Impact Investment – Die ökosoziale Art Geld anzulegen

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  • Die „Baustellen“ rund um uns herum sind mannigfach: Die Digitalisierung muss vorangetrieben werden, Social Entrepreneurship forciert und Ungleichheit bekämpft, Erneuerbare Energieinfrastruktur gebaut werden, Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt, Migration und demographischer Wandel adressiert sowie Forschung und Entwicklung vorangetrieben werden. Selbst diese bloß demonstrative Aufzählung von notwendigen Anpassungen und Herausforderungen wirkt wie eine Herkulesaufgabe. Die Kosten dafür sind enorm. Auch das Nichthandeln kostet. Alleine in Bezug auf den Klimawandel werden die Kosten lt. COIN-Studie für Österreich zwischen zwei und vier Milliarden Euro jährlich bis 2030 liegen.

Wer soll dafür aufkommen? In Zeiten angespannter Staatshaushalte ist de facto kein Manövrier-Spielraum für Zukunftsinvestitionen vorhanden. Auch nicht in Österreich, dessen Finanzschuld bereits 220 Milliarden Euro beträgt und wo uns Altlasten nur aufgrund der derzeitigen Zinspolitik nicht erdrücken. Man stelle sich vor Frau und Herr Österreicher wollten sich von diesem Schuldenberg befreien, indem eine Mrd. Euro pro Jahr rückgeführt würden – es würde 220 Jahre dauern bzw. knapp drei Generationen.

 

Das große Potential für die Finanzierung dieser Aufgaben liegt beim Finanzmarkt. Jedoch nicht nur beim individuellen Sparer, sondern insbesondere bei institutionellen Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Stiftungen, die derzeit auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten sind, die gleichzeitig den Vorgaben der Regulierungsbehörden entsprechen. Es geht hier um Billionen, die verfügbar sind. Die Gelegenheit zur breiten Einbindung des Finanzmarktes ist besonders günstig. Erstens befinden wir uns derzeit in einer Phase außerordentlich niedriger Zinsen – immerhin liegt der 3-Monats-Euribor bei rund -0,3%; dies entspricht Strafzinsen, wenn Banken einander Geld leihen. Zweitens sind institutionelle Anleger durch regulatorische Vorgaben dazu verpflichtet, einen Teil ihres Finanzvolumens in solide bewerteten Anlagen zu halten, jedoch sind beispielsweise entsprechende Staatsanleihen seit der Finanz- und Staatsschuldenkrise nur noch dünn gesät, sodass beispielsweise Deutschland momentan sogar einen Zinsaufschlag verlangen kann, obwohl es sich von Gläubigern Geld leiht. Drittens sieht der Juncker-Plan in Form des EFSI vor, private Investitionen in Schlüsselbereiche zu mobilisieren und institutionelle Investoren als Hebel zur Realisierung zu nutzen.

 

Impact Investment stellt diesbezüglich ein wichtiges Bindeglied zwischen all diesen Bereichen dar und kann dabei helfen, den Systemumbau zu realisieren. Als Impact Investments werden Kapitalanlagen bezeichnet, bei denen neben Rendite und Risiko auch ihre positive ökologische und/oder soziale Wirkung als Entscheidungskriterium herangezogen wird. Impact Investments können sowohl in Schwellenländern als auch in entwickelten Märkten getätigt werden. Ihre Ertragserwartungen können je nach konkretem Investment variieren.

 

Impact Investments zeichnen sich aus durch:

  • eine positive gesellschaftliche und/oder ökologische Wirkung
  • die Messbarkeit der Wirkung (die soziale/ökologische Rendite muss messbar sein und tatsächlich gemessen werden)
  • die Bandbreite an finanziellen Ertragserwartungen (below market/Kapitalerhalt bis hin zu market-rate-return/marktübliche Renditen)

Der Einsatz von Impact Investments soll komplementär zu bestehenden Finanzmitteln erfolgen und wird das Finanzierungssystem der Sozial- und Umweltwirtschaft erweitern und verstärken. So helfen sie etwa dabei, die Transformation von Städten hin zu Smart Cities zu finanzieren und damit auch zu beschleunigen. Darüber hinaus werden NGOs mit Hilfe von Impact Investments konkrete soziale und ökologische Probleme mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Lösungsansätzen ansprechen können – dadurch kann ein Wettbewerb um den besten/innovativsten Lösungsansatz entstehen.

 

Damit bieten Impact Investments den Vorteil der Erschließung privaten Investmentkapitals für gesellschaftliche Vorhaben und soziale Dienstleistungen, sodass unter anderem auch der völkerrechtlich verbindliche Vertrag von Paris – dieser ist am 4. November 2016 in Kraft getreten – schneller in die Realität umgesetzt werden kann.

 
About the Author

Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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