Nachgefragt: Die Flat Energy World im Detail

  • (c) Steffen Bukold

  • Einer meiner letzten Artikel „Welcome to the Flat Energy World“ hat mal wieder einiges an Staub aufgewirbelt. Für einige scheint es wirklich ein Ding der Unmöglichkeit, dass Erneuerbare nicht mehr das teure Monster sind, für das sie mal gehalten wurden.

    Wie versprochen gibt es nun das Interview mit dem Verfasser der Studie, der ausnahmsweise für uns mal aus dem Nähkästchen plaudert. Normalerweise bekommt man seine Zeilen nämlich nur als Abonnent seines Newsletters „Global Energy Briefing“ und er hat meinen größten Respekt, weil er als einer der wenigen geschafft hat, die umfassende Arbeit die hinter dem Recherchieren und Bewerten von Energiestudien steckt, auch bezahlt zu bekommen. In einem alternativen Leben von mir wäre ich in eine ähnliche Richtung gegangen und wollte immer Energiestudien in Infografiken verwandeln, aber Steffen macht das mit Energy Comment schon wirklich gut und nimmt hier vielen Beratern vermutlich sehr viel Zeit ab. Ich freue mich auf das Interview und darf vorstellen: Steffen Bukold von Energy Comment.

     

Erstmal vorab. Erzähl uns bitte wie es zu Energy Comment gekommen ist?

Hallo! Ich habe EnergyComment 2008 als unabhängiges Forschungs- und Beratungsbüro in Hamburg gegründet. Wir finanzieren uns über den erwähnten Newsletter und Auftragsstudien. Der Schwerpunkt lag zunächst auf Ölthemen, aber dann kamen in den letzten Jahren immer mehr Energieträger hinzu, so dass aus dem „Global Oil Briefing“ allmählich das „Global Energy Briefing“ wurde. Dabei konzentriere ich mich auf einige wenige Aspekte: Preise, Kosten und Investitionen – also vom Ölpreis in London über Solarparks in Chile bis zu Kosten der Elektromobilität in China.

Wer sind so deine Kunden? Ich könnte mir vorstellen, dass das Who is Who der Energiewirtschaft vertreten ist, oder ist das ein Berufsgeheimnis?

Die Kunden kommen aus sehr unterschiedlichen Richtungen: Von Versicherungen und Banken über Energieunternehmen und Behörden bis zu großen NGOs, Medien und Privatpersonen. Im Moment habe ich den Eindruck, dass sich vermehrt institutionelle Investoren für unser Angebot interessieren.

Jetzt gehen wir etwas weiter ins Detail und besprechen eine deiner Grafiken, die du uns dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hast. Nämlich die „Flat Energy World“. Wie erwartet, kamen hier einige Rückmeldungen und ich selbst habe auch noch ein paar Fragen dazu. Erstmal Prinzipielles. Wie entstand diese Grafik? Ist das eine Zusammenfassung aus den Studien, die du im Newsletter besprichst oder von einem bestimmten Forschungsinstitut im Speziellen?

Flat Energy World - Vergleich der Energiekosten

Kostenvergleich Photovoltaik, Wind, Gas, Wärmepumpe, Diesel, Kohle

Die Grafik stammt aus einem Vortrag, den ich letzten November in Wien bei der Veranstaltung „Energiezukunft 2050“ auf Einladung von Georg Günsberg halten durfte. Dort stellten die wichtigsten Umwelt-NGOs, Ministerien sowie Bloomberg (BNEF) ihre Gedanken und Daten zur langfristigen Entwicklung der Energieversorgung vor.

Einige Leser würden sich noch mehr Informationen zur Datenbasis und den Annahmen wünschen. Wäre es ausnahmsweise möglich, die außerhalb des Newsletters zu veröffentlichen?

Ohne den Vortragstext sind solche Charts natürlich immer etwas schwer zu interpretieren. Er vergleicht die Kosten unterschiedlicher Technologien in zwei Energiepfaden: fossil und regenerativ. Die Daten stammen ausnahmslos aus Referenzquellen, insbesondere von der IEA. Das Ergebnis ist zweifellos etwas abstrakt. Zum Beispiel sind die Stromgestehungskosten der Gas- und Kohlekraftwerke heutzutage weitaus höher, da viele Anlagen nur schlecht ausgelastet sind. Umgekehrt profitieren Wind- und Solarstrom von ihrem Einspeisevorrang und günstigen Finanzierungsbedingungen.

Bei den Strompreisen sind mir die LCOE Kosten (Levelized Cost of Electricity) relativ klar und diese decken sich auch mit dem was ich erlebe und auch selbst berechnet habe. Bei der Wärme hingegen gibt es mMn noch unterschiedliche Herangehensweisen bei den LCOH (Levelized Cost of Heat). Die 2,2 ct/kWh Gaskosten sind ja die reinen Energiekosten und nicht die Vollkosten inklusive Gerät und Wartungskosten oder?

Ja, das ist richtig. Die LCOE wären im Einzelfall zu unterschiedlich. Hier die Wärmepumpe, dort die Gastherme plus Kosten für den Gasanschluss und die anteiligen Kosten für Ausbau und Betrieb des örtlichen Gasnetzes. Der Unterschied bei den Investitionskosten ist jedoch angesichts der langen Abschreibungszeiten und der Fortschritte bei der Wärmepumpentechnik relativ unbedeutend.

Bei den Kosten für die Kraftstoffe steige ich überhaupt ein wenig aus. Was genau bedeutet die Unterscheidung zwischen Antriebsenergie Diesel und Diesel Fuel und welche Instandhaltungs- und Investitionskosten wurden da hinterlegt? Auch hier wird ja ein Vollkostenvergleich angestrebt, oder?

Dieselkraftstoff kostet netto 3,5-4 ct/kWh. Nur 25-30% davon können als Antriebsenergie genutzt werden; der Rest geht als Abwärme verloren. Das Elektrofahrzeug kann dagegen 85-90% des Stroms in Antriebsenergie umsetzen. Bei den reinen Fahrzeugkosten habe ich konservativ angenommen, dass konventionelle PKW (Diesel/Benzin) dem Kostendruck durch Elektrofahrzeuge standhalten können. Wir dürften hier nicht die Preise von Premium-Kleinserienfahrzeugen mit global produzierten Standardfahrzeugen mit millionenfachem Absatz vergleichen. Der Diesel-PKW steht weltweit vor dem Aus, der Benziner ist technisch ausgereift, während Elektrofahrzeuge erst am Anfang der Learning Curve stehen. Schon heute sind einfache Elektrofahrzeuge in China ähnlich teuer wie PKW mit Verbrennungsmotoren.

Zuguterletzt, welche Auswirkungen haben die Annahmen Hohe Auslastung und 7% Discount Rate auf die Berechnungen?

Das betrifft den Stromsektor. Auf die Auslastungsfrage bin ich oben schon eingegangen. Gaskraftwerke wären in einem Level Playing Field sicherlich profitabler. Die Frage der Kapitalzinsen ist überaus wichtig für die Attraktivität der unterschiedlichen Stromerzeuger. Im Schaubild sind es vereinfacht einheitlich 7%. In der Realität haben regenerative Stromerzeuger zumindest in Deutschland und Österreich weitaus günstigere Finanzierungsbedingungen, da es durch den Einspeisevorrang bzw. die garantierten Einspeisetarife kaum noch Kapitalrisiken gibt. Das wird nicht ewig so bleiben. Sobald alle Stromerzeuger dieselben Risiken tragen müssen, wird auch die Finanzierung von Strom-, Wind- oder Biomasseanlagen teurer.

Vielen Dank, dass du unseren Lesern für diese Fragen zur Verfügung stehst!

Zu den Studien:

„Projected Costs of Generating Electricity“:
https://www.iea.org/Textbase/npsum/ElecCost2015SUM.pdf

„World Energy Outlook 2016“:
https://www.iea.org/media/publications/weo/WEO2016Chapter1.pdf

Bildmaterial: (c) Steffen Bukold, Energy Comment

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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