Was bedeutet das Kürzel HWB bei Miet- und Kaufinseraten?

  • Heizung Preissteigerung Oelpreis-1000

  • Da wir gerade vor einem Wohnungskauf stehen, bin ich mal wieder in Berührung mit Mietinseraten gekommen und muss gestehen, dass die seit einem Jahr verpflichtende Kennzeichnung des Heizwärmebedarfs einer Immobilie in Inseraten an mir vorüber gegangen ist.

Man sieht nun in allen richtig ausgewiesenen Inseraten tatsächlich die Effizienz des Gebäudes, bzw. vereinfacht gesagt, welche Wärmedurchlässigkeit die Gebäudehülle hat. Auch wenn das natürlich nicht alles aussagt, finde ich das einen wichtigen Schritt auch die Immobilienbewertung in diese Richtung zu lenken. Früher hatte man ja überhaupt keinen Vorteil, wenn man hier Vorreiter war und je mehr sich das Effizienzbewusstsein durchsetzt, desto eher werden dadurch auch höhere Mieten und Kaufpreise erzielbar werden. Jedenfalls möchte ich hier mal wieder eine Anleitung geben für all jene, die sich trotz der vielen Allgemeinerklärungen nicht wirklich auskennen.

Was ist der Heizwärmebedarf?

Manche Definitionen kann man nämlich hundert Mal lesen und trotzdem nicht verstehen. Ich glaub der Heizwärmebedarf fällt für viele in diese Kategorie. Der Vollständigkeit halber hier noch die offizielle Definition:

Der Heizwärmebedarf ist die errechnete Energiemenge, die einem Gebäude innerhalb der Heizperiode zuzuführen ist, um die gewünschte Innentemperatur (Norm= 20°) aufrechtzuerhalten, z. B. wie durch Heizkörper an einen beheizten Raum abgegeben wird.

noch besser ist diese hier:

Die Energiekennzahl (HWB) ist der Vergleichswert, um die thermische Qualität eines Gebäudes zu beschreiben. Sie sagt aus, wie viel Energie pro Quadratmeter Bruttogeschoßfläche im Jahr benötigt wird und wird in kWh/m² pro Jahr angegeben. Diese Kennzahl kann leicht in Euro/m² umgerechnet werden, wenn man den Preis einer kWh Wärme (z.B. 0,08 €) kennt.

Wenn Sie sich noch nie mit Energiethemen auseinandergesetzt haben, sind Sie jetzt vermutlich nicht viel schlauer als vorher, deshalb gehen wir hier etwas mehr in die Tiefe.

Wie rechne ich meine Heizkosten mit dem HWB aus?

Wer nicht weiterlesen will und ein Tool sucht, welches genau das kann, kann einfach hier klicken. Diesen Energieausweis-Vergleichsrechner habe ich aber erst in den Recherchen zum Artikel gefunden. Wie ich finde recht praktisch aber so ganz schlau ist man danach glaub ich auch nicht und vor allem ist dieser Wert nur die halbe Warheit, wie wir im Laufe dieses Beitrags sehen werden, deshalb werde ich meine persönliche Vorgehensweise dokumentieren. Viele verwechseln den Heizwärmebedarf nämlich mit den jährlichen Kosten, die dann auf der Rechnung aufscheinen, dem ist aber definitiv nicht so.

Was bedeutet ein HWB von 60,5?

Nachdem die Wohnung um die es geht nirgends ausgeschrieben war und mein Mann dort schon länger gewohnt hat, hab ich den Energieausweis angefordert und folgendes Bild bekommen. Es handelt sich dabei um eine 62 m2 Wohnung in Wiener Neustadt. Die Region ist deshalb wichtig, weil auch das dort vorherrschende Klima für die Berechnungen wichtig ist. Was vielleicht auch noch erwähnenswert ist: Es handelt sich hier um einen großen Wohnkomplex, naturgemäß sind dort die Energiekennzahlen immer besser als in Einfamilienhäusern.

  • Heizwärmebedarf laut Energieausweis

  • Was bedeuten diese 60,5 kWh/m2 nun? Die theoretische Rechnung ist sehr einfach:

    Die Werte:

    • 60,5 kW/m2/a
    • 62 m2
    • Gaskosten: € 0,08/kWh (dazu dividiere ich die Jahreskosten meiner Gasrechnung durch die verbrauchten kWh)

Die Rechnung:

HWB * Größe der Immobilie * Kosten/kWh = 60,5 * 62* 0,08

Nach dieser Berechnung brauche ich in dieser Wohnung THEORETISCH 300,-/Jahr für die Heizung.

Warum sind die tatsächlichen Energiekosten so schwer zu ermitteln?

Das klingt sehr wenig, nicht wahr? Deshalb werde ich das ganze noch etwas weiter ausführen. Es gibt mehrere Punkte, die man zum Heizwärmebedarf dazurechnen muss und diese werde ich jetzt Schritt für Schritt durch gehen. Der erste wichtige Punkt ist die Temperatur. Ich geben zu bedenken, dass der Heizwärmebedarf immer über die Normtemperatur von 20° ausgerechnet wird. Wenn Sie auf Ihr eigenes Thermostat schauen, werden Sie schnell feststellen, dass sehr viele Österreicher wohl eher eine Zimmertemperatur von 21-25° anstreben. Ich bin zB. ein 21-22° Typ. Die 300,-/Jahr stimmen also nur, wenn ich nie mehr als 20° am Thermostat stehen habe und werden niedriger, wenn ich mich auch bei 18° wohl fühle. Soweit alles klar?

Wie viel steigen die Kosten, wenn ich mehr als 20° haben möchte?

Da es mittlerweile auch Schätzwerte gibt um wie viel die Heizkosten steigen, wenn ich es wärmer haben möchte, kommt hier wieder eine meiner berühmten Milchmädchenrechnungen. Ich nehme die klassische Heizkostensteigerung von 6% pro Grad an. In manchen Unterlagen findet man auch 10% pro Grad.

  • 20° Zimmertemperatur: 300,-
  • 21° Zimmertemperatur: 318,-
  • 22° Zimmertemperatur: 337,-
  • 23° Zimmertemperatur: 357,-
  • 24° Zimmertemperatur: 378,-
  • 25° Zimmertemperatur: 401,-

Ok, das klingt schon mal recht plausibel. Ich gebe hier nochmal zu bedenken, dass hier ein Wert von 60 hinterlegt ist und sehr viele ältere Einfamilienhäuser einen Wert mit deutlich über einem HWB von 100 kWh/m2 haben. Da ist auch die Steigerung für jedes Grad noch einmal viel drastischer.

Mit dem Dusch- und Brauchwasser hat der HWB NICHTS ZU TUN

In dieser Erklärung darf natürlich auch nicht fehlen auf einen weit verbreiteten Irrtum hinzuweisen. Wenn ich den HWB kenne, weiß ich noch lange nicht, wie viel Geld ich für Energie in diesem Haus ausgeben werde. Dazu fehlt noch der Strombereich und der große Brocken von Duschen, Waschen, Kochen – im Überbegriff immer Warmwasserbedarf oder Brauchwasserbedarf genannt. Da sich aus der Energiekostenabrechnung leider nicht ablesen lässt ob das verbrannte Gas oder Öl nun für die Heizung oder die Dusche draufgegangen ist, weiß man meistens nicht, wie hoch der Energiebedarf für diesen Bereich ist, müssen wir hier vorab die angenommenen Werte aus dem Energieausweis nehmen . Diese werden in meinem Energieausweis mit dem Kürzel „WWWB- Warmwasserwärmebedarf“ mit 12,78 kWh/m2/ und entsprechen einem Bedarf von ca. 23 L/Person und Tag. Für unser Beispiel müsste man also noch diesen Teil hinzurechnen.

12,78 kWh * 62 m2 Fläche * 2 Personen * 0,08 = € 127,- für Warmwasser pro Jahr

  • Heizwärmebedarf im Energieausweis Beispiel
  • Wenn man im Energieausweis schon mal so weit gekommen ist (dieser wird im Inserat natürlich noch nicht so ausführlich beschrieben), sieht man auch noch allerhand andere Zahlen.

Um euch jetzt aber nicht vollends zu verwirren, gehe ich nur noch auf die vermutlich wichtigste Zahl um die voraussichtlichen jährlichen Kosten im neuen Heim abzuschätzen. Zusätzlich zum tatsächlichen Heizwärmebedarf kommen neben dem Warmwasser auch noch so verwirrende Dinge wie Leitungsverluste und ähnliches hinzu bis man dann zum tatsächlichen Endenergiebedarf kommt, also jene Energie, die voraussichtlich wirklich verbraucht wird. In meinem Fall sind das anscheinend 172,49 kWh/m2/a wobei hier nicht ganz klar ist, ob das Duschwasser für eine 2. Person dabei auch enthalten ist. Ich glaube mal eher nein. Der Einfachheit halber rechne ich aber mit diesem Betrag:

172,49 * 62 m2 * 0,08 = € 855,-/Jahr für Heizung und Warmwasser oder 71,-/Monat

Hui, na bumm, da ist jetzt aber einiges dazugekommen. Anscheinend verbraucht die Haustechnik (HTEB – Heiztechnikenergiebedarf) in diesem Haus ganz schön viel Energie, das dürften diese komischen 90,27/m2 sein. Das ist deutlich mehr als der eigentliche Heizwärmebedarf. Ich wäre dankbar, wenn sich dazu im Kommentarfeld noch der ein oder andere Experte melden könnte. Bin mir nicht sicher ob das so stimmen kann und man diese 90 kWh/m2 in dieser Form dazurechnen muss.

Das war nun die theoretische Erklärung zum HWB. Jetzt bleibt nur noch zu prüfen, ob diese Berechnungen auch einem Reality Check stand halten. Ich werde das mit den Abrechnungen der letzten Jahren mal gegenchecken und in einem weiteren Beitrag darüber berichten. Hoffe das Thema ist ein wenig klarer geworden und hilft bei der Wohnungs- und Häusersuche.
Foto: marqs / photocase.com

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

13 Comments

  1. Ist der Heizwärmebedarf nicht ein theoretischer Wert, der in der Praxis deutlich abweichen kann? Sind da die Verluste der Heizung schon enthalten, bzw. die Kosten der Heizung generell?

  2. @Alex Danke! Das erklärt das ganze schon besser. Der EEB enthält anscheinend sogar den Strom für die Beleuchtung!

    Gesamter Nutzenergiebedarf inkl. der Verluste des haustechnischen Systems und aller benötigen Hilfsenergien, sowie des Strombedarfs für Geräte und Beleuchtung. Der Endenergiebedarf entspricht – unter Zugrundelegung eines normierten Benutzerverhaltens – jener Energiemenge, die eingekauft werden muss.

    Wenn man nur Heizung und Warmwasser wissen will, muss man sich den NEB anschauen.

  3. @andy Genau deshalb wollt ich mir den Wert eben einmal in der Praxis ansehen. Es ist ein Wert der unter bestimmten Voraussetzungen (zb. 20°) und einem durchschnittlichen Nutzerverhalten stimmen sollte.

    Ich hab auch weiter unten den Wert für die Heiztechnikverluste dazugerechnet und da kam eben die Frage auf warum das so unglaublich viel ist.

  4. Ich glaub auch, dass in meinem Ausweis ein kleiner Fehler drin ist. Der HEB ist anscheinend das, was in dieser Beschreibung als NEB angegeben ist.
    https://www.eawz.at/?id=40d412c6a1bfdd666071fef30c1b46c5&p=H;EAN;EDN,WG,1&dmy=2

    Der HEB und der EEB dürften aber nicht gleich sein, weil da eben noch Beleuchtung auch dazuzählt.

    In jedem Fall sieht es so aus, dass unsere Haustechnik sehr viel Energie frisst, wenn man dem Ausweis in dieser Form glauben schenkt.

  5. @Cornelia: die Frage ist, ob die Haustechnik auch wirklich so genau eingetragen wurde oder nur die Standardwerte die in der jeweiligen Software hinterlegt sind und (so irgendwie ungefähr mit viel Bauchweh) der verbauten Haustechnik nahekommen.
    Ich habe selbst schon Energieausweise in meiner Ausbildung berechnet und da haben wir die Haustechnik immer sehr vernachlässigt, sprich mit Standardwerten gerechnet. Ich weiß aber nicht ob das in der Praxis auch so gehandhabt wird.

    Am besten mal in die Testversion vom Gebäudeprofi Plus von ETU (www.etu.at) reinschnuppern, ich glaube wenn man hinter die Kulissen schauen kann ist das verständlicher.

    Ich habe auch ein ziemlich gutes Excel Sheet zur Berechnung des Energieausweises, wenn du mir eine kurze Mail auf die hier hinterlegte Adresse sendest kann ich dir das auch zukommen lassen.

  6. Warmwasser Energiebedarf:
    Als Dauerduscher brauch ich etwa 30Liter Warmwasser / Tag.
    Überschlägig, incl. Wirkungsgrade kann man sagen:
    30Liter/d x ca.1Wh/1Liter1°C x 30°C x 365 Tage/a = 382,5 kWh/a x 0,08€/kWh = € 26,28/a, sagen wir bei mir € 30 /JahrPerson fürs duschen.
    Jemand der nicht so oft duscht verursacht zweifellos höhere Energiekosten, weil, sind solche Personen im Raum, muss man öfter und länger lüften!!!

  7. Hasutechnik Energiebedarf:
    Die maximale Antriebsenergie, welche beispielsweise ein Hasch. / Pell. Heizung verbrauchen darf ist geregelt.
    Meist liegt diese Antriebsenergie für Schnecken, Lüfter, Elektronik um die 1% der Heiz – Nennleistung.
    Die Heizkreispumpe hat in einem 1 bis 2 Familienhaus ca. 40 – 60W, wenn mehr, dann entweder Heizkreise nicht eingemessen oder schlechte Verrohrung. Die Stellmotore für die Mischer Heizkreisregelung auf die Betriebszeit einen Lächerlschas, sofern die Heizkreise eingemessen sind. Aber das ist eine andere Geschichte

    • Hi Nasir, wie im Text beschrieben ist die Grundrechnung relativ einfach.

      189,79 * 40 * Energiepreis.

      Es hängt also sehr stark von dem Energieträger der verwendet wird zum Heizen.

      Gebraucht werden ca: 7600 kWh/Jahr. Wenn du mir dem derzeit günstigen Gas heizt sind es ca. 380,-/Jahr, wenn es Strom ist, wird es empfindlich teurer mit ca. 1100,-/Jahr.

      Hoffe das hilfT!

  8. Aus aktuellem Anlass (habe einen Energieausweis in Deutschland benötigt), weise ich Euch darauf hin, dass die Einteilung der Klassen (A, B, C, …) bzw. die kWh/Jahr in Österreich und Deutschland unterschiedlich sind. In Deutschland gibt es nach „G“ noch „H“, das aber, so wie „G“ in Österreich, ab 250 und höher als „H“ bezeichnet werden muss. Eine große Immobilienmaklerfirma, die in Österreich und Deutschland tätig ist, verwendet in Deutschland eine falsche Bezeichnung.

  9. ein hallo aus kärnten,
    ich sollte eine mietwohnung beziehen, mit 83m2
    Energiezahlen : HWB ( kwh/m2a ) 117 und
    HWB – Klasse D bitte um genauere devinition.
    wie schätzen sie die behaglichkeit einer infrarotheizung ein ?
    danke für ihre info.

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