt sollte in den nächsten fünf Jahren um kumuliert mehr als 50 % wachsen. Zu den Risiken von Smart-Grid-Technologien zählen einerseits Manipulationen, etwa durch Hacker-Angriffe oder auch durch den Kunden selbst, andererseits sind bei der Vielzahl von generierten Datensätzen auch Themen des Datenschutzes von Relevanz.

Schneider Electric: 80 % der Umsätze aus Bereichen mit Clean-Tech-Bezug

Die Forschungsquote von Schneider Electric liegt deutlich über dem Branchenschnitt. Schneider Electric beschäftigt sich intensiv im Bereich der Ressourcenintegration und -optimierung. Im Bereich Gebäudemanagement bietet das Unternehmen Monitoring- und Steuerungssystem für Klima und Sicherheit in Gebäuden an. Außerdem umfasst das Produktspektrum von Schneider Electric die Bereiche Licht- und Zeitmanagement, wie Zeitschaltuhren und Fernsteuerungen, Lichtsteuerungsgeräte und Patientenrufanlagen. Das Unternehmen bietet Produkte und Lösungen für die Integration intelligenter, vernetzter Produkte mit der Fähigkeit zur digitalen Datenübertragung an. Dazu zählen Anlagen für die Hausautomatisierung, unterbrechungsfreie Stromversorgungen bis zu intelligenten Schaltanlagen. Schneider Electric bietet eine sichere Infrastruktur-Plattform, die auch für Vor-Ort-Lösungen in Szenarien außerhalb der Cloud geeignet ist. Die Applikationen und Analysen des Unternehmens wandeln die aggregierten Daten in betriebsbezogene Informationen und Erkenntnisse um. All das, macht das Unternehmen – neben anderen Faktoren – zu einem interessanten Investment für nachhaltige Anleger, so auch für Raiffeisen Capital Management.

Fazit

Der Wunsch nach dem „Leben im Grünen“, der Anspruch eines möglichst vielfältigen kulturellen Angebots und viele andere Interessen veranlassen die Menschen, ihren Wohnort irgendwo zwischen Stadtkern, Peripherie und Land auszuwählen und auch immer wieder zu wechseln. Damit verbunden sind neue Herausforderungen an Transportmöglichkeiten und immer weiter steigende Preise für Immobilien und Wohnen. Die Ressourcen werden knapp, das Land ebenfalls. Mit Hilfe von Konzepten à la „Smart City“ können diese Herausforderungen vielleicht erfolgreich gemeistert werden.

 
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Wolfgang Pinner

Wolfgang Pinner

Mag. Wolfgang Pinner, MBA hat in Wien und Nottingham studiert und sich seit dem Jahr 2001 auf das Thema Nachhaltiges Investment spezialisiert. Er hat zum genannten Thema bisher drei Bücher veröffentlicht und ist an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen als Lektor tätig. Seit November 2013 ist er Leiter des Teams für Nachhaltiges Investment bei Raiffeisen Capital Management. Seine Verantwortungsbereiche gehen dabei sowohl in Richtung Nachhaltigkeitskonzepte für Fonds als auch in Richtung des täglichen Managements von Investmentfonds. Privat ist er einerseits sportlich als Triathlet unterwegs oder widmet sich seiner Kakteenzucht.

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