Jetzt mitreden bei der Energiestrategie für Österreich – weils 5 nach 12 ist!!

  • (c) Klimafonds 2016

    (c) Klimafonds 2016

  • In Österreich startet endlich der Prozess für eine neue Energie- und Klimastrategie. Was es mit Grün- und Weißbüchern auf sich hat und wie dabei jeder mitmachen kann, lesen Sie hier.

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich es mehr als fahrlässig finde wie strategielos Österreich in Sachen Energiepolitik dahinwurstelt – sorry, ein anderes Wort gibt’s dafür nicht. Ich habe sogar eine Bachelorarbeit initiiert und betreut, die verschiedene Länder in Sachen Energiestrategie vergleicht und das Ergebnis war für Österreich mehr als peinlich.  Hin- und hergerissen von Interessensvertretungen und parteipolitischem Hickhack hat man es bis heute nicht geschafft eine dem Ernst der Lage entsprechende ambitionierte Energiestrategie auf den Weg zu bringen. Alle Protagonisten aus vergangenen Versuchen verziehen das Gesicht wenn es das Reizwort „Energiestrategie“ fällt. Zu schmerzhaft die Erinnerungen an die gescheiterten Versuche der letzten 10 Jahre. ABER…

Nach vielen Enttäuschungen geht’s optimistisch in die Zukunft

Ich wäre nicht ich, wenn nicht nach dem „Rant“ nicht auch eine Lösung oder ein Hoffnungsschimmer kommen würde. Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm selbstverpflichtet in dieser Legislaturperiode eine neue Energiestrategie zu entwickeln. Es hat eh „nur“ drei Jahre gedauert, bis jetzt etwas Bewegung in die Sache kommt und zumindest das sogenannte Grünbuch der Energie- und Klimastrategie auf dem Tisch liegt.

Was ist der Unterschied zwischen Grünbuch und Weißbuch?

Vorab etwas Prinzipielles. Grünbücher und Weissbücher haben sich in den letzten Jahren als ein Instrument der Bürgerbeteiligung entwickelt. In einem Grünbuch werden Diskussionen über bestimmte Themen eingeleitet. „Grün“ heißt dabei „noch nicht ganz reif“ also diskussionwürdig. Es werden wichtige Informationen zusammengefasst und Handlungsalternativen vorgestellt. Nach einem Grünbuch muss auch immer ein Weißbuch folgen indem dann konkrete Vorschläge enthalten sind. Wir sind also noch weit entfernt von einer echten neuen Klimastrategie. Aber man wird ja genügsam und wir sind erstmal froh, dass überhaupt etwas passiert.

Was ist das Grünbuch der Energie- und Klimastrategie?

Das jetzt veröffentlichte Grünbuch ist also der erste Schritt in einem längeren Prozess und soll eine öffentliche Diskussion über eine integrierte Energie- und Klimastrategie in Österreich voranbringen. Namhafte Forschungsinstitute haben die bestehende Situation im Bezug auf CO2 Emissionen, Energieverbrauch und Energieaufbringung vorab analysiert und verschiedene Szenarien für die zukünftige Entwicklung verglichen.

In einem nächsten Schritt soll dann eben das Weissbuch erstellt werden, welches die Energie- und Klimastrategie Österreichs abbilden soll.

Jeder kann bis 18.9 beim Prozess mitmachen

Die drei Ministerien (Wirschaft, Umwelt, Soziales) die sich leider selbst nie einig werden, wenn es um dieses Thema geht, weil wir eben im „Energy-Trilemma“ gefangen scheinen, versuchen nun den Weg über die Öffentlichkeit um auf einen grünen Zweig zu kommen und jeder kann hier die offenen Fragen mitdiskutieren. Die Diskussionsseite ist meiner Meinung nach recht gut gemacht, weil es durch die unkomplizierte Registrierung einfach ist „seinen Senf dazuzugeben“. Ob wirklich die richtigen Leute dort mitreden wird die Zeit zeigen, aber ich finde es sehr wichtig, dass jeder mit Klarnamen diskutieren muss. Ich hoffe, dass nicht nur bezahlte Interessensvertreter mitschreiben, sondern auch Experten, denen es um das große Ganze geht.  Die online Konsultation läuft bis 18. September.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie das ganze ausgeht. Ich hoffe ich finde selbst auch Zeit mitzumachen, aber leider könnte ich zu jeder Frage einen ganzen Aufsatz schreiben und dazu fehlt neben der täglichen Arbeit leider die Zeit, deshalb starte ich hier eine kleine Aktion.

Welche Frage soll ich hier im Blog bearbeiten?

Ich würde gerne von euch wissen, welche Frage ihr am wichtigsten findet und ich werde sie dann hier nach besten Wissen und Gewissen beantworten. Einfach hier schmökern und dann die Frage im Kommentarfeld posten. Bin gespannt was ihr für wichtig haltet!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

8 Comments

  1. Anscheinend sind die meisten Blogger auf Urlaub, und ich armer Kauz muss arbeiten. Da meine Kollegin ja sehnsüchtig auf eine Wunschfrage wartet, würde es mich mal interessieren, was Sie so von meinem Schwerpunkt denkt, denn allein die sehr „neutral“ formulierte Frage (oder sind es doch zwei oder drei Fragen) ist spannend – über einen Energieträger, der bis vor kurzem den meisten erneuerbaren Strom in Österreich und die insgesamt die meiste EE-Energie bereitgestellt hat. Also Kollegin Daniel, ich bin gespannt und nicht nett sein, wir (ich) vertragen mittlerweile einiges und sind für jeden konstruktiven Gedanken dankbar:
    6.10 Welche Rolle sehen Sie für die Stromerzeugung auf Basis von Biomasse? Sollte diese beibehalten oder sollte, wie von vielen Studien vorgesehen, Biomasse verstärkt in anderen Sektoren stofflich eingesetzt werden und auch die energetische Nutzung vorwiegend auf Reststoffe bzw. biogene Abfälle eingeschränkt werden (z.B. kaskadischen Nutzung im Holzbereich)?

  2. Liebe Cornelia Daniels,
    ich werde mich gern an dem Prozess beteiligen, auf den Sie uns hier aufmerksam gemacht haben.

    Gleich am Beginn beim Lesen des „Grünbuch-integrierte-Energiestrategie.pdf“ fällt auf: Für die Erarbeitungt wurden tendentiell Beater heran gezogen, die der konventionellen Energiewirtschaft (zB BDEW) nahe stehen. Würde man wirklich Energiezukunft diskutieren wollen, würde man sich von den Profis vom Fraunhofer-ISE in Freiburg beraten lassen. Es hat sich also noch nicht so viel geändert, seit ich von Mannheim kommend, 2014 in Alpbach gegen eine Phalanx an Vertretern der Ölindustrie ankämpfte, denen man den roten Teppich ausrollt. Die erneuerbaren Energien wurden dort immerhin 2015 von C. Daniels vertreten, was als sehr großer Fortschritt gelten darf. Vermutlich muss man hier besser direkt im Ministerium intervenieren. Wer wäre hier Ansprechpartner?

    So, nun widme ich mich weiter dem Lesestoff „Grünbuch“ und hoffe ich habe nachher noch etwas Geduld, um mich am Diskussions-Prozess zu beteiligen.

  3. Die ganze Geschichte ist ein typisch österreichischer Witz. Zwischen 5. Juli und 18. September ist man auf Sommerfrische. Vermutlich ist der „Konsultationsprozess“ genau in diese Phase gelegt worden, damit … na ja, lassen wir das.

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