Klimainfarkt und andere Sorgen

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  • Die billigste Methode zur Abkühlung der Erde wird früher oder später eingesetzt werden.

    sagt Gernot Wagner, Co-Autor des Buches „Klimaschock. Die extremen wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels“. Damit will Wagner unterstreichen, dass Geoengineering (also die Veränderung biogeochemischer Systeme durch menschliche Intervention) zu einem gewissen Zeitpunkt eine attraktive Option darstellen wird, um die Temperatur des Planeten zu reduzieren. Das klingt eigentlich danach, als wäre das Klima-Problem gelöst.

Tatsächlich ist Geoengineering ein Hochrisiko-Bereich:

  1. Unsicherheit: Wir können heute nicht einschätzen, wie sich ein großräumiger Eingriff auf die Stratosphäre tatsächlich auswirkt. Das System und die darin bestehenden Wechselwirkungen sind schlicht zu komplex.
  2. Weitere Baustellen: Die hohe Treibhausgas-Konzentration hat zur Versauerung der Weltmeere und damit zu einem Artensterben ungekannten Ausmaßes geführt. Wie bei kommunizierenden Gefäßen üblich, ist erst eine Abnahme der Konzentration in der Atmosphäre notwendig, damit die Weltmeere das bereits gespeicherte CO2 wieder freisetzen können, um den PH-Wert zu erhöhen. Diese Abhängigkeit macht auch deutlich, dass eine tatsächliche Reduktion der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre erst um vieles verspätet eintreten wird, selbst wenn die Menschheit beschließen würde gar kein CO2 mehr zu emittieren, weil die Weltmeere hier als eine Art Puffer wirken.
  3. Kollaps: Ein oder mehrere finanziell und technologisch ausreichend ausgestattete Staaten werden erst dann handeln, wenn der wirtschaftliche Druck – in Form von Einbußen ihres BIP – durch die zunehmenden Wetterkapriolen ein Niveau erreicht hat, bei dem andere, wirtschaftliche Marginal-Staaten bereits kollabiert sind.

Das bedeutet für uns, dass es zu einer Reduktion der Treibhausgas-Emissionen und in weiterer Folge zu einer Abnahme der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre keine Alternative gibt, weil Geoengineering höchst skeptisch zu betrachten ist. Derzeit stehen wir bei einer Treibhausgas-Konzentration von 409 ppm (parts per million). Wenn wir unserem bisherigen Verhalten weiterhin folgen, dann werden wir bis 2100 locker 700 ppm erreichen, also mehr als das 2,5-fache des vor-industriellen Niveaus von rund 200 ppm. Gernot Wagner äußert in seinem Buch die Befürchtung, dass wir bereits sehr besorgt sein sollten über die eintretenden Phänomene, von denen wir wissen, dass sie mit einem Temperaturanstieg von 2° Celsius verbunden sein werden, jedoch Angst vor jenen Ereignissen haben sollten, von denen wir nicht wissen. Zudem gibt es eine 10-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Durchschnittstemperatur um mehr als 6° Celsius ansteigen wird. Was dann passiert, dafür fehlen sogar Gernot Wagner die passenden Worte.

PS. Lesetipp! „Klimaschock. Die extremen wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels“ ist als Wissenschaftsbuch des Jahres 2016 nominiert und absolut lesenswert!
Foto Mayrhofer/Wagner (c) Ökosoziales Forum

 
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About the Author

Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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