Mondmission statt Klimaschutz

  • Mond und Erde (c) Fotolia Michael Rosskothen

  • Zwei Ereignisse treffen zeitgleich medial aufeinander: die Wahl des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, und die Klimakonferenz COP22 im marokkanischen Marrakesch. Während Donald Trump mit „Green Coal“ und Fracking-Gas Amerika wieder großartig machen will, kündigen in Marrakesch 50 Nationen ihren Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung bis 2050 an. Ein US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen oder sogar aus der UN-Klimarahmenkonvention würde für den Klimaschutz einen enormen Rückschritt bedeuten. Das Ungewisse: Niemand kann einschätzen, wie Donald Trump tatsächlich regieren und agieren wird.

„Make America great again“ ist das Motto des neuen US-Präsidenten. In seiner Ansprache über die Maßnahmen in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit umreißt er die Zukunft des US-Energiesystems, das ein Revival fossiler Energien sein soll. Abertausende verlorene Arbeitsplätze in diesem Sektor sollen wieder entstehen, und noch viel wichtiger: Trump verspricht den Amerikanern, die Energiepreise mit heimischen fossilen Energieträgern zu senken. Trotz der politisch unsteten Art von Trump wird ihm eine Tugend zugesprochen: Marktwirtschaft. Er möchte die Erneuerbaren nicht verbieten, sondern wirtschaftlich aus dem Markt drängen. Es ist anzunehmen, dass ihm dies nicht so leicht gelingen wird, da bereits jetzt die Erneuerbaren in den USA am Vormarsch sind. Auch die Investments verschieben sich in diesen Sektor. Während die fossile US-Energieerzeugung aufgrund der teuren Rohstoffbringung und niedriger Marktpreise immer defizitärer wird, steigt die Wettbewerbsfähigkeit der Erneuerbaren, zeigt eine Analyse von Bloomberg New Energy Finance.

Donald Trump macht kein Hehl daraus, dass er am Klimawandel zweifelt. Ein Beweis dafür ist sein Twitter-Account, wo er sich immer wieder dazu äußert. „Es ist eisig, und es schneit, wir brauchen den Klimawandel“, ist beispielsweise eines seiner zynischen Zitate, bei denen man als Leser nicht immer ganz weiß, ob er es auch ernst meint. Dazu ein weiteres Beispiel: Trump will die USA noch großartiger machen, indem er auf die Gelder des NASA-Klimafonds zugreifen und mit dem Geld stattdessen eine bemannte Mondlandung finanzieren will.

Umfragen in den USA belegen, dass die Amerikaner sich eine Energiewende wünschen. Donald Trump steht vor einer weiteren Tatsache: Das Klimaabkommen von Paris ist beschlossen und von den USA mitunterzeichnet. Ein „diplomatischer“ Ausstieg ist nicht so einfach und würde Zeit brauchen. Dennoch fürchtet sich die Weltgemeinschaft vor den Entscheidungen des Präsidenten. Am deutlichsten wurde dies bei der COP22-Konferenz in Marrakech.

Appell über Appell richteten die Teilnehmer in Marrakesch an Trump, die Pariser Klimaverträge zu akzeptieren. Sie versicherten gleichzeitig, dass sie bei einem US-Ausstieg am Klimaabkommen festhalten werden. Doch die bei der COP22 vorgelegten Pläne reichen bei weitem nicht aus, um das 2 °C-Ziel einzuhalten. Die Teilnehmer haben sich dazu verpflichtet, ab dem nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele regelmäßig zu überprüfen und bis 2018 genauere Pläne auszuarbeiten, wie die Klimaschutzmaßnahmen verstärkt werden können. Bis 2018 sollen Transparenzregeln vereinbart werden, damit die Klimaschutzpläne der Staaten besser vergleichbar sind. Die nächste Klimakonferenz findet 2017 in Bonn statt und wird von den Fidschi-Inseln organisiert. Ihre erste Handlung: eine Einladung an Donald Trump.

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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