Klimaschutzpotenziale in der Abfallwirtschaft

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  • Das deutsche Umweltbundesamt hat kürzlich eine Studie veröffentlicht die zum Ziel hatte, Klimaschutzpotenziale in der Abfallwirtschaft in den OECD-Ländern und in Indien und Ägypten darzustellen und zu analysieren.

Dabei wurden drei Treibhausgasbilanzen für die USA, Indien, Ägypten sowie die Bilanzierung für die OECD-Staaten nach dem System „Ökobilanz für Abfallwirtschaft“ nach ISO 14040/14044 erstellt. Zusätzlich werden dem ermittelten Status Quo jeweils zwei Zukunftsszenarien für 2030 gegenübergestellt; zum einen wird angenommen dass die deponierte Abfallmenge bis zu diesem Zeitpunkt halbiert werden kann und zum anderen, etwas ideeller, dass die Deponierung zur Gänze aufgegeben wird. In beiden Fällen werden dann die deponierten Mengen einer stofflichen Verwertung bzw. einer Restmüllbehandlung zugeführt.

Der Abfallverbleib in den OECD-Ländern sieht folgendermaßen aus: 25% der rd. 641 Mio. Tonnen Müll wird recycled, 9% wird kompostiert, 20% verbrannt und, der größte Anteil, 45% wird deponiert. Dabei kommt es zu regionalen Unterschieden, denn beispielsweise wird in Amerika 60% des Abfalls deponiert, während in Europa, Türkei und Israel ungefähr gleich viel Abfall deponiert wie stofflich verwertet wird. In Japan, Südkorea und Pazifik überwiegt die Verbrennung mit Energieerzeugung aufgrund der Gegebenheiten in Japan und Südkorea. Diese Aktivitäten führen zu einer THG-Belastung von rd. 66 Mio. t CO2-Äquvivalenten. Gründe dafür liegen vor allem im hohen Anteil an Deponierung und die damit zusammenhängenden Methanemissionen aus dem biologischen Abbau der organischen Abfallanteile. Dabei ist bereits erfasst, dass das Deponiegas teilweise gefasst wird und zu 50% zur Energieerzeugung in Blockheizkraftwerken verwendet wird.

Methodisch werden Potenziale berechnet indem die durch Substitution vermiedenen Emissionen mit den Belastungen aus der Abfallentsorgung gegenübergestellt werden. Überwiegen diese, so ergeben sich Nettoergebnisse mit negativem Vorzeichen, sprich Einsparungs- oder Minderungspotenziale (Minderung von THG-Emissionen, die potenziell in anderen Sektoren verursacht werden, zB Energiesektor).

Die absoluten Nettoergebnisse des Treibhauseffektes in den OECD-Ländern zeigen sich wie folgt:

 

in 1.000 t CO2-Äq OECD gesamt
Sammlung, Sortierung, Transport 13.407
Deponierung 217.362
Verbrennung (ohne Energie) 4.486
Verbrennung (mit Energie) -6.049
Recycling -163.514
Kompostierung 466
Nettoergebnis 66.358

Quelle: Umweltbundesamt, eigene Darstellung

Einfach gesagt wird in der Tabelle ersichtlich, dass Deponierung am meisten zum Treibhauseffekt beiträgt, wohingegen Recycling die größte Entlastung aufweist.

Wenig überraschend ist die Erkenntnis, dass in den OECD-Ländern relevantes Optimierungspotenzial aus Klimaschutzsicht hinsichtlich der Abfallwirtschaft besteht. Optimierungen können vor allem Mengenstromlenkungen oder technischen Maßnahmen wie angenommene Effizienzsteigerungen der Energieerzeugung in der Abfallverbrennung darstellen.

Wie erwähnt, werden die Ergebnisse zwei Zukunftsszenarien gegenübergestellt: zum einen der Halbierung der Abfallmenge bei der Deponierung, zum anderen – etwas ideeller – der kompletten Einstellung der Deponierung.

 

in 1.000 t CO2-Äq OECD gesamt
Ist-Situation 66.358
Mittleres Szenario -154.646
Ideelles Szenario -286.906

Quelle: Umweltbundesamt, eigene Darstellung

Es lassen sich also durch Reduzierung bzw. Aufgabe der Deponierung und einer gleichzeitigen alternativen stofflichen Verwertung sowie energetischen Nutzung wesentliche Treibhausgas-Reduktion erzielen. Insgesamt könnte mit den erwähnten Optimierungen und Rahmenbedingungen eine Nettoentlastung von rd. 155 Mio. bzw. rd. 287 Mio. CO2-Äquvivalenten erzielt werden.

Zusammengefasst heißt das also, dass eine Abkehr von der Deponierung einen maßgebenden Beitrag der THG-Minderungspotenziale darstellt. Zusätzlich ergibt sich eine effizientere Nutzung von Ressourcen und eine Reduzierung der Umweltbelastungen für den Menschen und auch für Ökosysteme. Außerdem bleibt in der Studie nicht unerwähnt, dass es bei einer solchen Kreislaufwirtschaft eines Aufbaus der Infrastruktur zur hochwertigen Verwertung von Wertstoffen bedarf. Parallel dazu wird ein funktionierender Markt für erzeugte Sekundärstoffe benötigt.

Das Thema Abfallverwertung ist neben dem Sektor Energie und Verkehr denke ich eines der großen Zukunftsthemen in puncto Treibhausgas-Reduktion. Dabei gilt es vor allem auch den Aufbau einer Abfallwirtschaft in den Nicht-OECD-Ländern zu entwickeln und unterstützen. Diese Studie zeigt vor wie ein ganzheitliches Abfallsystem in Zukunft aussehen sollte und geht in eine eindeutige Richtung: Deponierung darf kein Teil der Abfallverwertung sein um Emissionen weitest gehend einzudämmen.

Erfeulich ist, dass in der österreichischen Abfallwirtschaft bereits ein großes Bewusstsein zum Thema herrscht, wie beispielsweise aus Wien und dem Land Steiermark zeigen.

 
About the Author

Marlene Zehetner

Marlene Zehetner

Marlene Zehetner studiert im Master Sozioökonomie an der WU Wien sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement an der FH Krems. Seit Februar diesen Jahres ist sie Mitarbeiterin in der Nachhaltigkeitsabteilung der RZB. Aufgrund ihrer Studien gilt ihr Interesse nicht nur sozioökonomischen Fragestellung sondern auch wie nachhaltig in die Zukunft gegangen werden kann. Die Freizeit wird entweder im Freien bei diversen sportlichen Aktivitäten oder in der Küche mit kulinarischer Verwirklichung verbracht.

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