Geld verdirbt den Charakter nicht

  • Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind enorm: Klimawandel, Migration, demographischer Wandel. So unterschiedlich die Probleme auch sein mögen, für ihre Bewältigung brauchen wir eine fundierte Analyse, innovative Lösungsansätze und Geld für die Umsetzung. Letzteres aufzustellen ist angesichts der nicht gerade üppig gefüllten Staatskassen nicht gerade einfach. Aber auch Nichthandeln ist nicht gratis. Die COIN-Studie beziffert die Klimawandelkosten für Österreich bis 2030 auf zwischen zwei und vier Milliarden jährlich.

Wenn wir parallel die Energiewende umsetzen und die Digitalisierung vorantreiben wollen, wird ein richtig hoher Investitionsbedarf offensichtlich. Staaten können das nicht im nötigen Umfang leisten. Hier können und sollen private und institutionelle Investoren einspringen. Warum sie das tun sollen? Weil es auch Geld abwirft. Das Ganze heißt „Impact Investment“ und ist unter diesem Begriff seit den späten 2000er-Jahren ein ernstzunehmender Ansatz in der Finanzierung.

 

Dass Einkäufe und Investitionen Nebenwirkungen haben können, die auf keinem Beipacktext gedruckt sind, ist mittlerweile bekannt: von den südafrikanischen Weintrauben im Einkaufskorb, die einen enormen CO2-Ausstoß für den Transport im Rucksack haben, bis hin zu Beteiligungen von Pensionsfonds an Palmöl-Produzenten, die Regenwald abholzen. Investitionsentscheidungen können aber auch erwünschte soziale und ökologische Auswirkungen haben. Und darum geht es bei „Impact Investments“, es sind Investments in Firmen, Organisationen und Fonds mit dem Ziel, neben dem finanziellen Gewinn auch einen messbaren sozialen oder ökologischen Mehrwert zu generieren.

 

Best Practice Beispiele gibt es mittlerweile aus ganz Europa. Einige davon wurden Ende April beim 3. Forum Impact Investment in Wien diskutiert. Sie zeigen, wenn der Finanzsektor mit an Bord genommen wird, können nachhaltige Lösungen finanziert werden. KLP etwa, der größte Lebensversicherer Norwegens, zieht sich einerseits aus problematischen Investitionen wie beispielsweise Kohleförderung zurück und investiert stattdessen in Erneuerbare Energien in Entwicklungsländern. Fast zehn Prozent der gesamten Investitionssumme gehen in Erneuerbare Energien. Der CO2-Fußabdruck ist mittlerweile um 20 Prozent geringer als der von anderen Finanzinstituten. Im Nachhaltigkeitsranking liegt KLP in Norwegen auf dem ersten Platz im Finanzbereich.

 

Bleibt es dem Staat alleine überlassen, wird es schwierig werden, effektive Lösungen zu bezahlen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert. Und nicht zu handeln können wir uns jedenfalls nicht leisten. Ich halte es da mit dem amerikanischen Schriftsteller John Steinbeck: „Vielleicht verdirbt Geld den Charakter. Auf keinen Fall aber macht Mangel an Geld ihn besser.“

 
About the Author

Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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