Erfahrungsbericht – Unser Auto fährt elektrisch!

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  • Sind E-Autos alltagstauglich – oder doch Spielzeuge für Liebhaber? Hubert Pupeter vom Umweltcenter der Raiffeisenbank berichtet über seine bisherigen Erfahrungen und was ihn zum Kauf eines E-Autos bewogen hat. Hier das Interview:

E-Mobilität steckt in Österreich noch in den Kinderschuhen – zu Recht?

 

Wenn man die öffentliche Infrastruktur betrachtet ist dies sicherlich der Fall. Besonders die Lademöglichkeiten für E-Autos sind derzeit noch sehr eingeschränkt. Auch die vielen unterschiedlichen Ladesysteme und -adapter tragen nicht besonders zur Alltagstauglichkeit bei. E-Bikes und E-Bike Ladestationen sind hingegen bereits weit verbreitet, viele Nahversorger bieten bereits Tankstellen für E-Bikes und E-Scooter an. Aber gerade Vorzeigeprojekte wie das erste E-Taxi im Raum Wels stimmen mich optimistisch, dass sich in Zukunft auch im Bereich E-Autos einiges bewegen wird.

 

E-Autos schön und gut aber ist es nicht nur ein Zweitwagen?

 

Für mich ganz klar, nicht. Der Großteil meiner Fahrten sind kurze Strecken kleiner 50 km, wie der tägliche Weg ins Büro oder allfällige Besuche und Besorgungen. Auf diesen Strecken ist für mich das E-Auto klar die erste Wahl. Lediglich für längere Dienstfahrten oder Urlaubsreisen nutze ich unser zweites Auto. Für Fahrten im Ort setze ich auf meinen Drahtesel.

 

Sind für Sie daher zwei Autos im Haushalt wirklich notwendig?

 

Für uns ist ein zweites Auto im Haushalt schon immer wichtig. Wir wohnen in einem sehr ländlichen Gebiet mit eingeschränkter Anbindung und schlecht ausgebautem öffentlichen Verkehr. Bis zur nächsten größeren Stadt (Wels) sind es ca. 30 Minuten mit dem Bus. Wobei der letzte Bus von Wels (mit einer Fahrzeit von unter einer Stunde) um 19:24 fährt. Bei einer Familie mit drei Kindern war daher ein zweites Auto immer Bestandteil unseres Haushalts, besonders da ich aus beruflichen Gründen auf mein Auto angewiesen bin. Jetzt wo unsere Kinder erwachsen sind, ist unser Zweitwagen ein „Luxusgut“ geworden, das uns mehr Flexibilität bringt. Dies ist auch der Grund, warum wir uns letztendlich für ein E-Auto entschieden haben. Wir möchten ehrlich gesagt nicht auf die Annehmlichkeiten verzichten, dennoch möchten wir etwas Gutes für die Umwelt tun. Im städtischen Gebieten kann ich mir gut vorstellen, dass ein Auto völlig ausreichend ist.

 

Für welches E-Auto haben Sie sich entschieden?

 

Zu meinem großen Vergnügen konnten wir schon einige E-Autos testen. Uns hat vom Preis-/Leistungsverhältnis und Fahrgefühl, besonders der Renault Zoe überzeugt. Auch meiner Frau macht das etwas andere Fahrgefühl viel Spaß. Auto fahren wird einfacher. Einerseits durch den Automatikantrieb und andererseits durch die Energierückgewinnung, durch die man kaum noch bremsen muss. Das Auto bremst selbstständig, sobald man vom Gas geht und lädt dadurch die Batterie wieder auf.

 

Wieviel Kilometer fahren Sie mit einer Ladung?

 

Laut Herstellerangaben ca. 240 km. Im Winter kann die Reichweite um 50 Kilometer variieren. De facto ist es etwas weniger. Es kommt immer auf das Fahrverhalten an bzw. wo wir fahren z.B. Autobahn vs. Stadtverkehr.

 

Wieviel Kilometer werden Sie pro Jahr fahren? Wo tanken Sie?

 

Durch unseren Batteriemietvertrag sind wir auf 12.500 km pro Jahr begrenzt. Diese Reichweite werden wir bestmöglich ausnutzen. Da wir am Land wohnen, benutzen wir das Auto meist für kurze Strecken wie ins Büro, zum Einkaufen, für kleinere Besorgungen oder für Besuche unserer kleinen Enkelin. Darum ist auch das Auftanken daheim für uns kein Problem. Im Idealfall laden wir das Auto mit dem produzierten Strom unserer Photovoltaikanlage oder tanken zuhause Ökostrom.

 

Wie hoch war die Investitionssumme? Gibt es Förderungen?

 

Unser Renault Zoe hat rund 25.000 Euro gekostet. Nicht inkludiert sind dabei die Batteriemiete von 79 Euro pro Monat sowie die Versicherung. Die großen Vorteile von Elektroautos sind: sowohl die motorbezogene Versicherungssteuer sowie NoVA oder Mineralölsteuer sind bei E-Autos kein Thema. Das Land Oberösterreich fördert die Anschaffung außerdem mit 2.500 Euro.

 

Merken Sie Veränderungen an Ihrem Fahrverhalten?

 

Bis auf den Wettbewerb mit meiner Frau wer weiter kommt nicht wirklich. (lacht) Das einzige was ich wirklich gemerkt habe ist, dass ich aufmerksamer fahre. Denn die meisten Menschen sind E-Autos auf der Straße noch nicht gewöhnt. Besonders am Land gehen die Menschen oftmals ohne zu schauen über die Straße, da muss man schon etwas vorsichtiger fahren und noch mehr mitdenken.

 

Hatten Sie schon mal eine Situation wo Ihnen sprichwörtlich der Saft ausgegangen ist?

 

Gott sei Dank nur fast. (lacht) Bei einem Besuch bei Bekannten in der Nähe der Uni Linz wurde es einmal ziemlich brenzlig. Normalerweise bewegen wir uns eher im ländlichen Raum, da ist immer irgendwo eine Garage mit Steckdose verfügbar. Ich hatte nicht bedacht, dass die meisten Wohnhäuser in der Stadt keine Außensteckdosen besitzen bzw. kann man ja nicht aus dem fünften Stock ein Verlängerungskabel auf die Straße legen. Nach erfolgloser Anfahrt mehrerer E-Tankstellen (falscher Adapter/nur für E-Bikes und E-Scooter) und aussichtsloser Suche im Internet nach Ladestationen in der Nähe, mussten wir improvisieren. Der Portier im Studentenheim gegenüber hat uns nach Rücksprache mit der Geschäftsleitung Gott sei Dank mit Strom für die Heimfahrt versorgen können. Darum ist es mir so wichtig, dass wir im Herbst im Zuge der Eröffnung des Zubaus der Raiffeisenbank Gunskirchen unsere neuen, kostenlosen Ladestationen für E-Autos und E-Bikes aus der Region einweihen können.

 

Was sagen Sie zum Thema e-Carsharing?

 

Carsharing generell finde ich wirklich ein sehr interessantes Konzept, sowohl im urbanen wie auch in ländlichen Raum. E-Carsharing als Erweiterung ist wie man am Beispiel Krenglbach (mobilcard Krenglbach/OÖ) sieht ein Konzept mit Zukunft. Wichtig für den Erfolg ist jedoch der persönliche Einsatz vieler Menschen z.B. für die Administration, Wartung oder Reinigung des Autos. Dies ist oft nur über Vereine organisierbar. Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit der Gemeinde Gunskirchen an einem ähnlichen Konzept. Wir sind optimistisch, dass wir vielleicht schon nächstes Jahr das erste E-Carsharing in Gunskirchen installieren können.

 

 

Umweltcenter der Raiffeisenbank Gunskirchen

 

Gegründet im Dezember 2012, bietet das Umweltcenter Sparbücher und Giro-Konten, bei denen die Einlagen ausschließlich in nachhaltige, regionale Projekte investiert werden – bisher insgesamt zehn Millionen Euro. Ein völlig getrennter Rechnungskreis sichert die Unabhängigkeit des Geschäftsgebarens des Umweltcenters der Raiffeisenbank und die Transparenz der Geldflüsse. www.umweltcenter.at

 
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About the Author

Kristina Proksch

Kristina Proksch

Mit der Spezialisierung „Systemisches Umwelt- und Ressourcenmanagement“ im Wirtschaftsstudium an der Johannes Kepler Universität in Linz war klar, beruflich geht der Weg in Richtung Umwelt- und Klimaschutz. Dass „green banking“ und das Bewusstsein für nachhaltige Geldanlagen im Trend liegen, war schon während des Auslandsstudiums in den USA 2010/2011 zu spüren. Seit Mai 2014 engagiert sie sich im Umweltcenter, eine Abteilung der Raiffeisenbank Gunskirchen, die mit den Einlagen umweltbewusster Sparer und Umwelt-Girokonten ausschließlich ökologische Projekte finanziert. Neben Marketing und PR-Arbeit zählt die Betreuung von Umweltcenter-Kunden zu Ihrem Aufgabengebiet. Privat spielen Badminton, Reisen und die lokale Energie-Gemeinde-Ortsgruppe eine große Rolle.

2 Comments

  1. Bei uns in Österreich ist es definitiv noch nicht so verbreitet wie in anderen Ländern, aber ich sehe trotzdem schon einige Elektroautos herumfahren. Auch passende Tankstellen habe ich schon öfters gesichtet. Es wird sicherlich noch seine Zeit dauern, aber es ist in meinen Augen die Zukunft.

  2. Da ich mich gerade mit der Thematik beschäftige, bin ich auf den Bericht gestoßen -sehr interessant. In Deutschland ist die Situation ja ähnlich. Ich denke gerade solche persönlichen Berichte können sehr gut bei der Entscheidungsfindung helfen, da sie eben die praktischen Punkte im Alltag mit so einem Fahrzeug verdeutlichen.

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