WKÖ und AK sollen Vorschläge machen

  • Energiewende fr Effizenz und Nachhaltigkeit

  • Die Zeit wird immer knapper: Übermorgen wird Umweltminister Andrä Rupprechter in New York das „Pariser Klimaschutzabkommen“ unterzeichnen. Das bedeutet auch für Österreich, dass das Energiesystem bis 2050 weitgehend dekarbonisiert werden muss. Welche konkreten Auswirkungen dies beinhaltet, hat das Umweltbundesamt erstmals in einem Szenario für Österreich berechnet.

Wenn Zweifel seitens der Wirtschaftskammer sowie der Arbeiterkammer am Szenario vorhanden sind, dann bitten ich um Vorschläge, wie unser Energiesystem bei einer Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 80 bis 90 Prozent bis 2050 aussehen soll. Ein reines ‚Neinsagen’ beziehungsweise Verneinen der Realisierbarkeit greift zu kurz. Es wäre wünschenswert, dass sich die WKÖ und AK konstruktiv in die Klimaschutz- und Energiedebatte einbringen, mit realistischen Vorschlägen, wie eine Klimakatastrophe verhindert und eine offensive wirtschaftliche Entwicklung forciert werden kann.

Auch bei der Forderung nach einer Ökostromgesetz-Reform sind sich mittlerweile alle Akteure einig, dies muss nicht als Neuigkeit verkauft werden. Die österreichischen Strompreise sind für Haushalte laut E-Control-Zahlen seit Anfang 2012 um rund 15 Prozentpunkte gesunken. Die Industriestrompreise liegen unter dem Mittelwert der EU-28. Die Panikmache, dass Ökostromförderbeiträge zu höheren Strompreisen geführt haben, ist für mich nicht nachvollziehbar. Es ist aber nicht zu leugnen, dass bei aktuellen – vor allem deutschen – Marktpreisen von 2 Cent/kWh kein Stromproduzent positiv bilanzieren kann – weder Windkraft noch Biogasanlagen. Ohne eine klare Energie- und Klimastrategie, die vorgibt wohin in Zukunft der Zug fahren soll, werden die aktuellen Verwerfungen am Strommarkt die Energiebranche weiter ruinieren – europaweit. Mit einer emotionalen Kampfpolitik der beiden Kammern gegen die Ökostrombranche werden wir Österreich bei einem der wichtigsten Themen dieses Jahrhunderts nicht weiterbringen. Im Gegenteil: Österreich könnte den Anschluss an den weltweiten Megatrend Energiewende verpassen, mit der Folge einer mittel- und langfristigen Deindustrialisierung des Landes, was nicht im Interesse der Wirtschafts- noch der Arbeiterkammer sein kann.

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.