Für 11 % Solarthermieanteil an der Fernwärme brauchen wir eine Verfünfachung des Marktes

  • (c) Ritter XL Solar/Oliver Killig

    (c) Ritter XL Solar/Oliver Killig

  • Das Umweltbundesamt hat das Solarthermiepotenzial im Bereich der Fernwärme untersucht und auch wenn 11% wenig klingen, braucht es sogar dafür eine Verfünffachung des Marktes. Der Markt schrumpft jedoch derzeit massiv. Dringender Handlungsbedarf ist gegeben.

Mein Kollege Antonio Fuljetic-Kristan hat mich mal wieder zu einem weiteren Beitrag inspiriert. Im Artikel Solarthermie Quo-Vadis schreibt er berechtigterweise über die Probleme in der Solarthermiebranche und dass diese gemeinsam mit der Politik einen Weg finden muss, dieses riesige Potenzial zu heben. In sämtlichen 100% Studien geht einfach kein Weg an dieser Technologie vorbei, vor allem was den Fernwärmemarkt betrifft. In der schon beschriebenen Studie des Umweltbundesamtes, wird auch dezidiert eine Zahl ausgewiesen, wo wir bis 2030 hinmüssen.

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11 % klingt wenig, ist aber unglaublich viel

11 % klingt wenig, ist aber unter derzeitigen Bedingungen völlig unrealistisch

Um diese 11% beurteilen zu können, schauen wir uns erstmal die Vergangenheit an. Mit Ende des Jahres 2014 waren in Österreich 5,2 Millionen Quadratmeter thermische Sonnenkollektoren in Betrieb, was einer installierten Leistung von 3,6 GWth entspricht. Der Nutzwärmeertrag dieser Anlagen lag bei 2.100 GWhth.  Im Jahr 2014 wurden 155.170 m2 thermische Sonnenkollektoren, entsprechend einer Leistung von 108,6 MWth neu installiert. Im Vergleich zum Jahr 2013 verzeichnete der Solarthermiemarkt in Österreich damit einen Rückgang um 15 %.

Marktentwicklung Solarthermie: Quelle: Marktstatistik 2014, BMVIT


Marktentwicklung Solarthermie: Quelle: Marktstatistik 2014, BMVIT

Die derzeitige installierte Fläche sind als 155.170 m2 oder auch 108 MW zugebauter Leistung gibt der österreichische Markt derzeit her. In den Boomjahren wurde mehr als das doppelte zugebaut. Etwa 250 MW oder 360.000 m2,
11% bedeutet eine zusätzliche Installation von 7 Mio Quadratmetern oder 500.000 m2 oder 350 MW/Jahr und das nur für die Fernwärme…

15 Mal Big Solar Graz sind nötig

Die Maximalvariante von Big Solar Graz umfasst 450.000 m2, die Minimalvariante 150.000 m2. Die Minimalvariante ist also mit einem Projekt der gesamte Jahresausbau der Branche in der derzeitig schlechten Variante. Der prognostizierte Ausbau verlangt aber das 15-fache von Big Solar und das nur für die Solare Fernwärme. Die Anlagen in Industrie und Einfamilienhäusern sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Das derzeitige Marktumfeld lässt eine derartige Entwicklung überhaupt nicht erahnen, bzw. verhindert es eine solche Entwicklung. Ich fürchte das ist den wenigsten Menschen und auch Politikern nicht einmal annähernd bewusst. Ich hoffe, dass der neue Bundeskanzler, der eine gute Einflüsterin im Hintergrund hat, endlich den Ernst der Lage erkennt.

Bild: Oliver Killig/Ritter XL Solar

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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