Die Energieversorger müssen sich warm anziehen – Es gibt keine Ausreden mehr

  • European Utility Week

    Bild: (c) Cornelia Daniel

  • Wien war in diesem Jahr Hosting-Country für die European Utility Week. Dort trifft sich die europäische Elite der Energieversorger und Zulieferer der Branche.

Ich war dieser Tage bei der European Utilty Week eingeladen um mit Tausendundein Dach ein Startup aus der neuen Energiewirtschaft zu repräsentieren. Ich war eine von ca. 50  europäischen Startups die eingeladen wurden um einen Stand zu betreuen und hatte mir kundenseitlich nicht wirklich etwas erwartet. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein mittelgroßes produzierendes Unternehmen dorthin verirrt ziemlich gering. Ist es doch eine Messe speziell für Energieversorger. Trotzdem wollte ich mal sehen, was da weltweit so abgeht. Die Utility Week findet nämlich jedes Jahr in einem anderen Land statt und wenn sie schon mal in Wien ist, kann es nicht schaden sich auf den Stand der Dinge zu bringen.

Dasselbe möchte ich nun mit euch machen, bzw. euch einen kleinen Einblick darüber zu geben, was dort geboten wurde. Ich hatte leider nicht die Zeit wirklich alles zu sehen. Das Angebot war gigantisch. Deshalb beschränke ich mich auf die Startup Ecke, weil von dort die wirklichen Umbrüche kommen werden. Ein paar Eindrücke dazu hab ich auch auf Twitter gefunden.

Die Twittereindrücke „at a glance“

Es ist schon fast wieder aus der Mode gekommen bei einem Event zu twittern. Ich selbst ertappe mich dabei, nicht mehr so aktiv wie früher zu sein, weil man das Gefühl hat es interessiere eh niemandem. Damit die wenigen Twitterer, die sich die Mühe gemacht habe,n guten Content zu liefern nicht in Vergessenheit geraten, hier meine Highlights und der Link zu allen Tweets der Veranstaltung

Hierzu kann ich nur sagen: So true ;-)

 

 

Alle Technologien sind bereits vorhanden – jetzt geht’s ums beste Gesamtkonzept

Der entscheidende Tweet ist mMn der letzte. Was mich bei den Startups und auch den Ausstellern am meisten überrascht hat, ist in welcher Fülle die Lösungen zu den vermeintlichen Hauptproblemen der Volatilität von Sonne und Wind und dem nicht für dieses System gebaute Netz, vorhanden sind. Es gibt so viele smarte Leute, die sich anscheinend nicht mehr anhören wollen, dass das alles ja gar nicht ginge, sondern es einfach anpacken. Wäre ich jetzt in der Haut eines Energieversorgers würde ich also schleunigst aufhören zu jammern und mich ans Assessment all dieser Ideen zu machen. Die Frage ist nicht mehr: Wie lösen wird das Problem, sondern mit wem? Jedes Land scheint schon seine Profis in Sachen Sensorik, User Management und New Billig Systeme zu haben. Allerorts poppen kleine Unternehmen auf, die dieselben Services bieten wie die alten Energieversorger, nur eben mit einem Bruchteil der Kosten. Ich weiß echt nicht, wie das die alten Versorger langfristig schaffen sollen. Sie müssen sich komplett neu erfinden und ich hoffe nicht, dass dieser Prozess der schöpferischen Zerstörung von politischen Verkrustungen aufgehalten wird. Es braucht dringend eine Kompletterneuerung. Die Lösungen sind alle da, man muss sie nur identifizieren und in die richtigen Bahnen lenken. Jene Energieversorger die das früh genug erkennen und aufhören sich mit Händen und Füssen gegen jegliche Veränderungen zu wehren, werden gewinnen. Die deutsche WEMAG hat da finde ich schon einiges vorgelegt und da könnten sich die Leute von uns doch einiges abschauen.

Alle 50 Startups auf einen Blick

Wie gesagt durfte ich im sogenannten Startup Pavillion meine Zelte aufschlagen. 50 Startups aus ganz Europa standen dort und anders als bei anderen Veranstaltungen dieser Art, kannte ich so ziemlich keines davon. Ich fragte mich deshalb durch die Leute und man konnte echt kennen wie viel Bewegung in den letzten Jahren in die Szene gekommen ist. Für jedes kleinste Problem gibt es eine Lösung. Von unzähligen Smart Meter und Internet of Things Unternehmen über Speicher- und Cloud Lösungen für die smarte Verteilung und Erzeugung erneuerbarer Energien, bis hin zu Abrechnungssystemen, die wie ein Handy Abo funktionieren. Ich frage mich wer davon wohl die „Uber-Idee“ bzw. die Uber-Power mitbringt. Wer diesen Hint nicht versteht, sollte sich mal in das etwas andere Taxi setzen und wird verstehen was es mit dem Begriff „User Experience“ wirklich auf sich hat.

Hier geht’s zur Liste aller Startups und unten eine schnelle Auswahl meiner Top Picks:

  • Mobile4Energy – Abrechnungsplattform nach dem Handyprinzip für Energie
  • Upside Energy – Cloud System um auch kleinen Konsumenten Zugang zum Regelenergiemarkt zu geben
  • Storeelectric – Speichersystem auf Druckluftbasis
  • Linemetrics – Analyse- und Steuerungssoftware mit innovativer Sensorik
  • aWattar – Energieversorger der sich nach dem Wetter richtet
  • Enervalis – Betriebssystem für den Energieversorger von morgen
  • Has.to.be – Spezialist für Elektroinfrastruktur
  • Open Utility – Handelsplattform für Erneuerbare

Gewinner der Startup Challenge ist – Oh wunder: Open Utility

Es wurde auch ein Startup-Award vergeben und dieser ging soeben an Open Utility. Eine britischen Unternehmen, welches es allen Energieerzeugern ermöglicht mit ihrer selbst produzierten Energie zu handeln. Die vielgefürchteten Prosumer sind also nicht mehr wegzudiskutieren. Sie sind mitten unter uns bzw. euch. Ich hoffe wirklich, dass der leidige Kampf der Energieversorger, die die Veränderung hinauszögern wollen, nun bald ein Ende hat und wir langsam alle an einem Strang ziehen in Richtung erneuerbare Zukunft. Widerstand ist zwecklos und vor allem verschwendete Energie.

Zum Schluss noch ein Apell an die Politik: Es wäre so ungemein wichtig, wenn auch von höchster Ebene endlich die Marschrichtung vorgegeben würde. Die derzeitige Unsicherheit und die offensichtliche Entschleunigungsstrategie in Form von fehlender Strategie und Ambition ist für alle Marktteilnehmer gleichermaßen lähmend. Auch bei einer Umfrage bei der Messe haben sich die Energieversorger für mehr politische Sicherheit ausgesprochen. Das ewige Tauziehen muss ein Ende haben. Auch wenn die notwendige Richtung nicht allen gefallen wird. Es gibt nur einen Weg und der ist Erneuerbar mit sehr viel Sonne und Wind.

Bild: (c) Cornelia Daniel

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

2 Comments

    • Hi,

      ja ich war auch völlig überrascht von den vielen unbekannten Unternehmen, die da auf einmal präsent waren. Liegt sicher auch daran, dass das Event von Großbritannien aus organisiert wurde und das Ziel war eben diesen Unternehmen eine Bühne zu geben, aber daran sieht man sehr gut welche Bereiche gerade von allen Seiten beackert werden.

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