Wie viel jährlichen Zubau braucht es für 17% Photovoltaikanteil bis 2030?

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  • Das Umweltbundesamt hat eine neue Studie veröffentlicht, wie der Energiemix 2030 aussehen müsste um die Klimaziele zu erreichen. Ich habe mir angesehen, was diese Studie für die Photovoltaik bedeutet und die Ergebnisse für politische Entscheidungsträger übersetzt.

Ich hatte nach Paris versprochen mich ein wenig darum zu kümmern, dass den Worten danach auch Taten folgen. In diesem Beitrag greife ich eine tolle Studie von einem Mitautor hier im Blog auf. Antonio Fuljetic-Kristan ist Pressesprecher im Biomasseverband und schreibt hier ab und zu. Letzte Woche hat er die Szenariostudie des Umweltbundesamt kurz vorgestellt und da ich persönlich (fast) nichts spannender finde als solche Studien, habe ich natürlich gleich mal nachgerechnet, was die abstrakten Werte, die in solchen Studien dann gerne veröffentlicht werden, tatsächlich bedeuten. Vor allem, wenn dauernd diese fürchterlichen PJ (Petajoule) verwendet werden. Die metrische Einheiten in Watt sind schon so schwer verständlich, aber diese Petajoule sind wirklich unerträglich. Da mein geheimes Hobby aber die Übersetzung von Energiestudien in für die Politik anwendbare Informationen sind, fröhne ich eben diesem jetzt mal.

Strom und Wärme in 2030 auf einen Blick

Ich kann mir nämlich vorstellen, dass Entscheidungsträger, die diese Studie in die Hand bekommen erstmal nicht viel damit anfangen können. Sehr viel versteht man mit dieser Grafik, die ich im übrigen wirklich gelungen finde. Zumindest für meinereins. Diese Grafik ist wirklich unglaublich klar und was mir besonders gut gefällt ist, dass sie Strom und Wärme gleichermaßen betrachtet. Wenn auch Wärme nur im Fernwärmebereich, aber nur in diesem Bereich ist sie mit Strom vergleichbar, da nur bei dieser Form der Wärme, politische Entscheidungen mehr Gewicht haben. Schließlich hat die Politik bei Einzelöfen nur sehr wenig Einfluss, bei der Wahl der Befeuerung eines Fernwärmenetzes jedoch sehr wohl.

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Was sehen wir also hier. Die Studienautoren gehen bis 2030 von einer Energiereduktion von 20% aus. Das finde ich insofern gut, als die Vergangenheit leider gezeigt hat, dass die Effizienzbestrebungen meistens nicht der Realität standhalten und 20% schon ein unfassbarer Kraftakt sind. Die Schummelspielchen beim Energieeffizienzgesetz zeigen wie „leicht“ vermeintliche Effizienzmaßnahmen am Papier zwar schön aussehen, aber in der Realität nicht den gewünschten Effekt haben, aber das ist eine andere Geschichte. Es wird eben angenommen, dass wir zumindest 20% weniger Energie verbrauchen, was einem Verbrauch von 87 TWh (Terrawattstunden) gleich kommt. Der Energiemix sähe dann folgendermaßen aus:

Gesamtendenergieverbrauch: 87 TWh

  • Photovoltaik 17%: 15 TWh = 15 GWp

 

  • Wind 20%: 17 TWh

 

  • Wasser 49%: 43 TWh

 

  • Biomasse 8%: 7 TWh

 

  • Fossile 7%: 6 TW

Im Sinne der Vereinfachung, werde ich nun nur in Sachen Photovoltaik weitermachen, damit wir die eingangs gestellte Frage beantworten können. So, nun fragen Sie sich wahrscheinlich. Na so schwierig sieht das ja eh nicht aus. 17 % Photovoltaikanteil am Stromverbrauch, das muss doch machbar sein. Ja ist es definitiv! Aber nicht wenn wir so weitermachen wie bisher.

Derzeit 1 GWp Photovoltaik installiert – entspricht etwa einem Atomkraftwerk

Die genauen Zahlen gibt es noch nicht, aber es ist davon auszugehen, dass letztes Jahr die magische Grenze des ersten Gigwattes an solarer Energie ans Netz gegangen ist. Das ist ungefähr die Leistung eines durchschnittlichen Atomkraftwerkes, auch wenn das Sonnenkraftwerk naturgemäß deutlich weniger Volllaststunden hat, aber das soll nur dazu dienen, Ihnen eine Vorstellung der Dimension zu geben. Ein „solares Atomkraftwerk“ ist bereits installiert. Da erst seit 2010 ein Gesetz in Kraft ist, dass die Photovoltaikentwicklung tatsächlich unterstützt, könnte man sagen, dass wir das in etwa 5 Jahren geschafft haben.

15 solare Atomkraftwerke in 15 Jahren nötig

 

Wenn man sich nun anschaut, wie viel bis 2030 gemacht werden muss, damit der Wert von 17% erreicht wird, ist die Rechnung schon recht klar. Bis 2016 haben wir 1% geschafft und in 14 Jahren sollten die übrigen 10% zugebaut werden. 14 GWp in 14 Jahren ergibt also ein GWp pro Jahr. Oder eben auch anders ausgedrückt. Pro Jahr müsste Solarleistung in der Höhe eines GWp zugebaut werden. Der österreichische Markt baut derzeit aber lediglich 200 kWp jedes Jahr dazu. Es gibt also die Chance auf eine Verfünffachung des Markets. Da 1 GWp pro Jahr in den nächsten 5 Jahren bei den derzeitigen Rahmenbedingungen mehr als unrealistisch ist, hier ein Szenario an das sich Ausbauziele und Regulierungen halten könnten.

2016: 200 kWp

2017: 400 kWp

2018: 500 kWp

2019: 600 kWp

2020: 800 kWp

2021: 900 kWp

2022 1000 kWp

2023: 1100 kWp

2024 1100 kWp

2025: 1200 kWp

2026: 1200 kWp

2027: 1200 kWp

2028: 1200 kWp

2029: 1300 kWp

2030: 1300 kWp

Derzeitiges Gesetz verhindert raschen Ausbau – nur 100 – 200 kWp

Wie wir sehen, muss so einiges passieren, damit sich der Markt so entwickeln kann wie er sollte. Die Photovoltaik befindet sich in einer einzigartigen Situation unter den Erneuerbaren. Sie ist ganz knapp an der Wirtschaftlichkeitsgrenze und in manchen Fällen sogar ohne Förderung höchstinteressant. Die derzeitige Förderung die irgendwie da ist, aber irgendwie auch nicht, weil es ja ein Lotteriespiel ist und man sich jahrelang damit auseinandersetzen muss um eine Chance zu haben, begrenzt nun den Zubau aber leider auf lächerliche 100 – 200 MW, wo doch 500-1000 MW nötig wären, um auch nur annähernd die 2030 Ziele zu erreichen.

Was müsste passieren um auf 1 GWp/Jahr zu kommen?

Nun bitte ich um eure Mithilfe. Da in der Regierung leider die Zeit fehlt, um sich um eine der Ursachen für die Flüchtlingskrise zu kümmern, versuche ich mit euch in zivilgesellschaftlichem Diskurs Lösungen zu präsentieren. Was braucht es um 1 GWp/Jahr zu schaffen? Das neue Ökostromgesetz sollte ja dieses Jahr verabschiedet werden. Welche Ideen habt ihr?

Im nächsten Beitrag mache ich das selbe Spiel mit Solarthermie. Da es unglaublich wichtig ist, auch da noch genauer hinzuschauen und für die Poltik umsetzbare Vorschläge zu bringen.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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