Was interessiert mich die Bohne?

  • Soy beans in a Bowl

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  • Bei Soja scheiden sich die Geister. Während überzeugte Veganer Sojamilch als vollwertigen und wohlschmeckenden Ersatz für Kuhmilch sehen, finden andere diese nur widerlich. Auch bei Ernährungsempfehlungen gehen die Meinungen diametral auseinander. Meist handelt es sich bei Aussagen um die Meinungen selbsternannter Experten, die sich lieber von Selbstversuch zu Selbstversuch hanteln ohne sich von Erkenntnissen von Diätologen oder Medizinern beirren zu lassen.

Aber Soja ist viel mehr als der Grundstoff für Tofu, Tempeh oder Ähnliches. An der kleinen Bohne, die weltweit in riesigen Mengen produziert und gehandelt wird, werden ungelöste Probleme und Spannungsfelder im Nachhaltigkeitsdiskurs offensichtlich. Auf sechs Prozent der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche wird heute Soja angebaut. 253 Millionen Tonnen wurden 2012 produziert. Die Zuwachsraten in der Vergangenheit waren enorm. Seit 1960 hat sich die Produktion verfünfzehnfacht. Wobei nur ein verschwinden geringer Anteil den direkten Weg in die Lebensmittelherstellung findet. Ein großer Teil findet erst über den Umweg über Tiermägen den Weg auf unsere Teller.

Fast 90 Prozent der gesamten Soja-Produktion finden auf dem amerikanischen Kontinent statt. Hauptproduzent sind die USA, Brasilien, Argentinien. In manchen Gegenden hat die einseitige Ausrichtung auf den Sojaanbau zu enormen ökologischen (Regenwaldrodungen eingeschlossen) und sozialen (Vertreibungen von Kleinbauern ohne aufrechten Landtitel) Problemen geführt – machtpolitische Verwerfungen eingeschlossen.

Die Tierhaltung in Europa ist derzeit in hohem Ausmaß von Sojaimporten abhängig. Um die benötigte Eiweißversorgung zu sichern, importiert die EU derzeit Waren, für deren Produktion eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 25 Millionen Hektar notwendig ist. Österreich ist in Europa zwar der fünftgrößte Sojaproduzent (auf 44.000 Hektar wird hierzulande Soja angebaut), aber gleichzeitig importieren wir jährlich 550.000 Tonnen Soja aus Ländern, bei denen gentechnikfreie Produktion kein großes Thema ist.

Was kann der oder die Einzelne nun tun? Auch hier ist die Antwort wie so oft nicht nur Schwarz-Weiß: Genereller Fleischverzicht löst nicht alle Probleme. Per se ist weder das Tofu-Laberl noch das Schnitzel schlecht. Es kommt drauf an, wie es produziert wird. Was oft auch damit zusammenhängt, wo es produziert wird. Regionale Kreisläufe sind weitgereisten Produkten vorzuziehen, das gilt auch für die Produkte, die für die Herstellung verwendet werden. Und auf den Einwand, dass sich das viele nicht leisten können, wäre für manche auch ein Überdenken der Menge ratsam.

Essen wir alle weniger und bewusster Fleisch. Tierisches Eiweiß ist für den menschlichen Organismus (vor allem für Kinder) wichtig. Aber von den Mengen übertreiben es einige ÖsterreicherInnen doch ein wenig. Wenn wir dann auch noch weniger wegwerfen, können wir mit dem eingesparten Geld Fleisch aus einer Produktion kaufen, die Tierwohl und soziale Standards ebenso berücksichtigt und Soja aus heimischer – nicht gentechnisch veränderter – Produktion für die Fütterung verwendet.

Sowohl im Verzehr wie auch in der Diskussion sind Maß und Ziel der Schlüssel zur Nachhaltigkeit. Und ein Blick auf Rahmenbedingungen und Details kann ebenso wenig schaden wie ein wenig Sachkenntnis.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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