Nie wieder 50 Watt Strahler und warum kein Weg mehr an LED vorbeiführt

  • LED Test verschiedener Lampen

  • Letztens wollte ich mir neue Beleuchtung kaufen und hatte mich in dieses Modell mit vier Strahlern verliebt.

Nur die beigelegten Leuchtmittel (oben links) versetzten mich in Schockstarre. Da sind allen Ernstes vier so kleine Halogenstrahler dabei gewesen, die jeweils 50 – in Worten: fünfzig – Watt brauchen! Mal vier gerechnet also 200 Watt für diese Art der Beleuchtung!

Noch mehr schockierte mich das Verhalten der Verkäuferin. Auf die Frage ob es für dieses Modell auch LED-Lampen gibt sagte sie allen Ernstes: „Ja, da hinten irgendwo, aber sie zahlen ja für die Leuchtmittel also sollten Sie sie auch nutzen. „

Wie bitte? Ich war so perplex, dass es mir erst Mal die Sprache verschlagen hat. Ja, das passiert auch mir manchmal. Ich hab dann versucht die Leuchtmittel zu finden, musste aber leider feststellen, dass sie dort nur die hässliche Variante der LED-Halogenleuchten hatten, mit den gelben Punkten drauf. Da die Lampe selbst ja ein Designelement ist, wollte ich es nicht mit den Strahlern „verschandeln“. Mein Bruder, der so ziemlich alle LED-Leuchtmittel dieser Welt kennt war da Gott sei Dank mit dabei und versicherte mir, dass wir online sicher etwas Passendes finden werden. Was wir letztendlich auch geschafft haben , aber ich möchte jetzt mal aufzeigen, was es bedeutet hätte, dem Rat der Verkäuferin zu folgen.

600 Watt für einen 30 m2 Raum

Der Raum für den ich die Lampen gebraucht habe, hat drei Lampenanschlüsse an der Decke. Ich wollte also drei dieser Lampen. Hätte ich die ursprünglichen Leuchtmittel verwendet, würde der Raum mit 600 Watt bestrahlt. Abgesehen davon, dass es einfach wirklich viel zu hell gewesen wäre, ist das ein Stromfresser der Extraklasse und ich glaube das ist viel zu vielen Menschen noch immer nicht bewusst. Deshalb hier mal wieder einer meiner berühmten Rechnungen.

Was bedeutet 600 Watt übers Jahr gerechnet

Ich nehme an, dass die Lampe 5 Stunden am Tag brennt, ich glaub das ist realistisch.

In 365 Tagen sind das 1825 Stunden. Um auf den Stromverbrauch in einem Jahr zu kommen, muss ich die Leistungszahl meiner Lampe mit den Stunden multiplizieren, aber Achtung, die Zahl, die dabei herauskommt sind Wattstunden. Um die Kilowattstunden zu bekommen, die dann auf meiner Stromrechnung stehen, muss dieser Wert dann durch 1000 dividiert werden. Das Ergebnis:

1095 kWh nur für diesen einen Raum Beleuchtung!

Seit Jahren geht meine Stromrechnung für den gesamten Haushalt nicht merklich über 1000 kWh. Mit diesem unüberlegten Kauf hätte ich also meine Stromrechnung ganz schnell mal verdoppelt. In Euro umgerechnet würde mich der Betrieb dieser Lampen bei einem Strompreis von 20 ct/kWh ganze 219,- im Jahr kosten.

30 Watt statt 600 Watt mit LEDs

So, und jetzt ratet mal, wie die LED Variante aussieht? Ein kleiner Hinweis befindet sich in der Überschrift. Richtig, die LED Variante braucht pro Stück 2,5 Watt!!! Auch wenn die G9 Fassung nicht so einfach zu finden war und ich nur wenige Shops gefunden haben, die überhaupt LEDs mit dieser Fassung anbieten, bin ich fündig geworden und auch wenn ich natürlich nichts von denen kriege, hier der Link zu dem österreichischen Händler wo ich es gefunden habe. Die Lampen sind zwar einen Tick zu groß und ich hätte gern etwas kleinere gehabt, aber die kleineren gab es nur mit 3000 Kelvin (Lichtfarbe etwas kälter) und mein Bruder hat mir erklärt, dass 2700 Kelvin (Warmweiß) die bessere Variante ist. Ich hab jetzt übrigens beide Lichtfarben und kann nur sagen, dass es ehrlich gesagt wirklich überhaupt keinen Unterschied macht. Ich glaube, das mit der Lichtfarbe wurde zwar so wahnsinnig gehyped, aber wenn die Lampe dann drinnen ist, kommt es eher darauf an, welche Einrichtung ich habe. Dort wo viel Holz ist, kann warmweiß ohnehin gleich mal zu warm wirken und ein etwas kühleres Licht nicht schaden. Ich hab jedenfalls beschlossen, diesem Thema nicht mehr so viel Aufmerksamkeit zu schenken, aber ich habe mich jetzt auch wirklich schon ausführlich damit beschäftigt.

Der Vollständigkeit halber, jetzt aber auch noch die neue Rechnung.

  • Die 12 neuen Lampen haben ca. 55,- gekostet.
  • Insgesamt brauchen diese Lampen jetzt 30 Watt
  • In 1825 Stunden sind das 54 kWh
  • 54 kWh kosten 10,95,- (Vergleich mit den Energievernichtern: 1095 kWh um 219,-)

50 kwh statt 1000 kWh im Jahr oder 10,- statt 219,- im Jahr

Ist das nicht der Wahnsinn??? Ich spare mit der Investition von einmalig 50,- um die 200,- im Jahr!! Wer jetzt nicht sofort nachzudenken beginnt, dem kann ich wirklich nicht mehr helfen. Die LED-Technologie scheint fast so schnell billiger geworden zu sein wie Photovoltaikanlagen. Die Leuchtmittel, die ich gekauft habe, haben vor zwei Jahren sicher noch über 20,- /Stück gekostet und jetzt bekommt man um deutlich unter 10,- schon wirklich tolle Leuchtmittel. Übrigens auch im Möbelhaus Ihres Vertrauens.

Aufgabe: Sucht alle Leuchtmittel, die noch eine Null in der Wattanzahl haben und ersetzt sie sofort!

So, und jetzt hab ich eine Aufgabe für Sie als Leser. Schaut jetzt mal im ganzen Haus die Lampen an und sucht nach Lampen, die noch eine Null in der Wattanzeige haben. Also

  • 20 Watt
  • 30 Watt
  • 40 Watt
  • 50 Watt

Und dann schaut ihr welche Fassung die Lampe hat und sucht sofort online oder offline nach einem Äquivalent ohne Null.

  • 2 Watt
  • 3 Watt
  • 5 Watt
  • 9 Watt

Und dann kauft euch das Zeug bitte gleich, sonst vergeht wieder ein Jahr, wo unnötig Energie verbrannt wird. Es gibt derzeit glaub ich keine einfachere und kostengünstigere Einsparungsmaßnahme. Schaut auch bei eurem Energieversorger nach. Die schmeißen einem Leuchtmittel auch geradezu nach, weil sie dadurch Einsparmaßnahmen für die Energieeffizienzgesetz anrechnen können. Es kann also durchaus sein, dass die Energieversorger die Leuchtmittel unter oder zum Selbstkostenpreis verkaufen, weil sie anderweitig Einsparungen lukrieren können.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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