Holzheizungen verlieren weiter an Boden

  • Es war wieder einmal soweit: Die Energiesparmesse in Wels versammelt Anfang März alljährlich die Heizkessel-Branche. Sogar die Minister Mitterlehner und Rupprechter eröffnen die Publikumsmesse und präsentieren die neuesten Förderpakete. Ferner können Statistiken, Entwicklungen und Trends aus erster Hand in Erfahrung gebracht werden. Die wohl wichtigsten Zahlen präsentiert die Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK).

Demnach sind die Absatzzahlen der Branche 2016 verglichen mit 2015 um 20% abgesunken. Der besonders starke Rückgang lässt sich vordergründig mit vorgezogenen Investitionen bei den Gasgeräten erklären. Im Vorjahr war aufgrund der EU-Ökodesign-Richtlinie die letzte Möglichkeit noch klassische Gasthermen zu verkaufen. Nunmehr muss bzw. müsste ein Brennwertgerät installiert werden. Müsste deshalb, weil in einigen Bundesländern die Bauordnung noch nicht angepasst wurde, und es genug Hamsterkäufe gegeben hat.

Besonders bitter sind die Absatzzahlen für die Holzfans: Hier wird ebenfalls mit einem Minus von 20% gerechnet. Vor allem die Pelletsheizungen trifft es sehr, wo 2016 nur etwa 4.000 Anlagen (über alle Leistungsklassen!) verkauft worden sind. Vor wenigen Jahren waren es rund 12.000 Kessel. Das gleiche traurige Bild gibt die Solaranlagen-Branche ab, wo seit längerem Rückgänge verzeichnet werden.  2016 sind es wiederum –11% auf 130.000 m2. Ein Tropfen auf den heißen Stein ist das Minus bei den Ölkesseln von rund 10% (rund 600.000 Anlagen im Bestand). Dennoch werden mehr Ölkessel verkauft als Pelletsheizungen. Last but not least wächst die Wärmepumpenbranche kontinuierlich im kleinen Prozentbereich und dies nur im Luft/Wasser-Bereich.

Wie auch immer die Experten die Zahlen interpretieren, eines ist ein Faktum: Eine Energiewende im Wärmebereich müsste anders aussehen, wenn man bedenkt, dass jeder neu installierte fossile Kessel mindestens 25 Jahre (technisch) funktionieren könnte. Soll man nun die Politik dafür tadeln? Meiner Meinung nach Jein.

Nein) Mit einem Kollegen habe ich die Bundes- und Landesförderungen für Holzheizungen für das heurige Jahr erhoben, die auch online verfügbar sind. Gleichzeitig haben wir ein Kesseltausch-Förder-Ranking vom Umstieg von Heizöl auf Pellets der Bundesländer durchgeführt. Als Grundlage für die Berechnung wurden Kosten von 15.000 Euro für einen 15 kW Pelletskessel inklusive Montage, Lagerraum, Puffer und sonstiges Zubehör sowie die optimale Erfüllung aller Fördervorrausetzungen angenommen. Kärnten hat dank der Bioenergie österreichweit den größten Anteil erneuerbarer Energien im Energie-Mix und darüber hinaus gewährt das Land für das betrachtete Beispiel mit 5.250 Euro die größte Förderung im Bundesländervergleich. Wird auch die Bundesförderung des Klima- und Energiefonds beantragt, erhält man einen Zuschuss von insgesamt 7.250 Euro. Auf Kärnten folgt Vorarlberg, wo zusätzlich zur „Basisförderung Altbau“ (Baubewilligung vor mindestens 20 Jahren) in Höhe von 1.500 Euro ein „Förderbonus Altbau“ von 2.500 Euro für die nachweisliche und fachgerechte Entsorgung des Ölkessels zur Verfügung gestellt wird. Samt der Bundesförderung erhöht sich die Summe somit auf 6.000 Euro. Tirol belegt mit einer Fördersumme von 3.750 Euro (inkl. Bundesförderung 5.750 Euro) den dritten Platz. Das Land hat mit rund 108.000 installierten Kesseln österreichweit den größten Anteil an Ölheizungen. Auf den vierten Rang hat sich heuer Niederösterreich mit der „Förderung Heizkesseltausch“ und einem direkten Zuschuss von 3.000 Euro (5.000 Euro) katapultiert. Diesen Platz muss es aber mit dem Land Salzburg teilen, das die gleiche Förderhöhe anbietet. Und auch bei den restlichen Bundesländern werden Förderungen gewährt. Im Ranking sind Gemeindeförderungen nicht berücksichtig. Auch Sanierungsmaßnahmen können die Zuschüsse noch deutlich erhöhen. Diese Informationen sollten zusätzlich von den Förderwerbern erfragt werden.

Also am Willen der Politik scheitert es nicht. Das Grundproblem ist, dass die fossilen Energien zu billig sind. Hier müsste der Hahn zugedreht werden, was aber politisch wesentlich schwieriger umzusetzen ist. Und so komme ich zum Ja.

Ja) Die bislang gesetzten Maßnahmen reichen nicht aus, um eine Kehrtwende am Wärmemarkt zu erreichen. Aus diesem Grund muss eine langfristig progressive CO2-Abgabe eingeführt werden, um die fossilen Energieträger aus dem Markt zu drängen!

Hier ist die Förderübersicht für Holzheizungen zu finden:

http://www.biomasseverband.at/service/foerderuebersicht/foerderungsuebersicht-holzheizsysteme/

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.