Palmöl – wie ein nachhaltiger Anbau unterstützt werden kann

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    (c) Fotolia / A group of oil palm fruits on the white background

     

  • Im aktuellen Nachhaltigkeitsletter„nachhaltig investieren“ von Raiffeisen Capital Management haben wir uns mit dem Thema Palmöl beschäftigt. Die große Nachfrage nach Palmöl ist leicht erklärt, denn Ölpflanzen sind ertragreich und tragen das ganze Jahr über Früchte. Bereits etwa ein Drittel der weltweiten Nachfrage nach Pflanzenöl wird über Palmöl abgedeckt. Grob gesagt, ist Palmöl mittlerweile in fast jedem zweiten Produkt in unseren Supermärkten enthalten. Die betroffenen Produktgruppen sind Nahrungs- und Genussmittel (Salat- und Kochöl, Margarine), Fertiggerichte (Fertignudeln) und Kosmetikprodukte oder Waschmittel.

Im Jahr 2013 wurden weltweit jährlich rund 56 Mio. Tonnen Palmöl und Palmkernöl produziert. Der größte Teil stammte aus Indonesien (50 %), 34 % kamen aus Malaysia. Neue Flächen für Palmölplantagen entstehen aktuell vor allem in den Ländern Zentral- und Westafrikas, wo die Ölpflanze auch ursprünglich herstammt. In Indonesien und Malaysia wurden über die letzten Jahrzehnte im großen Stil Primärwälder abgeholzt und an ihrer Stelle Palmöl-Monokulturen geschaffen. Dies hat massiv zur Gefährdung verschiedener Tierarten beigetragen, betroffen sind dabei unter anderem Tiger, Orang-Utans oder Zwergelefanten.

Wie kann man die Palmölproduktion möglichst nachhaltig gestalten? Am bekanntesten ist in diesem Zusammenhang der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), der aktuell 2.311 Mitglieder umfasst. Der runde Tisch führt Umweltschutzorganisationen, Banken, Großhändler und Palmölproduzenten zusammen. Derzeit ist weltweit eine Anbaufläche 2,58 Mio. ha RSPO-zertifiziert, das entspricht 20 % der weltweiten Produktion. Der RSPO kann aber nur ein erster Schritt sein, denn einige Regelungen scheinen noch zu wenig weitreichend. Andere Initiativen sind die POIG („Palm Oil Initiatives Group“) und das auf die Nahrungsmittelproduktion fokussierte „Forum Nachhaltiges Palmöl“. Einige Unternehmen sind Mitglied bei der Umwelt-NGO „The Forest Trust“.

Unser Unternehmensdialog mit Unternehmen, die Palmöl verwenden, war sehr erfolgreich. Im Mittelpunkt standen die großen Markenartikelhersteller der Welt und ihre Strategien. Rund 90 % der während des Engagement-Prozesses kontaktierten Emittenten haben uns Feedback gegeben. Auf Basis des Feedbacks aus unserem Dialog mit Unternehmen kann man klar erkennen, dass die Ziele in den letzten Jahren ambitionierter geworden sind. Das Ziel der Selbstverpflichtungen der Konzerne ist, Transparenz und Nachhaltigkeit in der Beschaffung von Palmöl umsetzen. Viele bekannte Hersteller von Margarine, Schokoladeaufstrichen, Fertigpizza, Duschgels & Co. haben es sich zum Ziel gesetzt, das in ihren Herstellungsprozessen verwendete Palmöl in den nächsten Jahren aus zertifizierten, nachhaltigen Quellen zu beziehen.

Ein vom Thema betroffenes Unternehmen, dass sich derzeit in den Nachhaltigkeitsfonds der Raiffeisen Capital Management wiederfindet, ist Henkel. Der deutsche Konzern verwendet Palmkernöl als Rohstoff für Tenside. Henkel will das Sourcing von Palmöl bis 2020 zu 100 % umstellen, bereits  40 % der verbrauchten Menge konnten konkret zum Produzenten rückverfolgt werden.

Fazit unseres Nachhaltigkeitsletters zum Thema Palmöl ist, dass für das Wachstum des Palmölverbrauchs kein Ende absehbar ist. Die Konzerne sind sich des damit verbundenen Problems zunehmend bewusst, die meisten haben konkrete Maßnahmen gesetzt. Nachhaltig denkende Investoren müssen aber, genauso wie der Kunde im Supermarkt und die Umwelt-NGOs, am Thema „dranbleiben“, um eine dauerhafte Verbesserung unterstützen zu können.

 
About the Author

Wolfgang Pinner

Wolfgang Pinner

Mag. Wolfgang Pinner, MBA hat in Wien und Nottingham studiert und sich seit dem Jahr 2001 auf das Thema Nachhaltiges Investment spezialisiert. Er hat zum genannten Thema bisher drei Bücher veröffentlicht und ist an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen als Lektor tätig. Seit November 2013 ist er Leiter des Teams für Nachhaltiges Investment bei Raiffeisen Capital Management. Seine Verantwortungsbereiche gehen dabei sowohl in Richtung Nachhaltigkeitskonzepte für Fonds als auch in Richtung des täglichen Managements von Investmentfonds. Privat ist er einerseits sportlich als Triathlet unterwegs oder widmet sich seiner Kakteenzucht.

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