Verkommt das Klimaschutzabkommen zu einer Absichtserklärung?

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  • Die 21. Klimakonferenz (COP21) in Paris ist voll im Gange. Dass es den Klimawandel gibt, steht zum Glück nicht mehr zur Debatte, genauso wenig wie die Notwendigkeit einer Energiewende. Ein globales und vor allem wirksames Klimaschutzabkommen droht aber an den Interessenskonflikten der einzelnen Staaten zu scheitern. Die Zeit bleibt jedoch nicht stehen, und die Konsequenzen des politischen Nichthandelns werden immer augenscheinlicher.

Seit dem Klimagipfel in Rio de Janeiro im Jahre 1992 werden seitens der Weltgemeinschaft immer die gleichen Lippenbekenntnisse bezüglich der Bekämpfung des Klimawandels geäußert. Die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2° C liegt in weiter Ferne. Dennoch: Die Erwartungen an die internationale Gemeinschaft in Paris an einen Folgevertrag, der ab 2020 gelten soll, sind groß. Erstmals sollen 193 Staaten verbindlichen Zielen zur Eindämmung des Klimawandels zustimmen.
Eine Blamage wie 2009 in Kopenhagen wird sich die Politik nicht mehr leisten können und damit einer formellen 2° C-Begrenzung bis 2100 mit hoher Wahrscheinlichkeit zustimmen.
Der Teufel steckt aber im Detail. Vor allem die Schwellenländer fordern ein Klimaabkommen, in dem nur freiwillige (bei dem nur unzureichende) Zusagen gemacht werden, die völkerrechtlich nicht verbindlich sind und keiner (ausreichenden) Kontrolle oder gar Sanktionen unterliegen dürfen. Dadurch würde das Klimaabkommen wieder einmal zu einer Absichtserklärung verkommen.

Ein weiterer Knackpunkt ist der grundsätzlich beschlossene Green Climate Funds. Hierzu sollen jährlich 100 Mrd. US-Dollar durch die Industrieländer für die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder bereitgestellt werden – samt Technologietransfer zugunsten der Entwicklungsländer. Es fehlen aber noch ausreichende finanzielle Zusagen, und die Begeisterung der Industriestaaten ist enden wollend.
Die Appelle und Warnungen an die Politik, endlich zu handeln, beschränken sich nicht nur auf Umwelt-NGOs. Beispielsweise warnt die Weltbank vor einem Scheitern der Gespräche. Wird die Erderwärmung nicht gestoppt, wären bis 2030 zusätzlich 100 Mio. Menschen von Armut betroffen. Hauptgrund sind die steigenden Lebensmittelpreise aufgrund der Auswirkungen auf die Landwirtschaft.
Auch den Küstenstädten wie New York blüht keine rosige Zukunft. Selbst bei einer Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2° C werden 130 Mio. Menschen vom höheren Meeresspiegel betroffen sein, rechnet das US-Institut Climate Central vor. Bei 4°  C wären es bis zu 760 Mio. Menschen. Laut Weltklimarat steigt der Meeresspiegel jährlich um drei Millimeter und hat sich seit 1901 um 20 Zentimeter erhöht.

Dem nicht genug, verzweifeln auch die Wissenschaftler der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). „Jedes Jahr melden wir in unseren Berichten einen neuen Höchststand der Treibhausgas-Konzentrationen“, erklärt Generalsekretär Michel Jarraud. „Und jedes Jahr sagen wir, dass uns die Zeit davonläuft. Wir müssen jetzt handeln, wenn wir die Absicht haben, die weltweite Temperaturerhöhung in den Griff zu bekommen.“ Mit 397,7 parts per million erreichte die Welt 2014 einen neuen Rekord der CO2-Konzentration. Langfristig wird diese über der gefährlichen 400-Marke liegen. „Wir sehen CO2 nicht. Es ist eine unsichtbare Bedrohung. Extreme Wetterereignisse nehmen zu, der Meeresspiegel steigt – das passiert jetzt und wir fahren mit einer erschreckenden Geschwindigkeit in ein unbekanntes Terrain“, warnt Jarraud.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Politik in Paris endlich die Zeichen der Zeit erkennt.

 

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

One Comment

  1. Es ist wirklich sehr schade, dass die Staaten ihre eigenen Interessen immer vor die Wichtigkeit des schnellen Handelns stellen. es ist klar, dass es natürlich um viel Geld geht und keine nachgeben möchte, doch die Zeit ist mehr als reif etwas zu ändern. Und zwar grundlegend, denn wir wissen, dass es so nicht weiter gehen kann..

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