Wirtschaftskrieg beschert uns billiges Erdöl

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  • Seit einem Jahr überschlagen sich täglich die Meldungen über die Erdölpreis-Entwicklung. Die Investmentbank Goldman Sachs sieht den Erdölpreis auf 20 US-Dollar je Barrell fallen. Große Energiekonzerne propagieren über Jahre stabile Preise rund um die aktuellen 50 US-Dollar. Skeptiker hingegen bleiben bei ihrer Prognose, dass der Erdölpreis bald wieder über der 100 US-Dollar-Marke liegen wird. Wem soll man nun glauben?

Der aktuelle Erdölpreis-Sinkflug hat mehrere Gründe: Der chinesische Drache schwächelt, was auch der kürzlich Börsencrash verdeutlicht. Das Atomabkommen mit dem Iran wird dazu führen, dass noch mehr Erdöl auf die internationalen Märkte gepumpt wird. Die USA halten an ihren Fracking-Aktivitäten weiter fest, und wegen der Weigerung der OPEC-Staaten – darunter insbesondere Saudi-Arabien –, ihre Produktion zu drosseln, herrscht ein Erdöl-Überangebot an den Weltmärkten wie schon lange nicht mehr.

Die Gründe für dieses Verhalten sind nicht nur wirtschaftlicher, sondern vielmehr politischer Natur, denn zahlreiche Staaten wie Russland, Venezuela, Nigeria, Libyen, Algerien oder Syrien treffen die niedrigen Erdölpreise hart. Viele Analysten sprechen deshalb von einem (Stellvertreter-)„Ölkrieg“, der uns für eine noch ungewisse Zeit niedrige Erdölpreise bescheren könnte.

Die Energiewende macht derweil eine Pause. Der Politik fällt es wieder einmal schwer, das heiße Eisen anzufassen, obwohl der Zeitpunkt für Veränderungen nicht günstiger sein könnte. Die Erdölpreise sind im Tief, aber es fließen immer noch rund 10 Mrd. Euro für fossile Importe ins Ausland. Dabei gäbe es ein einfaches und probates Mittel, um ein Zeichen in der Klimapolitik zu setzen: Die Verteuerung des CO2-Ausstoßes durch eine Abgabe bzw. Steuer bei gleichzeitiger Förderung erneuerbarer Energiequellen.

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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