In Vielfalt geeint

  • Der US-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf dauerte zwar nicht solange, wie der Pannen behaftete österreichische, doch sind die Folgen etwas heftiger zu spüren. Sie ähneln eher welt-systemischen Eruptionen als schlicht einem ideologischen Regierungswechsel von liberal auf konservativ.

Es geht – auf gut österreichisch gesagt – um „besondere bauliche Maßnahmen“ an der Grenze zu Mexiko genauso wie um das von den USA maßgeblich und jahrzehntelang propagierte Weltwirtschaftssystem nach Bretton Woods, das mit einem Schlag auf den Kopf gestellt scheint. Darüber hinaus ist der Welthandel nicht mehr positiv konnotiert, sondern als zumindest US-Arbeitsplätze verschlingendes Ungeheuer betrachtet.

Das oberste Ziel der republikanischen US-Regierung (beziehungsweise des Präsidenten ad personam) ist die Schaffung von Jobs in den Vereinigten Staaten. Wer kann ihr das eigentlich verübeln? Dieses Ziel scheint doch auf der Prioritäten-Liste aller Regierungen weltweit oben auf. Und genau das ist auch der Knackpunkt. Bisher haben Handelspartner auf die eine oder andere Weise profitiert. Häufig ganz klassisch auf der Basis komparativer Kostenvorteile. Jetzt sollen jene Unternehmen, die für den US-amerikanischen Markt produzieren auch ihre Fertigungsbänder in die USA verlegen und beispielsweise „deutsche“ Autos vom Auspuff bis zum Touchscreen in den USA gefertigt werden. Praktisch das umgekehrte Motto des weltbekannten Smartphone-Herstellers: „Designed in Germany, assembled in USA“. Dass es über kurz oder lang nicht dabei bleiben würde (s. China), sondern auch der gesamte Dienstleistungsbereich in die USA verlegt werden müsste, um der US-Regierung gefällig zu sein, ist dabei ein offenes Geheimnis. Dazu kommt, dass der amtierende US-Präsident schwierig zu lesen ist, da er nun mal keinen politischen „Record“ vorzuweisen hat.

Für Europa gibt es nur die Möglichkeit genau hinzuhören was in den USA vor sich geht und gleichzeitig sich selbst auf eine gemeinsame Linie zu verständigen. Nicht nur im Wirtschaftlichen, sondern vor allem auch in einer gemeinsamen Außenpolitik. Europa muss Vorsicht walten lassen, um nicht zum Spielball der Wirtschaftsinteressen der USA, Russland oder China zu werden.

Auch den USA würden Zölle, Handelsbarrieren etc. schaden. Sowohl etwaige Zölle aber auch die Kosten für „besondere bauliche Maßnahmen“ werden am Ende alle Amerikaner selbst in ihren Geldbörsen spüren, weil die Preise für Waren steigen und sie sich weniger leisten können werden.

Als EU werden wir uns überlegen müssen, welche Rolle wir in der Welt hin künftig einnehmen wollen. Immer klarer zu Tage tritt aber auch der Reformbedarf der Union und damit auch die Notwendigkeit, dass sie die Anschuldigungen entkräftet werden, nur eine Staatengemeinschaft zu sein, die die (wirtschaftlichen) Interessen weniger vertritt.

Die US Amerikanische Parole „E pluribus unum“ – Out of many, one – wird gegen die Europäische „In varieta concordia“ – United in diversity antreten. Ich bin überzeugt, dass nur das Einende die freie Welt stärken wird.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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