Urbane Mobilitätszukunft

  • Berlin Schönhauser Allee

  • Immer mehr Menschen weltweit leben und arbeiten in Städten. Bereits heute sind es 54 Prozent der Weltbevölkerung und 2050 sollen es 66 Prozent sein. Auch in Österreich ist die Urbanisierungsrate mit rund 67 Prozent hoch und wird sich auch noch weiter erhöhen.

Dieser Trend stellt die Raum- und Verkehrsplaner weltweit vor Herausforderungen, bietet aber auch die Gelegenheit die bisherigen städtischen Verkehrskonzepte grundlegend zu überdenken, um das zunehmende Verkehrsaufkommen in geordnete Bahnen laufen zu lassen. Darüber hinaus ist CO2-arme Mobilität ein Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel, zumal der Verkehrssektor der einzige Bereich in der EU ist, der noch immer steigende Treibhausgasemissionen verzeichnet.

Antworten der Verkehrsexperten können unter dem Schlagwort „Back-to-the-Future“ subsummiert werden, da vor allem Fortbewegungsvarianten wieder in den Vordergrund gerückt werden, die bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine dominante Mobilitätsform in Städten darstellten. Damit ist vor allem Zufußgehen, Radfahren und der öffentliche Verkehr gemeint, da mehr als 50% aller in der Stadt zurückgelegten Wege weniger als fünf Kilometer lang sind und damit leicht durch eigene Muskelkraft zu bewältigen sind. Dazu kommt noch der gesundheitliche Nutzen, der sich in vielerlei Hinsicht äußert. Insbesondere diesen Vorteil hat beispielsweise der Bürgermeister von Oklahoma City (USA), Mick Cornett, erkannt und den Bürgern das Ziel vorgegeben 1.000.000 Pfund abzunehmen. Dieses wurde tatsächlich 2012 erreicht und wer glaubte, dass dieses unkonventionelle Vorgehen der politischen Laufbahn des Bürgermeisters geschadet hätte wurde eines besseren belehrt, denn er befindet sich mittlerweile in seiner vierten Amtszeit.

Derzeit wird weltweit in Städten mit neuen Verkehrs- und Raumplanungskonzepten im Kleinen wie im Großen experimentiert, um die Lebensqualität in Städten trotz der Bevölkerungszunahme zu steigern. Fußläufig erreichbare Geschäfte und sichere Radwege sind dabei nur der Anfang einer neuen urbanen Mobilität. Das hat auch die „Urban Future Global Conference“ gezeigt, die Anfang März in Graz stattfand und sich nicht nur mit Verkehrskonzepten, sondern auch mit Kreislaufwirtschaft, der innovativen Finanzierung von Smart Cities und vielen anderen Themen rund um lebenswerte, grüne Städte auseinandersetzte. Dabei kommen auch Bottom-up-Ansätze nicht zu kurz, die versuchen, billig, schnell und unbürokratisch Konzepte temporär in die Realität umzusetzen. Funktionieren sie, wird überlegt, wie man sie dauerhaft in die Stadtplanung integrieren kann. Werden sie nicht angenommen, werden sie schlicht nicht weitergeführt. Es ist an der Zeit, dass mehr Gemeinden diese neuen Ideen im Sinne des „Tactical Urbanism“ von Mike Lydon einfach ausprobieren und sich daraus zukunftsträchtige Konzepte ergeben, die im großen Stil umgesetzt werden können.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

One Comment

  1. Alle Spaziergänger und Radfahrer in Ehren, aber ich pendle täglich zwei Stunden in die Arbeit. Deshalb bin davon überzeugt, dass der E-Mobilität (irgendwann auch in Österreich) eine rosige Zukunft bevorsteht. Was ich aber nicht mehr lesen/hören kann, dass wir in Österreich noch immer über Machbarkeitsstudien diskutieren und „Pilotprojekte“ in den Himmel loben. Die Technologien und das Wissen sind vorhanden. Aus meiner Sicht geht es nur um das Wollen und die richtigen Rahmenbedingungen, sei es für „Back-to-the-Future“ oder alternative Energieformen. Wenn ich beispielsweise über norwegische Maßnahmen/Umsetzungen lese, werde ich blass vor Neid. Aus meinem Bürofenster im „rot-grünen“ Wien, genauer gesagt am Schwedenplatz, werde ich mit den Ambitionen der jetzigen Politik noch lange an den Abgasen und am Lärm leiden, aber zumindest erkenne ich jetzt die grünen Fahrradwege in Teilen der Bundeshauptstadt…

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