Einfach überzeugend: Das Fairphone 2 – Ein Plädoyer

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  • Über Umwege bin ich nun an ein Fairphone der zweiten Generation gekommen und habe es sogleich aktiviert. Die Handhabung und das Set-Up sind extrem einfach. Die Umstellung auf Android dennoch gewöhnungsbedürftig. Aber ich gebe zu, oute mich: Ich bin apple-affin. Aber umso öfter ich das Fairphone 2 nutze, umso mehr wächst es mir ans Herz. Denn es hat eigentlich Alles was auch andere Smartphones bieten. Im Vergleich zu meinem iPhone 6 liegt das Fairphone besser in der Hand.

Das liegt daran, dass das Gerät bereits in ein Safety-Case gehüllt ist und nicht zusätzlich dafür eines erworben werden muss. Mir gefällt das transparente Case, da es den Inhalt des Gerätes zeigt.

Die Modularität des Produktes ist ein weiterer Bonus
In unserer heutigen schnelllebigen Zeit, in der gerne ausgetauscht und optimiert wird, genießt ein Gerät, das repariert werden kann, ohne es sofort austauschen zu müssen, einen Sonderstatus. In letzter Zeit hat DIY immer stärker an Bedeutung gewonnen. Auch für Nicht-Techies ist es mit wenigen Handgriffen möglich, sein Fairphone selbst zu reparieren. Wie oft ärgert man sich über ein zerkratztes oder gar zu Bruch gegangenes Display! Beim Fairphone kann der Konsument sich im Online-Shop zum Beispiel das neue Display für knapp 90 Euro bestellen und dann selbst tauschen. Und genau das finde ich toll! Nie wieder alte Handies, die im Kasten ihr Dasein fristen. Nie wieder darauf achten, die Ö3-Wundertüten-Aktion nicht zu verpassen.

Dass es ein smartes Mobiltelefon gibt, das fair und nachhaltig – quasi die Bio-Bezeichnung für Alles außer Lebensmittel – konzipiert und produziert ist, ist für die Elektronikbranche ungewöhnlich. Wie soll das gehen? Diese Frage haben sich die Initiatoren von Fairphone 2010 ebenfalls gestellt. Selbst ein Smartphone zu produzieren war damals keineswegs ein Gedanke. Fairphone startete als Bewusstseinskampagne – und mündete in einem Wirtschaftsunternehmen. Die erste Generation des Mobiltelefons wurde über eine Crowdfunding-Kampagne ermöglicht: 10.000 Geräte. Es folgten noch weitere 50.000 Geräte und mit dem Fairphone 2, welches Ende 2015 auf dem Markt kam, wurde die 100.000er-Marke erreicht. Die Zahl hat zwar den Anschein von einem Tropfen auf heißen Stein, ist aber dennoch beachtlich. Und 100.000 Fairphone-Nutzer machen einen Unterschied. Warum? Weil wir Konsumenten der Industrie damit verdeutlichen können, dass uns Ethik wichtig ist, dass die Langlebigkeit von Geräten durchaus ein Kaufargument ist. Auch für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit Mobiltelefonen ausstatten, ist das Fairphone eine interessante Alternative – Stichwort Kosteneffizienz. 100.000 Fairphones bedeuten, dass 100.000 Nutzer die Möglichkeit haben, ihr Telefon selbst zu reparieren. Der Modularität sei Dank. Diese Modularität ist bis dato einzigartig. Ist die Unterhaltungselektronik doch auf höher-schneller-weiter-und-immer-brandneu ausgerichtet. Da gleicht das Vorhaben von Fairphone, ein Produkt mit langer Lebensdauer durch u. a. eine modulare Struktur zu schaffen, wirtschaftlichem Leichtsinn. Dennoch springen viele Konsumenten auf den Zug auf und Fairphone gewinnt global immer mehr an Bedeutung. Und es ist schön zu sehen, dass die Konsumenten begonnen haben, umzudenken. Denn ja, der Konsument ist mächtig und kann mit seinem Kaufverhalten Einfluss nehmen.

Wie nachhaltig ist die zweite Generation des Fairphones?
Diese Frage versuchten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM kürzlich mit einer Studie bei 48 deutschen und österreichischen NGOs zu beantworten. Das Ergebnis ist wenig überraschend, wenn man die Entwicklung des Sozialunternehmens Fairphone in den letzten Jahren verfolgt hat. In dieser Studie überzeugt das Fairphone 2 durch Transparenz, Reparaturfähigkeit und den verantwortlichen Rohstoffabbau. Dennoch gibt es auch noch Verbesserungspotentiale (z. B. beim technischen Upgrade).

Damit ein Smartphone einsatzfähig ist, bedarf es – nebst anderen Zutaten – 40 Mineralien. Einige davon sind uns als Konfliktmineralien bekannt. Dazu gab es 2010 eine Kampagne bzw. einen Dokumentarfilm des Dänen Frank Piasecki Poulsen: Blood in the Mobile. Primär steht die Demokratische Republik Kongo im Fokus, aber wir wissen, dass es weltweit Minen gibt, über welche sich Warlords und Rebellengruppen finanzieren. Den Terminus Konfliktmineralien gibt es aufgrund des vor knapp sechs Jahren in den USA beschlossenen Dood-Frank-Act. Als Konfliktmineralien werden jene Mineralien bezeichnet, mit deren Förderung und Handel Konflikte finanziert werden (z. B. in der Demokratischen Republik Kongo). Da ist es umso erfreulicher, dass Fairphone Gold, Zinn, Tantal und Wolfram aus Minen bezieht, die als konfliktrei zertifiziert wurden. Fairphone bezieht diese Mineralien zwar aus Konfliktregionen, aber unterstützt damit die lokale Wirtschaft und die Bevölkerung – und nicht Rebellengruppen. Dies gelang der Social Enterprise Fairphone unter anderem durch die Kooperation mit zwei österreichischen Unternehmen: den Leiterplattenhersteller AT&S (Fairtrade Gold) und dem steirischen Unternehmen Wolfram Bergbau & Hütten AG (Förderung von Wolfram). Es steckt also ein klein Wenig Rot-Weiß-Rot im Fairphone.

Dennoch sagt Fairphone auch ganz deutlich, dass Lieferketten sehr kompliziert sind. Das Unternehmen geht deshalb seinen Weg Schritt für Schritt um, seine Lieferketten transparenter und fairer zu machen und macht deshalb auch deutlich, 100% fair ist das Fairphone noch nicht  – und wird es vielleicht auch nicht werden. Vielmehr will Fairphone die gesamte Elektronikindustrie dazu bringen, darüber nachzudenken was fairness bedeutet und so zum Umdenken bewegen.

Über Fairphone – das Unternehmen als auch das Produkt – gäbe es noch viel mehr zu sagen. Aber am besten, macht man sich selbst ein Bild. Online auf www.fairphone.com oder in Österreich in einem der T-Mobile-Shops, wo aktuell Fairphone mit Vertrag zu beziehen ist. Denn erfreulicherweise zählt Österreich seit Anbeginn zu den Top 5-Märkten von Fairphone.

Über die Autorin

Birgit Wagner lebt und arbeitet in Wien. Seit Anfang 2013 ist sie im Kommunikationsbereich selbständig und betreut u.a. seit Sommer dJ das niederländische Sozialunternehmen Fairphone in Österreich.

Wagner beschäftigt sich mit unterschiedlichen Themen und versucht bewusst zu konsumieren. Für sie heißt dass, Einkäufe online zu vermeiden, wenn es auch regionale Anbieter gibt. Es heißt aber auch bewusst einzukaufen – als Veganerin orientiert sie sich daran am saisonalen Angebot.

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About the Author

Birgit Wagner

Birgit Wagner

Birgit Wagner beschäftigt sich mit unterschiedlichen Themen und versucht bewusst zu konsumieren. Für sie heißt dass, Einkäufe online zu vermeiden, wenn es auch regionale Anbieter gibt. Es heißt aber auch bewusst einzukaufen – als Veganerin orientiert sie sich daran am saisonalen Angebot. Birgit Wagner lebt und arbeitet in Wien. Seit Anfang 2013 ist sie im Kommunikationsbereich selbständig und betreut u.a. seit Sommer dJ das niederländische Sozialunternehmen Fairphone in Österreich. Erste Schritte unternahm sie bei der internationalen Werbeagentur Ogilvy & Mather. Nach einigen weiteren Stationen in heimischen Agentur und eineinhalb Jahren in Deutschland (Aachen), wo sie auf Unternehmensseite wechselte, betreut sie seit 2010 Raiffeisen evolution und seit 2014 als Freelancerin. Zu Jahresbeginn 2013 gründete sie ihre eigene Agentur: birgit wagner ist frei e. U. Ihr Angebot reicht von der Konzeption, Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen bis hin zu Projekt-Management und Social Media. Parallel dazu studiert Wagner am FH JOANNEUM Graz – Master-Lehrgang „Public Communication“ (Abschluss Frühling 2016).

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