Mayer: „Ohne Heimmarkt auch keine Technologieführerschaft für Österreich“

  • erwin_mayer_

  • Erwin Mayer ist einer der neuen Geschäftsführer im EEÖ, dem Verband für Erneuerbare Energien in Österreich. Er spricht über die neuen Pläne und der Wichtigkeit eines neuen und ambitionierten Ökostromgesetzes.

Der österreichische Verband EEÖ Erneuerbare Energie Österreich hat sich neu formiert. Ich nehme das zum Anlass alle hier eine Serie mit Interviews der Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder zu starten. Nachdem der Präsident Peter Püspöck hier bereits interviewt wurde, geht es weiter mit einem der beiden neuen Geschäftsführern Erwin Mayer, der vorher als stellvertretender Geschäftsführer bei Kleinwasserkraft Österreich tätig war.

Erzähl` bitte kurz etwas über deinen Werdegang bevor du nun stellvertretender Geschäftsführer beim Verband Erneuerbare Energie Österreich wurdest!

Nach dem Volkswirtschaftsstudium auf der WU gab es ein kurzes Praktikum bei der Umweltberatung und dann 11 Jahre für Greenpeace in Zentral- und Osteuropa mit Sitz in Wien. Dort war ich für Klimaschutz, Anti-Atom, Verkehr und allgemeine Energiepolitik verantwortlich. Danach ging es 5 Jahre weiter als selbstständiger Berater in Kooperation mit der denkstatt und die letzten 3 Jahre ging es weiter als stellvertretender Geschäftsführer für die Kleinwasserkraft in Österreich – ein roter Faden im Kampf für die Energiewende!

Der Verband hatte es bei seiner Gründung nicht so leicht, weil auch die Erneuerbaren unter sich nicht immer einer Meinung sind und der Verband die Brücke zwischen den neuen Technologien schlagen soll. Hat sich hier mittlerweile ein gemeinsames Bild entwickelt, bzw. was braucht es dazu noch?

Ja, wir sind auf einem guten Weg. Wahrscheinlich wird sich ein Mix aus Instrumenten ergeben, die allen Erneuerbaren und auch der Energieeffizienz helfen und Instrumenten, die technologiespezifisch notwendig sind. Klar ist allen beteiligten erneuerbaren Energietechnologien, dass das gemeinsame Ziel die vollständige Zurückdrängung von fossilen und atomaren Energiequellen ist, deswegen braucht es uns ja überhaupt erst.

Was werden die Schwerpunkte mit der neuen Geschäftsführung sein?

Eben auf der Seite einer grundsätzlichen Neuausrichtung des Strom,- Transport,- und Wärmesystems eine ökologische Steuerreform bzw. Fiskalreform. Letztere berücksichtigt explizit auch die Abschaffung der jüngst wieder vom Wifo aufgezeigten perversen Subventionen für fossile Energien. Das schafft den notwendigen Rückenwind für die gesamte Energiewende.

Zusätzlich werden wir, weil es eben jetzt ansteht, uns auf ein Ökostromgesetz Neu fokussieren. Das soll jeder Technologie, von PV, Wind, Kleinwasserkraft, bis zu Biogas und Biomasse ermöglichen die richtigen Segel zu setzen. Mit dem starken Rückenwind und einer abgestimmten Mannschaft segeln wir dann zielstrebig zu 100% Ökostrom bis 2030 und 100% erneuerbare Energie bis 2050 in Österreich.

Die überraschende Neubestellung der E-Control Vorstände hat jetzt auch neue regulative Möglichkeiten geschaffen. Wie schätzen Sie die neue Spitze ein?

Nachdem die jetzt noch aktive Spitze erkannt hat, dass „ein niedriger Ölpreis der Umwelt schadet“ so Graf und Boltz unisono, gehe ich davon aus, dass auch die neue e-control Vorstände hier gegensteuern wollen. Also nicht mehr nur niedrige Energiepreise sollten das Ziel sein sondern die Senkung der Treibhausgase und die Anhebung des Anteils erneuerbarer Energie sowie der Stopp von Atomstromimporten. Das geht auch sozial gerecht und unter Wahrung der Standortattraktivität Österreichs. Das wäre von meiner Seite das Pflichtenheft für die neuen Vorstände. Ich sehe hier durchaus neue, positive Zeichen auf Seiten der e-control.

Bei verschiedenen Vorträgen habe ich bei dir schon das Wort zur ökologischen Steuerreform gehört, die ich persönlich ja auch für unumgänglich halte. Was werdet ihr in dieser Angelegenheit tun, bzw. warum passiert hier so wenig in Österreich?

Hier werden wir v.a. auf die Sozialpartner und die Parteien zugehen und ihnen die Vorteile einer ökologischen Steuerreform für die Umwelt, die Haushalte und die Wirtschaft darlegen. Die Mühlen der Politik mahlen hier besonders langsam, aber die Erkenntnis, dass eine ökologische Steuerreform möglich und notwendig ist, erhöht sich. Bei der Bevölkerung gibt es schon seit Jahren eine Mehrheit dafür, auch bei der Wirtschaft orte ich angesichts der Alternativen (Ge- und Verbote, hohe Subventionen vom Steuerzahler oder Konsumenten finanziert) eine immer höhere Unterstützung. Es braucht „nur“ noch die Spitzen der Interessensvertretungen, dann können hier größere Schritte gesetzt werden.

Die Geschäftsführung besteht jetzt aus zwei Personen wobei beschlossen wurde, dass sich einer um die Stromthemen und einer um die Wärmethemen kümmern wird. Ist hier schon klar wie die Aufteilung aussehen wird?

Es wird keinen Wärme- und Stromgeschäftsführer getrennt voneinander geben, aber eine Aufteilung als interne Ansprechperson. Das arbeiten wir gerade aus. Der Wärmemarkt wird jedenfalls ein Schwerpunkt unserer gemeinsamen Arbeit sein.

Wenn in Österreich was weitergehen soll braucht es ein neues Ökostromgesetz, dass den Weg frei macht für einen ungebremsten und nie dagewesenen Ausbauschub, was können wir hier vom EEÖ erwarten?

Wie gesagt, werden wir auch im Strombereich uns die Arbeit aufteilen und gemeinsam für ein weit besseres Ökostromgesetz kämpfen. Das zentrale Problem ist der Finanzierungsdeckel bei gleichzeitig fallenden stark verzerrten „Markt“-Preisen.

Ein Ökostromgesetz Neu wird kommen, wir werden hier vor allem die Verbindung zu den Paris-Zielen einbringen. Österreich hat ja vertreten durch BK Faymann und BM Rupprechter sich verpflichtet, bis 2030 100% Ökostrom von der Erzeugung zu erreichen. Das ist bei voraussichtlich niedrigen CO2-Preisen im EU-ETS bis 2030 und weiter geförderter Atomkraft (Hinkley point C und Paks) nur mit einem Ökostromgesetz ohne Deckel möglich.

 Am Schluss meiner Interviews frage ich immer gerne nach dem Wunsch an die gute Fee. Was müsste passierten, damit Österreich wieder zum Vorreiterland in Sachen Umwelttechnologien wird und diese nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland verkaufen kann?

Das wichtigste wäre ein starker Heimmarkt. Technolgieforschung folgt den Marktsignalen. Dort wo die Absatzzahlen stimmen, dort wird in F&E investiert. Die privaten Mittel und die unternehmerischen Möglichkeiten sind hier entscheidend. Deswegen braucht es einen starken Heimmarkt, eben 100% Ökostrom bis 2030 und 100% Erneuerbare Energien bis 2050, dann kann Österreich auch für die heimischen Firmen zu einem Test und Entwicklungsmarkt für Zukunftstechnologien werden. Statt eines ordentlichen Ökostromgesetzes und einer echten ökologischen Steuerreform hat man bislang gerne einfach Forschungsgelder erhöht und gehofft, dass das ausreicht. Ohne Heimmarkt ist das aber unmöglich und war bislang nicht entscheidend für die Technologieführerschaft unserer Region.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.