Nuclear lies – we are so screwed…

  • Nuclear Lies

  • Nuclear Lies ist ein Film über die Machenschaften der indischen Atomindustrie. Ich durfte den indischen Regisseur persönlich kennenlernen und musste einige unangenehme Wahrheiten erfahren.

Letzte Woche war ich als Podiumsgast bei den Klima-Film Tagen in Baden geladen. Gezeigt wurde an diesem Tag der Film „Nuclear Lies“ und gemeinsam mit dem jungen und sympathischen indischen Regisseur Praved Krishnapilla und der Organisatorin des Crowdfundings für dieses Projekt Renate Brandner-Weiss diskutierten wir den Film anschließend. Da ich ziemlich betroffen war von dem Gesehenen, möchte ich meine Gedanken auch hier mit euch teilen. Hier schon mal der Trailer des Films, der mit einem Budget von nur 20.000,- und sehr viel persönlichem Risiko für den Regisseur gedreht wurde. Die Dreharbeiten konnten nur mit verstecktem Equipment und nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchgeführt werden, weil die Crew sonst vermutlich verhaftet worden wäre. Ich konnte während der Vorstellung neben dem Regisseur selbst sitzen und so auch zwischendurch Fragen stellen, die leider nicht so erfreuliche Antworten produzierten. Hier meine wichtigsten Erkenntnisse. Ich möchte hier nochmal betonen, dass das meine persönliche Meinung und die Schlüsse, die ich daraus ziehe sind. Ich bin keine Atomexpertin aber halte es für wichtig, dass über diese Dinge, die da im Geheimen passieren, gesprochen wird. Es wundert mich sehr, warum die Massenmedien so wichtige Themen nicht mehr aufgreifen.

Nuclear lies teaser Nov. 2014 from praved ck on Vimeo.

Der Hintergrund des Regisseurs

Mich interessieren immer vor allem die Beweggründe von Menschen, wenn sie ein Projekt wie dieses starten. Der Regisseur Praved Krishnapilla ist ein junger Inder, dem man auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde, dass er sowas auf die Beine stellt. Er hat früher für das indische Fernsehen gearbeitet und unterrichtet jetzt in Österreich. Das Projekt hat er gestartet, weil er die Verantwortung erkannt hat, die Filmemacher heutzutage haben. Hinschauen wo andere wegschauen. Besonders schockiert haben mich seine Erzählungen über seine Kindheit. Propaganda wie aus dem Bilderbuch. Indische Kinder werden in dem Glauben erzogen, dass Atomkraft die genialste und ungefährlichste Technik der Welt sei. Mit Wettbewerben und glamourösen Awards werden die Kinder schon ganz früh zu atomunkritischen Individuen. Irgendwann als er älter wurde, dämmerte es ihm, dass das alles vielleicht doch nicht so rosig ist und er begann zu recherchieren und Fragen zu stellen. Das Ergebnis ist dieser Film. Auch im Trailer hört man von diesen Praktiken.

Eine degenerierte Generation zerstört die Gemeinschaft

Der Film spielt in verschiedenen Regionen. In der Nähe von Aufbereitungsanlagen, in der Nähe einer Uranmine oder eben Kraftwerken. Die Strahlenbelastung dort ist signifikant und ich wünsche mir, dass all jene, die nach wie vor behaupten, radioaktive Strahlung sei gar nicht so gefährlich (ja, die gibt es tatsächlich noch) diesen Film sehen. Die Menschen dort sind ungebildet und wissen nicht so wirklich was passiert. Aber sie sehen DASS etwas passiert. Früchte die keine Samen mehr enthalten und vor allem das Schlimmste: Viele, viele unerklärbare Krankheiten UND viele Kinder die mit Behinderungen und Missbildungen geboren werden. Die Mütter dort sind überfordert. Es gibt kein Sozialsystem um die Mehrbelastung der Familien zu kompensieren und die Gemeinschaft zerbricht langsam daran. Es ist wirklich herzzerreissend das zu sehen. Die jungen Männer haben sogar schon Angst Kinder zu bekommen, weil sie nicht wissen, wie stark ihre Gene schon verstrahlt sind.

Ein Kuhhandel führte zum 10 GW Kraftwerk?

Ein wichtiger Punkt im Film ist die Diskussion um den Neubau des größten Atomkraftwerkes der Welt in einer erdbebengefährdeten Region. 10 GW soll es groß sein. DAS IST GROSS! Aber das schlimmste ist die Geschichte wie es dazu gekommen ist. Für mich klingt es wie ein Kuhhandel. Indien wollte 2013 wieder „mitspielen“ bei einem internationalen Abkommen welches – Überraschung – mit Atomwaffen zu tun hat. Die Bedingung dafür war, dass Indien Reaktoren aus Frankreich und den USA kaufen muss. Mit Areva wurden genau die 10 GW verhandelt, die nun dort gebaut werden sollen. Bleibt nur zu hoffen, dass Areva bankrott geht, bevor sie Indien zwingen ihre Verpflichtung einzuhalten. Ich möchte an dieser Stelle nochmal betonen, dass das alles nur meine Eindrücke von dem Film sind, die ich nicht überprüfen kann. Vermutlich ist auch das der Grund warum so wenig berichtet wird. Es gibt keine gesicherten Informationen dazu und Journalisten dürfen dann nicht darüber schreiben.

Das alles für 2% Strom?

Eine wichtige Message des Filmes ist: Die 21 Atomkraftwerke Indiens produzieren gerade mal 2% des Stroms!!! Das ist übrigens der Punkt, der auch weltweit nie genug beachtet wird. Es wird eine Technologie verteidigt, die nach 50 Jahren weltweit nicht im geringsten signifikante Anteile an der Stromversorgung hat. Ich glaube der Anteil liegt irgendwo bei 14-16%. Die Reaktoren in Indien dürften zudem so mies sein, dass sie Energie vernichten, statt welche zu produzieren. Die Brennstäbe wollen ja gekühlt werden und auch das kostet Energie. Einem Gerücht zufolge hat man auch schon von ungewöhnlich hohen Dieseleinkäufen in der Nähe eines Kraftwerkes gehört. Den Rest des Gerüchtes dürft ihr euch denken…

Und wenn es doch letztlich nur um Atomwaffen geht?

Ich habe diese Aussage früher immer für unhaltbar gehalten und als Verschwörungstheorie abgetan. Die Quintessenz des Filmes ist aber genau das… Ich wusste zum Beispiel auch nicht, dass der Rohstoff für Atomwaffen – Plutonium – eines der seltensten und teuersten Elemente dieser Erde ist. Ich habe leider den Preis vergessen, aber er ist utopisch hoch. Vielleicht kann das jemand hier noch posten. Dieses so seltene Plutonium entsteht jedoch bei der Verbrennung von Uran in Atomkraftwerken. Also von wegen „Die Frage was mit dem „Atomabfall“ geschieht ist nicht geklärt“. Ein Teil davon ist nämlich unglaublich wertvoll und laut dem Film eben der einzig wirklich „sinnvolle“ Grund für Atomkraft in Indien. Auch in meinem letzten Artikel hat einer der Kommentierer diesen Punkt in Sachen Hinkley Point erwähnt als einzigen Grund warum das Kraftwerk doch gebaut werden könnte. Es findet anscheinend nach wie vor sowas wie ein Wettrüsten statt und irgendwo lagern hunderte von Atomwaffen, die uns alle mit einem Schlag eliminieren können… Alleine Indien besitzt angeblich 110 Atomwaffen. Wie viele haben die USA, wie viele Großbritannien und die Russen?? Ich muss sagen, ich finde das schon ein wenig beunruhigend und eure Meinung dazu würde mich interessieren.

Also, ihr seid dran: Bitte sagt mir, dass ich das alles falsch verstanden habe und alles doch nicht so schlimm ist, wie sich das jetzt für mich darstellt.Ein kleiner Lichtblick ist ja schon mal diese Meldung: http://www.pv-magazine.de/nachrichten/details/beitrag/trina-solar-besttigt-plne-fr-zwei-gigawatt-fabrik-in-indien_100019655/

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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