Das Energy-Trilemma auf Österreichisch

  • (c) PhilippNaderer/Forum Alpbach

    (c) PhilippNaderer/Forum Alpbach

     

  • Letzte Woche fanden die Wirtschaftsgespräche beim Europäischen Forum Alpbach statt. Ich bei einer Break-Out Session eingeladen und teile meine Erkenntisse zum Thema Energy Trilemma und wie ich diese Einteilung in Österreich wahrnehme. Am Podium vertreten waren v.l.n.r. Georg Günsberg (Moderation), Philipp Frei (World Energy Council), Eva Schmid (Pottsdam Insitut für Klimafolgenforschung), Susanna Zapreva (Wien Energie), Cornelia Daniel (Dachgold), Karl Aiginger (WIFO)

Ich komme gerade  zurück von drei Tagen Alpbach. Das Lebensministerium hatte mich eingeladen um in einer Break-Out Session über die Ungleichheiten des alten und neuen Energiesystems zu sprechen. Das Dachthema des Forum Alpbachs war ja eben  „Inequality“. Ich möchte hier jetzt über etwas schreiben, was mich seither beschäftigt. Ein weiterer Panel Teilnehmer war Christoph Frei, Generalsekretär des Weltenergierates und ich hatte die Gelegenheit auch beim Empfang des Lebensministeriums zu fachsimpeln. Ich bin immer sehr dankbar, wenn man in die Diskussion so tief reingehen kann und möchte meine Gedanken mit euch teilen.

Der Weltklimarat hat erst kürzlich das sogenannte Energy Trilemma vorgestellt anhand dessen Sie messen, wie es in den einzelnen Mitgliedsländern im Energiesystem bestellt ist.

 

Was ist das Energy Trilemma?

 

Laut Definition ist ein Dilemma eine Situation, in der man zwischen zwei unangenehmen Dingen wählen muss. Es handelt sich um ein (scheinbar) unlösbares theoretisches Problem

Ein Trilemma ist noch schlimmer. Es bezeichnet eine Wahl aus drei Optionen, bei der jede der drei Optionen als inakzeptabel oder ungünstig erscheint.

Schnelle Konvertierer (dieses Wort hab ich gestern erst gelernt) wissen vermutlich jetzt schon in welche Richtung dieses Energy Trilemma gehen könnte und leidgeplagte Leute aus dem Energiesystem werden sich gleich in den genannten Problemen wieder finden.

Das Energy Trilemma bezeichnet die Ausbalancierung zwischen folgenden Eckpfeilern der Energiewirtschaft.

Energiesicherheit (Energy Security) – Effektives Management von Primärenergie im  In- und Ausland, sowie intakte Energieinfrastruktur und Energieversorger, die den derzeitigen und zukünftigen Bedarf decken können.

Soziale Verträglichkeit (Energy Equity) – Zugang und Leistbarkeit in der Bevölkerung.

Nachhaltige Erzeugung und Umwelt (Environmental Sustainability) – In diesem Punkt geht es darum die Energieversorgung CO2-neutral zu gestalten.

Diese drei Punkte gilt es also unter einen Hut zu bringen und ich finde diese Einteilung wirklich recht schlau. Herr Frei hat mich immer wieder darauf hingewiesen, dass viele vor allem das Element der Sozialen Verträglichkeit oft nicht so stark gewichten und vor allem populistische Parteien ein Ungleichgewicht in diesem Bereich recht schnell für sich nutzen und wichtige Reformen dadurch verhindert werden könnten.

Kommen wir also dazu, wie das Energy Trilemma in Österreich aussieht. Und das erstmal nur aus meiner subjektiven Sicht. Unten seht ihr dann auch das Ergebnis auf das das Word Energy Council gekommen ist.

 

Energiesicherheit – Sind wir für die Zukunft gerüstet?

In diesem Punkt ärgert mich vor allem eine Sache besonders. Wir rühmen uns mit unserer Wasserkraft, was durchaus legitim ist, aber es greift einfach zu kurz. Dieser Wahnsinnssommer wird zeigen, dass das Verlassen auf nur eine Quelle einfach zu wenig ist. Die Hitze hat dazu geführt, dass viel weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt werden konnte und der Ausbau der Photovoltaik läuft viel zu schleppend, um dem entgegenzuwirken. Langfristig wäre es also unglaublich wichtig die Solarenergie zu forcieren um die Probleme mit Hitzesommern wie diesen zu bewältigen.

 

Soziale Verträglichkeit – Schaden oder nützen die Sozialpartner in dieser Frage?

In diesem Punkt orte ich in Österreich ein leichtes Ungleichgewicht zugunsten der Sozialpartner. Wir brauchen in der derzeitigen Situation wirklich einschneidende Veränderungen um nicht langfristig viel höhere Kosten zu haben. Jegliche Vorstöße in Richtung Dreckssteuern, die als Lenkungseffekt leider unvermeidbar sind, werden aber von Arbeiterkammer und Co erfolgreich verhindert. Das Tauziehen zwischen Industriellenvereinigung und Arbeiterkammer in dieser Frage ist auch mehr hinderlich als förderlich, weil schlichtweg nichts weiter geht. Hinzu kommt, dass die Sache einfach furchtbar komplex ist. Das zeigt sich an einem Beispiel. Karl Aiginger vom WIFO, der auch am Podium war hat das mit folgender Geschichte auf den Punkt gebracht. Das WIFO hat anscheinend schon viele verschiedene Varianten einer ökologischen Steuerreform durchgerechnet und dabei auch versucht die soziale Verträglichkeit der Maßnahmen zu gewährleisten. Bei 10 Szenarien konnten nur drei die Anforderung „Soziale Verträglichkeit“ erfüllen. Und jetzt stellen wir uns vor bei so einer Reform reden noch 10 andere Leute mit und verkomplizieren das alles auch noch. Ob da bei den 10 Varianten die „beste“ rauskommt ist fraglich… Herr Frei, der in der Schweiz schon viel mit einer ökologischen Steuerreform zu tun hatte, wünscht uns viel Glück. Er hat zu dem Thema dissertiert und ist glühender Kämpfer dafür. Leider noch immer ohne Erfolg in der Schweiz, weil die populistischen Parteien soetwas immer als gefundenes Fressen sehen und diese wichtigen Reformen verhindern.

 

Nachhaltige Energieerzeugung – Die österreichische Lösung wäre eine Katastrophe in diesem Punkt und hat auch mit der Flüchtlichsthematik zu tun

Die viel zitierte österreichische Lösung ist leider in Sachen Energiepolitik besonders problematisch. Wir stehen vor unglaublichen Herausforderungen was den Klimawandel betrifft. Karl Aiginger hat es so formuliert: Der Kampf gegen den Klimawandel ist derzeit die DRINGLICHSTE Aufgabe der Regierung. Sie hat jedoch nicht einmal annähernd den Stellenwert den sie verdient. Die Frage ist deshalb so dringlich, weil die Auswirkungen irreversibel sind und auch die derzeit akute Flüchtlingsproblematik ist damit indirekt verbunden. Was wenige wissen, der Krieg in Syrien ist nicht zuletzt auf den Klimawandel zurückzuführen. In diesem eindrücklichen Comic sind die Ereignisse historisch dargestellt und die Völkerwanderung, die der Klimawandel nach sich zieht ist nicht zu unterschätzen. Wenn wir nichts tun, wird sich die Problematik also noch weiter zuspitzen. Seine plakative Formulierung war frei übersetzt in etwa so: Eine gescheiterte Bildungsreform bringt nur eine Generation länger schlecht ausgebildete Kinder hervor. Eine gescheiterte Energiepolitik könnte uns die Lebensgrundlage entziehen. Es gibt auch leider nur einen einzigen Weg in der Energiepolitik: GANZ ODER GAR NICHT. Wenn wir es wirklich ernst meinen mit Klimapolitik, müssen wirklich drastische Maßnahmen her. Sobald hier mit Konsenspolitik begonnen wird, brauchen wir gar nicht erst anfangen. Um diesen Punkt mache ich mir in Österreich deshalb besonders große Sorgen. Eine österreichische Lösung in Sachen Klimapolitik ist einfach indiskutabel.

Hier auch das Ergebnis für Österreich beim Trilemma. In Sachen sozialer Verträglichkeit sind wir derzeit noch recht gut aufgestellt, dafür nicht so in Energiesicherheit. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nach wie vor noch stark abhängig von teuren Importen sind. Bei „Environmental Sustainability“ liegen wir ganz gut, obwohl es eben keinen Trend nach oben gibt. Ich sehe den auch eher nach unten gehend, wenn wir nicht bald mal richtig Gas geben.

Energie Trilemma Österreich

Energie Trilemma in Österreich. Quelle: WEC

 

Um abschließend wieder auf Alpbach zurückzukommen möchte ich mit meiner Konklusio zum Thema Ungleichheit zwischen dem alten und neuen Energiesystem kommen.

1. Subventionen für Fossile sind die erste große Ungleichheit. Ich habe hier im Blog schon mal ausführlich darüber geschrieben.

2. Die Externen Kosten von Fossilen müssen unbedingt eingepreist werden, wenn bei Erneuerbaren immer die Vollkosten berechnet werden.

3. Die größte Ungleichheit für mich besteht aber darin wie viel Wasser gepredigt wird, wenn alle Wein trinken. Derzeit ist Klimapolitik in Österreich nichts als ein Lippenbekenntnis. Die Signale die in den Markt kommen, sind völlig andere.

Hier noch der Link zur Präsentation des Energy Trilemmas und die Ergebnisse der Länderbilanz. 

Titelbild (c) Forum Alpbach/Philipp Naderer

Trilemma: (c) Word Energy Council

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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