Elektromobilität im Land am Strome – was bremst sie aus?

  • Elektroauto

  • In Österreich zählen Elektroautos momentan zu den Schlagworten im Verkehrsbereich. Die Pipeline an E-Modellen ist voll, die Zahl an Neuzulassungen größer denn je – dennoch: ein Boom sieht anders aus. Wer hierzulande rein elektrisch fährt, darf sich zu satten 0,1 Prozent auf der Straße zählen. Es wird viel spekuliert, was den ausbleibenden Durchbruch verursacht. An den Ladestationen soll es künftig jedoch nicht mehr liegen.

Die österreichische Regierung proklamiert, 200.000 Autos mit Steckern bis 2020 auf die Straßen zu bringen. Denn Elektrofahrzeuge verringern nicht nur die Abhängigkeit vom Öl. Lädt man die Batterien mit Strom aus erneuerbaren Energien, fahren Elektrofahrzeuge praktisch ohne Schadstoffausstoß. Dennoch ist der Anteil an Elektroautos bislang ernüchternd: Statistik Austria zufolge waren im September 2015 rund 5.700 Elektro-PKWs und Plug-in Hybride zugelassen. Gemessen am gesamten Fahrbestand machten reine Elektroautos rund 0,1 Prozent aus. Wenngleich der Markt sehr überschaubar ist, so ist die Nachfrage nach den „Stromern“ stärker denn je. Allein in diesem Herbst wurden etwa um die Hälfte mehr Autos mit Steckern neu zugelassen als im Vorjahr. Auch auf der Angebotsseite sieht es gut aus. Mit rund 40 Modellen ist die Pipeline an elektrifizierten Fahrzeugen voll. Bis 2018 werden jedes Jahr rund 20 weitere Modelle erwartet, allen voran der Audi Q5, BMW X1 oder der VW Touareg.

Die Sorge vor dem Stillstand

Experten zufolge zählen die Anschaffungskosten eines Elektroautos sowie die Reichweite nach wie vor zu den größten Euphorie-Bremsern, die potenzielle Interessierte vom Kauf abschrecken. Dazu zählt zum Beispiel die Angst am Straßenrand mit leeren Akkus „liegen zu bleiben“. Entgegen dem allgemeinen Eindruck, schritt der Ausbau der Ladenstationen in den vergangenen Jahren aber beachtlich voran. Österreichweit können Elektrofahrer schon heute alle 60 km an einer Ladesäule vom Anbieter Smatrics Strom tanken. Bis 2016 soll sich die Strecke zur nächsten Ladesäule weiter halbieren. Man muss aber auch bedenken: 80 % des Stroms zapfen die Fahrzeuge zu Hause. Ladesäulen werden daher nur an exponierten Stellen benötigt. Neben Smatrics, basteln auch der niederösterreichische Energieversorger EVN und das Wiener Dependant WienEnergie an einer vernünftigen Infrastruktur, die den Bedarf an Ladestationen dort deckt, wo es Sinn macht.

Ärgernis an der Ladestation

Eine weitere Sorge besteht darin, stundenlang warten zu müssen, bis die Ladeanzeige der Speicher wieder auf „voll“ steht. Die Installation zahlreicher Schnell-Ladestationen soll diesem Ärgernis nun vorbeugen. Durch einen dreiphasigen Stecker fließt Gleichstrom in die Akkus, der Batterien in 30 Minuten zu 80 Prozent auflädt. Derzeit ist aber allein Niederösterreich mit rund zwei Dutzend Schnellladestationen ausgerüstet. Dem Tankvorgang messen Experten daher künftig keine besondere Bedeutung mehr zu. Das Laden der Zukunft? – ist nur Nebensache. In Österreich stellt lediglich die Steckervielfalt noch ein Hindernis dar. Derzeit gibt es rund neun unterschiedliche Stecker, an denen geladen werden kann. Der Bundesverband für Elektromobilität Österreich (BEÖ) arbeitet bereits an Lösungen, um die Interoperabilität zwischen E-Auto und Ladesäule künftig zu verbessern. Ein erster Schritt ist etwa die Entwicklung einer Stromtankstellen-Datenbank, die online über das richtige Laden informieren soll und wichtige Informationen zu Standort, Ladezeit und Bezahlsystem enthält. In Zukunft sollen Steckertypen EU-weit zudem harmonisiert werden.

Hoher Kaufpreis, niedrige Folgekosten

Die Politik sieht sich zunehmend bei den hohen Anschaffungskosten in der Verantwortung. Mit 1. Jänner 2016 soll durch die Steuerreform nicht nur der Sachbezug für privat genutzte, rein elektrische Firmenfahrzeuge wegfallen, sondern auch der Vorsteuerabzug für reine Elektroautos (nicht Plug-In Hybride) gelten. Darüber hinaus wird die NOVA (Normverbrauchsabgabe) beim Kauf eines E-Autos sowie der motorbezogenen Versicherungssteuer entfallen. Unter Berücksichtigung des Vorsteuerabzugs könnten sich etwa Dienstwagenfahrer in fünf Jahren rund 30.000 Euro ersparen. Neben staatlichen Förderungen, macht auch die ausbleibende Wartung wie Ölwechsel und Motorcheck die Anschaffung eines Elektroautos vergleichsweise preiswert.

Vorbilder Norwegen und Tesla

Überwiegende Skepsis herrscht bei der Frage, ob Elektroautos auch den Geschmack der breiten Masse treffen können. Firmen wie der amerikanische Elektroautohersteller Tesla gelten dabei als zukunftsweisend. Das Modell Tesla S hebt sich nicht nur optisch von seinen Konkurrenten ab, sondern ist mit 150 km Reichweite auch für Pendler attraktiv. Damit sich der Umstieg von Öl auf Strom bezahlt macht, darf im „Tesla Supercharger System“ jeder Elektrofahrer Strom kostenlos tanken. In Norwegen ist der Tesla S mittlerweile durch massive steuerliche Begünstigungen das meist verkaufte E-Auto trotz seiner hohen Anschaffungskosten. Landesweit betrachtet, waren 2014 schon rund 20 Prozent der Neuzulassungen rein elektrisch. Das Beispiel Norwegen verdeutlicht, dass Intensität und Schnelligkeit des elektromobilen Durchbruchs durch nationale Rahmenbedingungen getrieben sind. Auch in Österreich wird in Zukunft beides benötigt werden, um alle Ängste beim Kauf eines Elektroautos zu beseitigen: politischer Tatendrang und industrielles Geschick.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

5 Comments

  1. „Das Modell Tesla S hebt sich nicht nur optisch von seinen Konkurrenten ab, sondern ist mit 150 km Reichweite auch für Pendler attraktiv.“

    Ist doch leicht untertrieben, oder???

  2. Danke den aufmerksamen Lesern! Ja, da hat sich ein Fehler eingeschlichen. Es ist schon im Text richtig gestellt; die Reichweite beträgt 500 km!

  3. Die Verwendung eines Elektroautos ist ohne Gesamtsystem nur eine halbherzige Sache, welche wichtige Teile nicht nutzt.
    Erst wenn Strom-Ladestellen so ausgestattet sind das ein Fahrzeug an sinem Parkplatz automatisch an das Netz gekuppelt wird ist es möglich große Mengen an Engergie zu sparen.
    Die Netzbetreiber und Verbrauchern können die Ladezeit und Intensität der Aufladung mitgestalten.
    Die Netzbetreiber können bei Flächendeckender Anwendung die angeschlossenen Akkus zur Grundlastsicherung verwenden.
    Somit können Kalorische Kraftwerksleistungen oder Stromimporte verringert werden.

  4. Sehr geehrter Herr Mayrhofer,

    zum ihren Hinweis
    „Der Bundesverband für Elektromobilität Österreich (BEÖ) arbeitet bereits an Lösungen, um die Interoperabilität zwischen E-Auto und Ladesäule künftig zu verbessern. Ein erster Schritt ist etwa die Entwicklung einer Stromtankstellen-Datenbank, die online über das richtige Laden informieren soll und wichtige Informationen zu Standort, Ladezeit und Bezahlsystem enthält. In Zukunft sollen Steckertypen EU-weit zudem harmonisiert werden.“

    möchte ich ihnen mitteilen, das die EU dies im Projekt Green eMotion eine Lösung demonstriert hat. Mehr dazu auf dem Link: http://www.greenemotion-project.eu/ Ausserdem möchte ich noch erwähnen, das die Firma Smartrics (Verbund) Partner im Projekt war. Seitens IBM haben wir eine IKT Lösung demonstriert damit eine Europaweite Ladestationssuche und Roaming zwischen Ladestationsbetreiber mit nur einem Vertrag möglich ist. https://www.youtube.com/watch?v=M1J-K0k2w6Q
    ebenso hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=TmYhCkiswsA

    Gruss, Volker Fricke

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