Und wann rechnet sich Ihre Mietwohnung?

Lesedauer: 7 Minuten
  • Amortisationszeit Photovoltaik Frage cydonna / photocase.com

  • Wann rechnet sich eigentlich eine Mietwohnung und was hat das mit Photovoltaikanlagen zu tun. Wir beantworten die ultimative Frage: Wann rechnet sich das??

Na? Haben Sie sich diese Frage schon mal gestellt? Sie werden jetzt sagen: Was für eine blöde Frage, natürlich nie! Wie denn auch? Ich zahle Monat für Monat an einen Eigentümer dieser Wohnung und für den rechnet sich die Wohnung vermutlich irgendwann zwischen 20 und 30 Jahren, wenn sie vermietet und nicht gewinnbringend weiterverkauft wird. Trotzdem boomt der Eigentumsmarkt wie nie, nur mit dem kleinen Haken, dass sich deshalb viele den Eigentumserwerb nicht mehr leisten können und eben ewig an die Mietwohnung gefesselt sind, die sich eben nie rechnet. Wer aber gerade genug Geld auf der hohen Kante hat, tätigt das Investment, auch wenn es sich erst nach 20-30 Jahren rechnet.

Ziemlich logischer Business Case, oder? Und nun fragen Sie sich vielleicht was das jetzt alles mit erneuerbaren Energien zu tun hat. Das sag ich Ihnen gleich. Viel. Sehr viel sogar. Es ist vielleicht der alles entscheidende Punkt. Wenn das erstmal alle Leute verstanden haben, ist ein großer Schritt getan.

Mir ist das Thema so wichtig, weil ich bei meiner Arbeit mit Photovoltaik- und Solarthermieanlagen den Satz: „Wann rechnet sich das überhaupt?“, schon fast nicht mehr hören kann. Diese Frage kommt einfach immer und manchmal hab ich das Gefühl, die Fragenden wissen gar nicht, was sie da jetzt fragen, sondern meinen nur die Frage auch stellen zu müssen, weil es vor ihnen auch schon so viele getan haben. No Offense… is aber so. Deshalb hier der Versuch einer wirklich einfachen Erklärung. Der klassische Dialog geht ungefähr so.

A: „Aha, sehr gute Sache so eine Photovoltaikanlage. Ja, macht echt viel Sinn und ist ja auch noch gut für die Umwelt, aber wann rechnet sich das eigentlich?“

Ich: Seufz. „Ja, wirklich tolle Sache. Also im besten Fall rechnet sich die Anlage in 10 Jahren oder weniger. Wenn Sie selbst wenig für Strom zahlen entsprechend länger. Bis zu 15 Jahre in etwa, wenn die Anlage gut dimensioniert ist.“

A: Hmmm… 10-15 Jahre. Des is aber viel.

Ich: Ja, was wäre Ihrer Meinung nach denn angemessen?

A: Ähhhmm… weiß i ned. 3 Jahre? 5 Jahre?

Ich: Ok, vielen Dank auf Wiedersehen. Wünsche Ihnen noch ein schönes Leben. (Steh auf und schlag wütend die Tür hinter mir zu…)

Ok… so einen Dialog hat es vielleicht nie gegeben und wer mich kennt weiß, dass so ein wütender Abgang nur in meinen kühnsten Träumen vorkommt ;-). Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich habe hier schon mal erklärt, warum der Wunsch von 3-5 Jahren so eine wahnwitzige Aussage ist. Das soll jetzt kein persönlicher Angriff an jene sein, die genau so denken. Ihnen will ich nur erklären, was Sie da verlangen. Eine Amortisationszeit von 10 Jahren, bedeutet, dass ich bei einer Betrachtungszeit von 20 Jahren, nur halb so viel für Energie zahle, als ich es ohnehin hätte tun müssen. In dem Fall ist also der saubere Solarstrom um die Hälfte günstiger als dreckiger Fossilstrom. Wenn nun jemand sagt er hätte gern eine Amortisationszeit von 5 Jahren, bedeutet das nicht weniger, als den frommen Wunsch, dass er gern nur ein Viertel des derzeitigen Strompreises für den sauberen Solarstrom zahlen möchte. Um wieder auf das Beispiel mit der Mietwohnung zurück zu kommen. Der ideale Fall sieht so aus: (Steuern und all der Firlefanz sind hier nicht berücksichtigt, also bitte keine Haarspalterei um die beispielhaften Zahlen hier. )

  • Kaufpreis der Wohnung:  € 100.000,-  (Dafür kriegt man jetzt wohl nicht mal mehr 30 m2 in Wien…)
  • Erzielbarer Mietpreis: € 400,-/Monat – € 4.800,-/Jahr
  • Amortisationszeit: 100.000/4.800 = 20,8 Jahre

Soweit alles klar, oder?

Jetzt spielen wir das selbe Spiel mit unserem eigenen Kraftwerk.

  • Kaufpreis des Kraftwerks: € 100.000 (sagen wir für eine 100 kWp Anlage)
  • Erzielbarer Ertrag: 100.000 kWh/Jahr mit jährlichen Einnahmen bzw. Ersparnissen von € 10.000,- (Bei einem Strompreis von 10 ct/kWh, was bei vielen Gewerbekunden der Fall ist).
  • Vereinfachter Strompreis aus der Anlage 5 ct/kWh (Bei 20 Jahren Betrachtungszeit und ohne Berücksichtigung von Kapitalkosten und Betriebskosten – soll nur beispielhaft sein)
  • Amortisationszeit: 10 Jahre

Um auf 5 Jahre zu kommen, müsste ich den Preis der Anlage also nochmal halbieren, was vereinfachten Gestehungskosten von 2,5 ct/kWh entspricht und ein Viertel von dem ist, was er derzeit für Energie bezahlt (10 ct/kWh) und ist ungefähr so frech als würde ich sagen. Nein, die 20 Jahre Amortisationszeit sind mir zu viel, ich zahl nur 50.000,- für die Wohnung sonst „rechnet“ sich das nicht…

Wenn ich das den Leuten so erkläre, sind sie erstmal perplex und meinen: Natürlich will ich nicht nur ein Viertel des derzeitigen Preises zahlen. Nun, warum verlangt ihr es dann? Ich bin jetzt draufgekommen, dass viele von uns einfach die falschen Fragen stellen. Die ultimative Frage lautet:

„Wann rechnet sich Ihre derzeitige Energieversorgung?“

Komischerweise hat diese Frage noch selten jemand gestellt, mich nicht ausgenommen. Die derzeitige Energieversorung, wenn Sie auf dem Mietprinzip aufbaut, rechnet sich NIE. Es ist vergleichbar mit einer Mietwohnung. Ich zahle für meine Energie bis zum St. Nimmerleinstag, ohne jemals die Hoffnung auf „Energieeigentum“ zu haben. Trotzdem wird verlangt, dass sich ein erneuerbares System – ein eigenes Kraftwerk – welches mit einer Eigentumswohnung in der Investitionsentscheidung vergleichbar ist,  möglichst schnell rechnet. Nicht nur das, es soll sauber sein und noch dazu nur halb so viel kosten.

Ich würde darüber gern mal mit einem der klugen Controller in den Konzernen sprechen, die eben so komische Investitionsvorgaben haben. Wenn die Order pauschal lautet: Jede Investition MUSS sich in 3 Jahren rechnen, sonst machen wir es nicht. Diese Leute würde ich gerne fragen, ob all Ihre Immobilienobjekte gemietet sind oder ob sie einfach auch dort so toll verhandelt haben, dass Sie nur ein Viertel des Marktpreises zahlen mussten.

Ach ja, noch eine lustige Anekdote am Rande: Die selben Leute, die sich dann gegen ein erneuerbares System entscheiden, machen dann lieber einen Kesseltausch und lassen sich vom Verkäufer einreden, dass sich dieser Kauf in „2 Jahren rechnet“. Ich hab hier diesen klugen Trick schon mal erklärt, also fallen Sie bitte nicht drauf rein.

Das größte Problem der Erneuerbaren ist eigentlich DASS sie sich rechnen

In diesem Zusammenhang bin ich auch draufgekommen, dass in der Diskussion, die wir führen immer ein System miteinander verglichen wird, das sich eben nicht vergleichen lässt. Die Mietwohnung wird mit der Eigentumswohnung verglichen und die Mietwohnung fühlt sich überlegen, weil sie eben keine Anfangsinvestition braucht. Wie absurd diese Schlussfolgerung ist, brauch ich wohl nicht zu erklären. Unter den vielen Dingen, die wir kaufen, gibt es nur mehr wirklich wenige, die sich rechnen, und gerade die müssen sich am meisten dafür entschuldigen und rechtfertigen. Zum Schluss noch ein kleiner Vergleich.

Der Speicher ist das Auto, das eigene Kraftwerk die Eigentumswohnung

Viele Leute aus der Branche, die von der Frage: „Wann rechnet sich das“ genauso genervt sind wie ich, stellen meiner Meinung nach die falsche Gegenfrage: Sie fragen: „Wann rechnet sich Ihr Auto?“ Der Kunde fühlt sich dann nicht ernst genommen, weil das in seiner Welt überhaupt nichts miteinander zu tun hat. Und irgendwo hat er damit auch Recht. Das Auto verkauft sich über die Unabhängigkeit und die lässt sich nicht in Geldwert messen. Genau deshalb kaufen jetzt auch viele Menschen schon sehr teure Speicher. Es wird Unabhängigkeit verkauft, kein Kraftwerk. Das Kraftwerk hingegen ist eben eher vergleichbar mit der Eigentumswohnung und nicht mit dem Auto. Wenn ich Geld habe, das langfristig gut angelegt werden soll, bau ich mir ein Kraftwerk, welches nach 10-15 Jahren abbezahlt ist und noch mindestens 10-15 Jahre Strom produziert. Danach muss man vielleicht eine Renovierung vornehmen, wie auch bei einer Eigentumswohnung. Dann „läuft“ sie wieder viele Jahre einfach so weiter. Ich bin der festen Überzeugung, dass alleine ein Zählpunkt, also das Recht Strom ins Netz einzuspeisen, eines Tages viel Wert sein wird.

Uff, das wurde jetzt länger als gedacht, aber ich merke gerade wie gut es tut sich das mal so von der Seele geschrieben zu haben. Ich hoffe ihr konntet mir folgen und freue mich auf eine Diskussion.

Foto: cydonna / photocase.com

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

7 Comments

  1. Dieser Artikel ist wunderbar paradox: Er endet mit dem Satz „….und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.“

    Das sollte der Autorin zu denken geben oder sie mal zum Hörer greifen lassen :-)))

    • Ich weiß, dass du nicht der Verfechter der Wirtschaftlichkeit bist, lieber Daniel ;-) und ich finde das eine widerspricht nicht dem anderen. Ich sage ja nur, dass es eben schon wirtschaftlich ist, aber die Erwartungshaltungen völlig falsch sind und den Leuten nicht bewusst ist, was 10 Jahre Amortisationszeit überhaupt bedeutet.

  2. Der Artikel stirbt durch seine Rechtschreibfehler…

    Unterschied das-dass…

    „Wenn ich Geld habe, dass langfristig gut angelegt werden soll, bau ich mir ein Kraftwerk, dass nach 10-15 Jahren abbezahlt ist und noch mindestens 10-15 Jahre Strom produziert.“

    • Vielen Dank für den Hinweis. Das schöne beim Bloggen ist, dass man Fehler ausbessern kann und in dieser Community sowas auch kein Drama ist. Ist halt keine Zeitung, wo auch noch ein Lektor am Werk ist.

  3. Liebe Cornelia,
    danke für den einleuchtenden Vergleich mit einer Mietwohnung v/s Eigentumswohnung. Ähnlich ist ja das Problem der Amortisationszeit, das Bankern bei Solarenergie Kopfzerbrechen macht. Sie lernen in ihrer Ausbildung, dass kurze Amortisationszeiten geringeres Risiko und lange Amortisationszeiten hohes Risiko bedeuten – und das ist eben falsch. Als Gegenbeispiel führe ich eine Investition an mit einer Laufzeit von drei Minuten mit einem Risiko von über 50% – das Roulettespiel; sehr kurze Amortisationszeit und dennoch hohes Risiko. Risiko hat also nichts mit Amortisationszeit zu tun. Das verstehen auch die Banker. Gerne frage ich dann auch ob die Leute eine Pensionsversicherung haben und wie lange die Amortisationtszeit ist. Bei der Lebensversicherung wird der Vergleich noch lustiger. Das hat sich noch für keinen Menschen zu Lebzeiten jemals amortisiert.

    Mit deinem Beispiel von Miete und Eigentum wird klar, dass die Rückzahlung der Eigentumswohnung, teurer als die Miete sein kann. Also der Kauf einer Solaranlage darf teurer sein als die Energiekosten. Banken werben doch damit, dass der Wert einer Eigentumswohnung nach Rückzahlung des Kredits vielleicht sogar noch steigt – genau gleich wie bei einer Solaranlage.

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