Welcome to the Flat Energy World – Kostenvergleich zeigt Kostenparität

  • Flat Energy World - Vergleich der Energiekosten

    Kostenvergleich Photovoltaik, Wind, Gas, Wärmepumpe, Diesel, Kohle

  • Wir sind an einem Punkt der Geschichte angekommen, wo Erneuerbare Energien gleich viel kosten wie Fossile Energien. In diesem Artikel seht ihr den aktuellsten Kostenvergleich und einen Appell für die Notwendigkeit eines Reiseführers in die neue Energiewelt.

Im November war ich am Podium bei einer spannenden Veranstaltung geladen. Sie stand unter dem Motto: Ein Jahr nach Paris – Vom Verhandeln zum Handeln. Neben der Präsentation des Bloomberg New Energy Outlook sprach auch Steffen Bukold, ein von mir schon lang geschätzter Energieexperte, der das Portal Energycomment betreibt. Ich hab soeben sogar eine Interviewzusage von ihm bekommen als ich ihn gefragt habe, ob ich seine Folien aus der Präsentation verwenden darf, weil ich euch einen unglaublich wichtigen Begriff und damit den Zustand der Energiewelt näher bringen möchte. Er hat auf den Punkt gebracht, was ich schon seit 2 Jahren beobachte und mir immer gefragt habe, warum das sonst niemanden kümmert. Wenige wissen es, weil alle noch immer in dem „Erneuerbare-sind-teuer-Mantra“ gefangen sind, aber haltet euch fest. Erneuerbare Energien sind mittlerweile gleich teuer oder billiger als konventionelle Energieformen und das bedeutet, wir sind in der Flat Energy World!! Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich finde das gerade richtig großartig so schwarz auf weiß zu sehen, was ich seit Jahren beobachte und ja, das sind Good News, auch wenn das alleine noch keine Energiewende bringt.

Was bedeutet Flat Energy World?

Nachdem ja nicht jeder wie ich tagtäglich mit Gestehungskosten und der Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren zu tun hat, will ich hier nochmal versuchen zu beschreiben, was das genau bedeutet. In der wirklich genialen Grafik von Steffen sind die sogenannten Gestehungskosten (Levelised Cost of Energy) über die ich schon mehrfach geschrieben habe (Gestehungskosten + Netzparität, Wann rechnet sich ihre Mietwohnung?) der einzelnen Energieträger sogar sektorübergreifend (Strom/Wärme/Verkehr) dargestellt. Der Kostenvergleich zeigt auch, warum es gerade im Wärmesektor sehr schwierig wird für einige Technologien, da hier der Preisdruck eben besonders groß ist.

Flat Energy World - Energiekostenvergleich - Kostenvergleich


Vergleich der Energiekosten – Quelle: Energycomment, Steffen Bukold

Euro/MWh in ct/kWh umrechnen

Für das Verstehen der Grafik ist es auch wichtig, die Einheiten richtig zu verstehen. Ich weiß noch, dass ich noch vor wenigen Jahren etwas Mühe hatte mit der Einheit €/MWh, weil ich immer nur in ct/kWh rechne, da auch mein persönlicher Strompreis, den ich zu Hause zahle, in ct/kWh abgerechnet wird. Dieser liegt gerade zwischen 15 und 20 ct/kWh. Das nur als kleiner Vergleichswert für die Werte, die ihr gleich sehen werdet. Für das Umrechnen von €/MWh in ct/kWh gibt es super Seiten wie diese hier. Dort finden wir:

1 €/MWH = 0,001 €/kWh =0,1 ct/kWh

Übersetzt für unsere Grafik bedeutet das:

Im Stromsektor liegen die Preise zwischen 5-8 ct/kWh

 

 

  • Gaskraftwerke 5-6 ct/kWh

 

  • Kohlekraftwerke 4,9-6,4 ct/kWh

 

  • Photovoltaikkraftwerke 6-8 ct/kWh

 

  • Windstrom 5-6 ct/kWh

Es ist wirklich unglaublich was da in den letzten Jahren passiert ist. Vor allem meine Herzenstechnologie Photovoltaik lag am Beginn meiner Laufbahn, wie schon hier beschrieben, bei über 50 ct/kWh. Das hier nun solche Zahlen stehen, ist für mich einfach nur unglaublich und lässt mich hoffen, dass wir das alles doch noch irgendwie hinkriegen.

Im Wärmebereich kostet Energie zwischen 2,2 und 2,4 ct/kWh

 

 

  • Erdgas: 2,2 ct/kWh

 

  • Wärmpumpe + Windstrom: 2,4 ct/kWh

Wie schon oben erwähnt ist dieser Brocken der härteste, vor allem was die Solarthermie betrifft. Mit diesen Preisen können nur wirklich große und unglaublich effizient geplante Solarthermieheizwerke mithalten. Im Haushaltsbereich sind solche Preise zumindest in den nächsten Jahren noch utopisch. Hier gilt es sehr viel Hirnschmalz von politischer Seite einzubringen, um in diesem Bereich die Gasabhängigkeit zu verringern.

Energie im Verkehrsbereich kostet zwischen 3,5 und 10 ct/kWh

 

 

  • Diesel: 3,5 ct/kWh

 

  • Diesel Antriebsenergie: 10,5 ct/kWh

 

  • Elektrofahrzeug mit Windenergie: 8 ct/kWh

Auch bei den Kraftstoffen zeigt sich, dass die Kosten bei unter 10 ct/kWh liegen. Wobei ich hier den Vergleich bei Diesel nicht ganz verstehe. Ich werde im Interview mit Steffen Bukold diesem Thema noch etwas mehr auf den Grund gehen.

Bei Kostengleichheit sind die Rahmenbedingungen wichtiger denn je

Diese Grafik zeigt auch, was ich schon lange predige. Jetzt wo wir so nah aneinander sind, ist es wichtiger denn je, dass die alten Privilegien der Fossilen aufgebrochen werden und aktiv in Richtung Erneuerbare agiert wird. Mit den derzeitigen Verhinderungspraktiken hilft auch keine Preisparität, weil viel zu wenig klar ist, wo die Reise hingehen soll. Es braucht jetzt einen Reiseführer in die Erneuerbare Welt und eine klare Entscheidung, dass wir den massiven Ausbau von Wind und Sonne wollen. Steffen Bukold meinte in einer seiner 5 Thesen:

Der Trend arbeitet für Erneuerbare Energien, aber die Dynamik ist noch zu gering – Steffen Bukold

Damit sind wir auch am Ende dieser Reise. Ich freue mich auf das Interview mit ihm und ihr könnt in den Kommentaren schon mal Fragen posten, die ich ihm stellen soll. Ich könnte mir vorstellen, dass die Grafik allerhand Diskussionen auslösen könnte.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

8 Comments

  1. Schön wäre es, wenn bei derart publizierten Zahlen die dafür vorliegende Datenbasis und Annahmen aufgelistet wäre.
    Ich kann einen Wärmepreis (ohne Steuern und Abgaben) von 2,2 Cent/kWh bei Erdgas überhaupt nicht nachvollziehen – ebenso finde ich den Wärmepreis bei Wärmepumpe mit Windstrom nicht nachvollziehbar.
    Bei Diesel-Fuel wird wenigstens die Grundlage des Preises mit 3,5 Cent/kWh – also 35 Cent je Liter – für die daraus errechnete Antriebsenergie angegeben. Zumindest interpretiere ich das so.
    Aber welche Instandhaltungskosten und Investitionskosten wurden beim Antrieb des Automobils bzw. den Kraftwerken angenommen?
    Was meint der Autor, wenn er von „Hohe Auslastung“ spricht?!?
    Was ist im Wärmepreis an Kosten jeweils enthalten?

    Viele Fragen für Dein Interview…

      • Die verwendeten Preise/Kosten im Chart „Flat Energy World“ stammen aus allgemein akzeptierten Referenzquellen.

        IEA: World Energy Outlook 2016, Paris 2016
        http://www.worldenergyoutlook.org/publications/weo-2016/
        IEA: Projected Costs of Generating Electricity, Paris 2015
        https://www.iea.org/Textbase/npsum/ElecCost2015SUM.pdf

        Übrigens: Die Annahmen „Hohe Auslastung“ und „Diskontierung 7%“ werden von vielen falsch interpretiert, da sie zugunsten der fossilen Kraftwerke wirken. Wind/PV-Anlagen haben zumindest in Europa weitaus geringere Kapitalzinsen als fossile Kraftwerke und eine quasi garantierte maximale Auslastung wegen des Einspeisevorrangs, während zum Beispiel Gaskraftwerke und Steinkohlekraftwerke in Deutschland nur noch ab und an hochgefahren werden. Nimmt man also die tatsächlichen Betriebsstunden, fällt die Rechnung zumindest in Westeuropa noch stärker zugunsten der EE aus.

  2. Danke, aber warum zahlen wir Konsumenten immer noch alle möglichen Zuschläge, wenn es mittlerweile billiger ist? Müsste nicht sofort jede Forderung eingestellt werden?

    • Weil die Aufschläge für schon bestehende Anlagen die in den letzten 10 Jahren gebaut wurden sind, und diese waren wichtig, damit die Preise sich so entwickeln konnten. Wichtig ist auch noch zu wissen, dass Preisparität alleine kein Umdenken mit sich bringt. Es bedeutet nur, dass die Anlagen über 25 Jahre gleich viel Kosten verursachen, aber bei Erneuerbaren zahlt man das Geld eben im Voraus, was viele von der Investition abhält. Die Trägheit des Systems und die förderlichen Rahmenbedingungen für das alte System und die indirekten Förderungen dort machen den Umstieg schwierig. Deshalb braucht es nach wie vor Anreize. Ich persönlich wäre auch für eine einfach steuerliche Lenkungsmaßnahme und nicht monetär. Das würde Milliarden an Investitionen auslösen, ohne die Stromverbraucher zu belasten, aber diese Lösung ist den Herrschaften leider zu banal oder auch zu gefährlich.

      • Ach ja, Energie war noch nie so günstig wie heute, und auch daran haben die Erneuerbaren „Schuld“. Leider sehen die meisten nur die „Abgaben“ aber nicht, dass es auf der anderen Seite so viel kleiner geworden ist. Dass das für alle ein Problem ist, ist eine andere Sache und wir könnten jetzt noch über den Merit-Order-Effekt reden und dann erkennen, dass wir insgesamt in einer sehr komplexen Materie unterwegs sind. Ich mag LCOE Kosten deshalb so gerne, weil sie in dieser verwirrenden Welt ein klein wenig Orientierung geben, wo es hingehen könnte und sollte.

  3. Das mag sich ja alles schlüssig anhören, trotzdem ist mir nicht klar, was das für den Verbraucher letztendlich bedeutet.
    Die Wind- und Solarstromproduktion ist Abhängig von Wetter und Tageszeit. Wenn ich Solarstrom verwende brauche ich einen Speicher für Nachts. Diesen Input muss ich zusätzlich aufbringen. Wenn ich Windstrom verwende brauche ich Speicher für Flauten. Auch diesen Strom muss ich zusätzlich aufbringen. Das heißt, ich benötige für die bedarfsgerechte Versorgung zusätzliche Aufwendungen, die Kosten verursachen in Wartung und Instandhaltung und evt. Speicherverluste. Bei Energie aus Gas und Kohle zahle ich nur das, was ich benötige. Die Gestehungskosten sagen doch demnach nichts aus, wie teuer meine Energieversorgung wird. Auch denke ich, dass der EEG-Einspeisevorrang die Gestehungskosten von Strom aus konventionellen Kraftwerken erhöht, da durch die häufigen Regelungseingriffe sich die Kosten für Wartung und Instandhaltung erhöhen und zudem die Anlagen nicht im wirtschaftlichen Bereich laufen können. Dies wird sich auch in den Schaubildern niedergeschlagen haben. Gehe ich da fehl in meinen Annahmen?

    • Stimmt, diese Diskussion ist derzeit noch eine eher wissenschaftliche aber dennoch wollte ich euch das nicht vorenthalten. Man muss sich vorstellen, dass der Solarstrom vor nur 5 Jahren noch fast das zehnfache gekostet hat. Es ist einfach vielen nicht bewusst was da passiert ist und die Auswirkungen werden wir nur sehen, wenn jetzt das Energiesystem radikal umgebaut wird. Wir können uns entscheiden ob wir weiterhin zentralistische Grosskraftwerke bauen oder ein Gesamtsystem zulassen, in dem Wind & Sonne eine maßgebliche Rolle spielen. Wenn sich nichts ändert, werden auch in einer Flat Energy World die fossilen Kraftwerke hinzugebaut, das muss jedem bewusst sein. Was die Speicherthematik betrifft, die zweifellos wichtig ist: Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in Österreich gerade mal das erste Prozent im Solarbereich angekratzt haben. Bis zu 20% Solarversorgung kann alles direkt verbraucht werden und es braucht keine Speicher und natürlich braucht es daneben noch immer Wasser, Wind, Biomasse und Gas und genug Regionen in der Welt zeigen uns, dass sie diesen Weg gehen möchten, der keineswegs einfach ist, aber den Weg nicht zu gehen kann zumindest kein Kostenargument mehr sein.

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