FNG Siegel für nachhaltige Geldanlagen

  • (c) Fotolia

  • „Tu felix Austria…“ hat bereits ein Siegel für nachhaltige Geldanlagen – und zwar das Österreichische Umweltzeichen. Nach einigen Jahren der Vorbereitung ist es nun auch in Deutschland soweit. Am 7. Juli ist die Bewerbungsphase für das FNG-Siegel mit einer sehr gut besuchten Veranstaltung in Frankfurt erfolgreich gestartet.

Ein paar Worte zum Hintergrund von Zertifizierungen für Nachhaltigkeitsfonds: Die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Investments hat zu einer deutlichen Vergrößerung des Angebots geführt. Dies ging manchmal zu Lasten der Qualität der Produkte. Um ein Mindestlevel an Nachhaltigkeit für Produkte zu garantieren werden verstärkt Nachhaltigkeitszertifikate und Labels entwickelt. Aufgrund der mitunter unterschiedlichen Definitionen spiegeln diese Labels regelmäßig das spezifische nachhaltige Verständnis der jeweiligen Region oder des jeweiligen Landes wider. Sie können strenger oder weniger streng gefasst sein. Ein Nachhaltigkeitslabel ist also ein Zertifikat das die nachhaltige Ausrichtung eines Investmentfonds bestätigt. Im Rahmen der Zertifizierung werden Ansatz, Research, Transparenzstandards, Unternehmensdialog/Engagement, Stimmrechtsausübung/Voting und das Portfolio selbst überprüft.

Zu den bekanntesten Labels zählten bisher das österreichische Umweltzeichen (www.umweltzeichen.at), das französische Novetic-Label (www.novethic.com) und die EUROSIF-Transparenzleitlinien (www.forum-ng.org/de/transparenz/transparenzlogo.html), wobei letztere nur bedingt als Nachhaltigkeitslabel interpretiert werden können, da hier im Wesentlichen nur die Transparenz der Fonds abgefragt wird.

Das vor kurzem vorgestellte, neue FNG-Siegel für nachhaltige Publikumsfonds wurde vom FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen) gemeinsam mit Finanzfachleuten und Akteuren der Zivilgesellschaft in einem dreijährigen Austausch erarbeitet (www.forum-ng.org/de/fng-siegel/vorstellung-des-siegels.html). Das Siegelkonzept soll zusammen mit einem unabhängigen Komitee stetig weiterentwickelt und so an die Dynamik des nachhaltigen Investmentmarkts und an neue Anforderungen angepasst werden.

Für den Erhalt des FNG-Siegels sind zunächst der Transparenz Kodex von Eurosif und das FNG-Nachhaltigkeitsprofil einzureichen. Die ESG-Analysen für das Portfolio müssen klar belegen, dass der Bewerber Unternehmen und Emittenten sowohl nach ökologischen und sozialen und guten Unternehmensführungskriterien analysiert.

Weiters wurden Mindestanforderungen für Kriterien oder Ausschlüsse definiert: Auf Unternehmensebene sind dies:

  • Ausschluss von Waffen • Ausschluss von Kernenergie • Global Compact (Ausschluss bei Verstößen gegen Menschenrechte, Ausschluss bei Verstößen gegen Arbeitsrechte, Ausschluss bei umweltschädlichem Verhalten, Ausschluss bei Korruption und Bestechung)

Auf Staatenebene gibt es folgende Mindestanforderungen für Kriterien oder Ausschlüsse:

  • Menschenrechte und Demokratie • Umwelt • Korruption • Nuklearwaffen

Das Modell des FNG-Siegels setzt zunächst Produktstandards fest. Dabei geht es um Transparenzstandards und die Qualität des SRI-Research. Zur Sicherstellung der institutionellen Glaubwürdigkeit werden die Nachhaltigkeitsstandards des Produktanbieters überprüft. Schließlich soll eine Einflussnahme über Selektion ausgeübt werden, wie auf dem Wege weiterer Ausschlusskriterien, der Definition von Positivkriterien oder durch einen Best-in-Class bzw. gleichwertigen Ansatz. Auf der anderen Seite wird auch eine Einflussnahme über Dialog analysiert, wie über Stimmrechtsausübung, Dialoge oder formales Engagement.

Je nach Ausgestaltung und nachhaltiger Qualität des Fonds, werden vier Siegelstufen vergeben, neben dem Basissiegel gibt es das Siegel mit einem, zwei oder drei Sternen. Das FNG-Siegel wird von einem unabhängigen Komitee begleitet. Dieses setzt sich aus Repräsentanten privater und institutioneller Anleger, der Wissenschaft, der Kirche und der Zivilgesellschaft zusammen. Auditor des FNG-Siegels ist Novethic, ein Forschungszentrum für Nachhaltige Geldanlagen mit Sitz in Paris.

Raiffeisen Capital Management beabsichtigt, zwei Fonds nach dem FNG Siegel für nachhaltige Geldanlagen zertifizieren zu lassen, den „Raiffeisen-Nachhaltigkeitsfonds-Aktien“ und den „Raiffeisen-Nachhaltigkeitsfonds-Mix“.

 
About the Author

Wolfgang Pinner

Wolfgang Pinner

Mag. Wolfgang Pinner, MBA hat in Wien und Nottingham studiert und sich seit dem Jahr 2001 auf das Thema Nachhaltiges Investment spezialisiert. Er hat zum genannten Thema bisher drei Bücher veröffentlicht und ist an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen als Lektor tätig. Seit November 2013 ist er Leiter des Teams für Nachhaltiges Investment bei Raiffeisen Capital Management. Seine Verantwortungsbereiche gehen dabei sowohl in Richtung Nachhaltigkeitskonzepte für Fonds als auch in Richtung des täglichen Managements von Investmentfonds. Privat ist er einerseits sportlich als Triathlet unterwegs oder widmet sich seiner Kakteenzucht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.