Energy Transition: Finance me…

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  • Der fortlaufende Druck der Zivilgesellschaft auf die Politik, um verbindliche Ziele im Energiewende Bereich festzulegen hat viele Erfolge erzielt. Investoren und der Finanzmarkt wurden bisher allerdings beinahe vollständig ausgeblendet. Staatliche Subventionen alleine werden die Energiewende europaweit nur schleppend in die Realität umsetzen. Mit Hilfe des Finanzkapitals kann die Dynamik um ein Vielfaches gesteigert werden.

Die Gelegenheit zur breiten Einbindung des Finanzmarktes ist besonders günstig. Erstens befinden wir uns derzeit in einer Phase außerordentlich niedriger Zinsen – immerhin liegt der 3-Monats-Euribor im Mai bei -0,014%; dies entspricht Strafzinsen, wenn Banken einander Geld leihen. Zweitens sind institutionelle Anleger wie Pensionsfonds oder Versicherungen durch regulatorische Vorgaben dazu verpflichtet, einen Teil ihres Finanzvolumens in hoch bewerteten Staatsanleihen zu halten – diese sind seit der Finanz- und Staatsschuldenkrise nur noch dünn gesät –, sodass beispielsweise Deutschland momentan sogar einen Zinsaufschlag verlangen kann, obwohl es sich von Gläubigern Geld leiht. Drittens hat die EU, getrieben durch den unberechenbaren russischen Bären, in Form des Energieunionspapiers beschlossen, dass die Energieimportabhängigkeit reduziert wird und eine Diversifizierung der Lieferländer und –quellen stattfinden soll. Insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien und der LNG-Infrastruktur (Flüssiggas) soll im Zuge dessen vorangetrieben werden. Viertens ist der russisch-ukrainische Krieg noch lange nicht ausgestanden, sondern verschärft sich eher, sodass die gesamte Region humanitär und wirtschaftlich in Mitleidenschaft gezogen wird und die EU jeden Tag damit rechnen muss, dass der Gasfluss aus der Ukraine versiegt, weil Putin das Gas als Faustpfand nutzt.

Somit ist die Situation durch ein außergewöhnlich volatiles und unsicheres Umfeld für den Finanzmarkt gekennzeichnet. Gleichzeitig existiert aber ein deutliches Committment von der europäischen Politik für die Energiewende in Form der Energieunion. Ergo sollte das Ziel verfolgt werden, Energiewendeprojekte seitens der Europäischen Investment Bank bzw. eines europäischen Fonds mit entsprechenden Garantien zu hinterlegen, die insbesondere institutionellen Anlegern eine Alternative zu derzeit unprofitablen Staatsanleihen bieten und gleichzeitig den bestehenden Regularien entsprechen. Darüber hinaus können diese Projektbonds auch bei anderen Themenbereichen Anwendung finden, sodass beispielsweise Verkehrs- oder Internetbreitbandprojekte ebenso realisiert werden können. Das Finanzkapital sollte genutzt werden, um erneuerbaren Energien endgültig zum Durchbruch zu verhelfen und nicht als Verhinderer der Dekarbonisierung betrachtet werden. Im Gegenteil, der Finanzmarkt muss vor den Energiewendekarren gespannt werden, um erneuerbaren Energien zur nötigen Beschleunigung zu verhelfen.

 
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Hans Mayrhofer

Hans Mayrhofer

DI Hans Mayrhofer studierte Agrarökonomie an der BOKU Wien und startete seine Laufbahn als agrarpolitischer Referent im Niederösterreichischen Bauernbund. Anschließend managte er als Büroleiter das Rektorat an der Universität für Bodenkultur Wien und wechselte von dort im Sommer 2011 ins Büro von Landwirtschafts- und Umweltminister Niki Berlakovich. Seit Juli 2012 ist Mayrhofer im Ökosozialen Forum tätig, wo er unter anderem die Wintertagung, die größte agrarische Informations- und Diskussionsveranstaltung in Österreich, betreute. Seit 1. 1. 2014 ist Mayrhofer Generalsekretär des Ökosozialen Forums. An den Wochenenden kümmert er sich um seinen landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Lichtenegg. Seine Leidenschaft gilt darüber hinaus dem Reisen in ferne Länder..

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