Ökodesign-Richtlinie – Segen oder Fluch?

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  • Am 26. September ist die Ökodesign-Richtlinie für Heizkessel und Warmwasserbereiter in Kraft getreten und muss von der Industrie eingehalten werden. Das bedeutet, dass nur mehr Heizkessel und Warmwasserbereiter, die die Mindesterfordernisse erfüllen, in der EU in Verkehr gebracht und diese auch nur noch mit einem Produkt- beziehungsweise Paketlabel angeboten und verkauft werden dürfen.

Das Paketlabel gibt die Energieeffizienz des Systems an, wie zum Beispiel für Kombinationen aus Heizkessel mit Regelung, Solaranlage (mit Wärmespeicher bzw. Boiler) und/oder einem Zusatzheizkessel. Die europaweite Verordnung gilt vorerst für Öl- und Gas-Heizkessel, Wärmepumpen, kleine Blockheizkraftwerke und Speicher/Aufbereiter. Ziel ist es, gerade im Bereich der Heizungs- und Warmwasserbereiter deutlich effizientere Geräte auf dem Markt zu platzieren, um die EU-Ziele erreichen zu können.

Die Mehrkosten müssen vordergründig die Konsumenten tragen. Die sind sich aber der weitreichenden Änderung nicht bewusst: Neben einem teureren Brennwertgerät, das nur die verlangten Anforderungen erreicht, stehen höhere Wartungskosten und eine Kaminsanierung vor der Tür. Eine Vergleichbarkeit der Label der verschiedenen Energieträger ist nur bedingt bis gar nicht möglich. Bei Wärmepumpen ist das Label überhaupt nur ein „Richtwert“, denn die Messungen beziehen sich auf die „mittlere Klimazone“, bei uns herrscht aber die kalte – also Nullaussage über den zu erwartenden Verbrauch. Suggeriert wird aber mit dem Label, dass die Wärmepumpen die beste Effizienz aufweisen, wenn man sie fälschlicherweise mit den anderen Heizanlagen vergleichen würde. Geräte mit schlechterer Effizienz könnten ferner unter dem Deckmantel des eingebauten Systems trotzdem weiter eingebaut werden.

Ist die Verwirrung bei Ihnen nun perfekt? Glauben Sie, dass der Kunde nur diese Restriktionen wissen wird?

Ich bin nur gespannt, wie die Verordnung für feste Brennstoffe (Biomasse und Kohle), die ab 01.04. 2017 gilt, aussehen wird.

 
About the Author

Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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