Umweltverschmutzung als häufigste Todesursache in Entwicklungsländern

  • air pollution image of houses and smoke

  • Neulich habe ich mich im Rahmen einer Arbeitsgruppe des BMFs bei der Zukunftskonferenz winquadrat (jährliche Konferenz für Studierende in Eisenstadt) näher mit Österreichs internationalen Entwicklungshilfe auseinandergesetzt und bin auf – für mich sehr alarmierende – Zahlen der Umweltverschmutzung gestoßen, die ich gerne hier am Blog mit euch teilen möchte.

Insgesamt starben in 2012 8,5 Millionen Menschen weltweit, laut eines Berichts der Global Alliance on Health and Pollution (GAHP), an Umweltverschmutzung. Neueste Veröffentlichungen der World Health Organziation (WHO) zeigen außerdem, dass davon 7 Millionen Menschen frühzeitig aufgrund von Luftverschmutzung gestorben sind. Luftverschmutzung ist somit, laut Maria Neira, Direktorin der WHO -Abteilung für öffentliche Gesundheit und Umwelt, die größte umweltbedingte Gesundheitsgefahr (vgl. Die Zeit, 2014). Ungefähr 3,7 Millionen Todesfälle lassen sich auf Lustverschmutzung außerhalb von Gebäuden zurückführen. 4,3 Millionen Todesfälle sind Folgen der verschmutzten Innenraumluft. Grund für die Todesfälle in Innenräumen sind das Kochen und Heizen mit Kohle und Biomasse, deren Gase an den undichten Stellen der Öfen austreten und von den Familien eingeatmet werden. Davon besonders betroffen sind Frauen und Kinder, da sich diese lange Zeit in diesen Räumen aufhalten. Alarmierend finde ich auch die 2014 veröffentlichten Zahlen der WHO die zeigen, dass die verschmutze Innenraumluft Grund für insgesamt 2,9 Mrd. Herz-Kreislauf, Atemwegs- und Krebserkrankungen weltweit sind.

Hier ist eine WHO – Liste mit Erkrankungen, die durch Luftverschmutzung entstehen:

Air Pollution_WHO2014

Quelle: http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/

Für mich waren diese Zahlen erschreckend, da mir nicht bewusst war, welche erhebliche Auswirkung die schlechten Zustände der Häuser auf die Innenraumluft und somit auch auf die Gesundheit der Menschen hat. Die WHO berichtet außerdem, dass alleine das Sammeln von Brennstoff Frauen und Kinder viel Zeit kostet, die sie anderweitig ungefährlicher nutzen könnten (Schulbesuche, Einkommensgenerierung, etc.). Darüber hinaus ist der fehlende Zugang zur Elektrizität für 1,2 Mrd. Menschen mitunter Grund für viele Erkrankungen (durch das Kochen im Dunkeln, Arbeitsverletzungen etc.). Ein verbesserter Zugang zur Elektrizität und „Clean Energy“ würde eine erheblichen Beitrag leisten, um erstens die Umweltverschmutzung zu reduzieren und zweitens, Armut zu bekämpfen. Reine und nachhaltige Energielösungen in Entwicklungsländern werden schon im Rahmen der Millennium Entwicklungszielen (MGD) zur Armutsbekämpfung angestrebt und sind auch Teil der Agenda zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDG).

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Umweltverschmutzung in den Entwicklungsländer durch Industrieländer. Unternehmen lassen, um Kosten zu minimieren, billig in Entwicklungsländern produzieren. Produktion und Nutzung von Stoffen, die giftige Chemikalien enthalten, werden in Entwicklungsländer verlagert. Einem UNEP – Bericht zufolge, erwartet man bis 2020 in Afrika und im Mittleren Osten einen Anstieg der Produktion von Chemikalien um 40 Prozent. Eine Vergiftung mit solchen Substanzen ist mitverantwortlich für den Tod von mehr als einer Million Menschen. Solche Zahlen finde ich beunruhigend und sollten zum Denken anregen, besonders Industrieunternehmen. Denn die Risiken bei der Verlagerung von Produktionsstätten in Entwicklungsländer erreicht somit eine neue Dimension. Zusätzlich zu den typischen Begleiterscheinungen wie Abwanderung von Kapital, Verschlechterung des ökologischen Fußabdrucks und Ausbeutung von Arbeitskräften, ist nun Tod durch Umweltverschmutzung eine weitere, gravierende Komponente, die Industriebetriebe beim Offshoring in Betracht ziehen müssen. Unternehmen sollten sich vorher fragen: „Günstig produzieren um jeden Preis?“

Hier die Links zu den Quellen:

Die Zeit (2014), Millionen Menschen sterben an den Folgen von Luftverschmutzung, http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-03/who-luftverschmutzung-tote-asien-frauen/komplettansicht?print=true
World Health Organization (2014),
http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/ World Health Organization (2014), Indoor Air Pollution, Household Energy, and the Millennium Development Goals, http://www.who.int/indoorair/info/iabriefing1rev.pdf
Global Alliance on Health and Pollution (2014),
http://www.gahp.net/new/resources/pollution-and-health/
Der Standard (2012,)
http://derstandard.at/1345166195698/Chemikalien-belasten-Umwelt-in-Entwicklungslaendern-stark
Richard Fueller (2015), The leading cause of death in developing countries might surprise you,
http://ensia.com/voices/the-leading-cause-of-death-in-developing-countries-might-surprise-you/,

 
About the Author

Andrea-Simone Barth

Andrea-Simone Barth

Andrea Simone Barth ist seit über einem Jahr Mitarbeiterin der Nachhaltigkeitsabteilung der Raiffeisen Zentralbank AG und auch Studentin im Master Management an der WU Wien. Im Rahmen der Studierendenorganisation oikos Vienna setzt sie sich seit drei Jahren aktiv, davon 2014/15 als Vorstandsmitglied, an der WU Wien für die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ein. Neue Perspektiven sucht sie sich in ihrem Nebenstudium Kunstgeschichte sowie in der Freizeit beim Ausleben ihrer künstlerischen Ader und beim Yoga.

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