Erdgas für Windgas?

  • Windkrafträder in einem Rapsfeld

  • Mit dem Argument, „Windgas“ zu fördern, wird nun von der oekostrom AG fossiles Erdgas zum Verkauf angeboten. Ein Komplettanbieter will man werden und gleichzeitig die – etwas eingeschlafene – „Windgas“-Thematik wieder zum Leben erwecken. Damit gibt das für seine reinen Ökostrom-Verkaufsargumente bekannte (Vorzeige-)Unternehmen ein Dogma auf. Ein Unternehmen, das gerne auf seine Erlangung des Österreichischen Umweltzeichens verwies.

Dies sorgt in der Erneuerbaren-Community für viel Gesprächs- und Diskussionsstoff. Von Greenwashing ist die Rede und erste Widerstände flammen auf. Einer der Kritiker ist der Aktionär der oekostrom AG und Geschäftsführer der Profes, Martin Krill. „Wenn wir unsere Klimaziele erreichen möchten, müssen wir rasch von allen fossilen Energien loskommen. Auch das Argument, dass durch den Erdgas-Verkauf die saubere ‚Windgas-Technologie‘ gefördert werden soll“, ist für Krill laut oekonews.at ein schlechter Scherz.

Was ist dran an der Windgas-Technologie – eine Schimäre oder die Zukunft? Die Idee ist simpel (und hier simpel erklärt):
Überschüssiger Ökostrom wird dazu genutzt, um zuerst Wasser in Wasser- und Sauerstoff zu spalten. Danach kann der Wasserstoff noch durch Zugabe von CO2 in Methan umgewandelt werden. Dieses kann man in der vorhandenen Infrastruktur speichern und auf zweierlei Arten flexibel nutzen:

  1. Als Backup für die Windräder (Lastausgleich)
  2. Als Wärmequelle

Soweit, so gut. Doch wie bei jeder Technologie gibt´s da ein paar Haken.

  1. Die Energieverluste sind enorm. Je nach Studie schwanken diese zwischen 60 und 80 Prozent. Gegenargument: Besser etwas produzieren als die Windräder abdrehen, obwohl sie Strom herstellen könnten.
  2. Wasserstoff kann nur begrenzt zum Erdgas beigemischt werden.
  3. Das nötige CO2 für die Methanisierung muss energieintensiv abgeschieden werden.
  4. Um nennenswerte Windgasmengen produzieren zu können, müssen enorme Überschussmengen vorhanden sein – auch bei 100% Ökostrom-Anteil.
  5. Und wie immer: der Preis. Aktuelle wissenschaftliche Schätzungen sprechen von 30 Cent/kWh erzeugtem Windgas-Stroms. Bei idealen Bedingungen wären es laut Wissenschaft minimal 10 Cent, jedoch geht die hierbei von sehr optimistischen Prognosen aus. Die nötigen Kosten für die Anlagen sind nicht berücksichtigt.

Windgas spielt in Österreich praktisch überhaupt keine Rolle. In Deutschland ist es vor allem ein Steckenpferd von Greenpeace Energy und fristet ein Nischendasein. Die Diskussion darüber ist in den vergangenen Jahren sehr eingeschlafen, trotz einer neu vorgestellten Studie im Vorjahr.

Die Bemühungen der oekostrom AG, das Thema Windgas auch auf Österreichs Energieagenda zu setzen, kann ich irgendwie nachvollziehen. Aber wieso setzt man sich beispielsweise nicht mit der (vorhandenen) Biogas-Branche zusammen, um ein wirkliches Öko-Paket für die Energie-Kunden anzubieten. Stattdessen wird auf fossiles und billigeres Erdgas gesetzt. In dieser Form ist das Angebot der oekostrom AG für mich ein klassisches Greenwashing und ein enormer Imageschaden für das Unternehmen sowie die gesamte Branche …

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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