Energieeffizienzgesetz: Darauf sollten Unternehmen im Jänner achten

In Österreich passiert gerade etwas und ich habe durch die Termine rund um Tausendundein Dach wieder viele alte und neue Bekannte getroffen vor allem, weil ich für unsere Unternehmenskunden auf der Suche nach Möglichkeiten bin die vermaledeite Sonnensteuer zu ersetzen. Eine Idee war es zu versuchen die CO2 Zertifikate für die Unternehmen zu vermarkten. Deshalb traf ich Klaus Reisinger, der durch Climate Partner einer der Experten für CO2 Neutralisierungen ist. Obwohl wir erkennen mussten, dass das beim derzeitigen CO2 Preis nicht wirklich sinnvoll ist, kamen wir weiter ins Gespräch über das Energieeffizienzgesetz, welches diesbezüglich sehr viel interessantere Möglichkeiten bietet.

Da ich auch mitbekommen habe, dass viele Unternehmer verunsichert sind, habe ich nun einige Fragen zusammengesucht und Herr Reisinger, der neben Climate Partner auch Geschäftsführer von Allplan ist und sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt, gebeten diese zu beantworten. Sehet selbst:

Herr Reisinger, könnten Sie den Lesern kurz erklären, was ihr Unternehmen macht und wieso Sie sich seit langem mit dem Thema Energieeffizienzgesetz auseinandersetzen?

Die Allplan führt seit über 15 Jahren Energieaudits in der Industrie und in Gebäuden durch. Als wir 1997 mit den Optimierungsprojekten angefangen haben, hat es den Begriff Energieaudit noch nicht gegeben und wir haben unsere Dienstleistung ALLPLAN Energieeffizienzprogramm (AEEP) genannt. Die Entstehung des Gesetzes haben wir verfolgt, da es in den nächsten Jahren die wesentlichste Rahmenbedingung für unsere Aktivitäten ist.

Viele Unternehmen sind verunsichert. Was passiert im Jänner? Worauf sollten sie achten?

Zunächst mal müssen die Unternehmen prüfen, ob sie ein Großunternehmen im Sinne des Gesetzes sind (Anm: Nur Großunternehmen müssen aktiv werden). Viele Unternehmen wissen noch gar nicht, dass sie aktiv werden müssen. Dann ist zu klären, ob es für das Unternehmen sinnvoller ist alle 4 Jahre ein externes Energieaudit durchzuführen, oder ein passendes Managementsystem einzuführen. Ende Jänner muss das geklärt sein und im Falle der Managementeinführung muss diese Information an die Monitoringstelle gemeldet werden. Wie viele Unternehmen erfasst sind weiß noch niemand genau, man geht jedenfalls von einigen Tausend aus. Wer sich also nicht jetzt bereits darum gekümmert hat, dass er einen Auditor unter Vertrag hat, sei es für das externe Energieaudit oder über das Zertifizierungsaudit des Managementsystems, sollte dies rasch machen.

Was passiert Unternehmen, die im Jänner ihrer Meldepflicht nicht nachkommen?

Die Meldepflicht gilt nur bei der Einführung eines Managementsystems. Wenn ein Unternehmen im Jänner nicht meldet, dass ein Managementsystem implementiert werden soll, dann geht die Monitoringstelle von einem externen Energieaudit aus. Demnach passiert einem Unternehmen im Jänner 2015 aktuell noch nichts, wenn keine Meldung erfolgt. Die Entscheidung kann ja auch erst theoretisch im Februar 2015 getroffen werden, auch wenn es dann sehr knapp mit der rechtzeitigen Einführung des Systems wird. Wir gehen mal von einer Möglichkeit der Nachmeldung aus. Aufgrund der drohenden Verwaltungsstrafen sollte allerdings auf eine Einhaltung alle gesetzten Fristen geachtet werden.

Wie können Kleine und Mittlere Unternehmen vom Energieeffizienzgesetz profitieren?

Energieversorger (EVU´s) müssen erwirken, dass Maßnahmen umgesetzt werden, welche die Energieeffizienz erhöhen. Wenn dies nicht passiert gibt es Strafzahlungen von mindestens 200€/MWh, welche die EVU´s zu leisten haben. Legt man diese Strafzahlung auf jede verkaufte kWh eines Energieträgers um, kann sich im Extremfall eine Verteuerung von 1,2 €/MWh ergeben. Es gibt Energieträger bei denen diese Zahlung eine Preiserhöhung von 20-30% entspricht (!). Demnach wird eine Nachfrage an umgesetzten Einsparprojekten entstehen und wenn Kleine und Mittlere Unternehmen Rechte an solchen Einsparprojekten „besitzen“, können sie diese verkaufen und damit zusätzliche Erlöse erzielen.

Wie kann man seine Energieeffizienzmaßnahmen am einfachsten den Energieversorgern anbieten?

Es wird einerseits Plattformen geben über die der Handel abgewickelt wird. Andererseits kann man sich auch direkt beim eigenen oder bei jedem anderen Energieversorger melden und über den Verkauf der Maßnahmen verhandeln.

Was halten Sie von der neu installierten Stelle? Wie hoch ist die Gefahr, dass Maßnahmen nicht anerkannt werden, weil sich die Monitoringstelle dadurch selbst Geldflüsse entzieht?

Da die Vergabeentscheidung beeinsprucht wurde, gibt es aktuell noch keine handlungsfähige Monitoringstelle. Aus unserer Sicht wäre es äußerst wichtig rasch diese Unklarheit aus der Welt zu schaffen, um die Verunsicherung am Markt nicht noch zu vergrößern. Es gibt nach wie vor viele offene Fragestellungen, welche aus unserer Sicht nur von der Monitoringstelle beantwortet werden können. Aktuell ist es schwer einzuschätzen wie mit den Maßnahmen und auch mit der Prüfung der Auditberichten im Endeffekt umgegangen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Monitoringstelle bei dieser Fragestellung unbeeinflusst und mit dem richtigen Augenmaß agieren wird.

Wie hoch ist die Gefahr, dass die Energieversorger die Strafzahlungen einfach auf den Kunden überwälzen und trotzdem „billige“ Effizienzmaßnahmen einkaufen?

Diese Möglichkeit besteht im Prinzip natürlich. Rein vertraglich haben sich viele EVU´s schon in diese Richtung abgesichert. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass es für die EVU´s buchstäblich „zu billig“ ist, einfach die Mehrkosten den Kunden „überzuwälzen“. EVU´s die nur diesen Ansatz verfolgen, haben sich nicht ausreichend mit dem Markt beschäftigt und ihre entsprechenden Hausaufgaben nicht gemacht.

Es wird sich zwar erst im Laufe der Zeit zeigen, wie sich der Markt für die angesprochenen Effizienzmaßnahmen entwickelt und um welchen Preis die Einsparungen gehandelt werden. Aber es ist auch eine Chance: für innovative Betriebe besteht mit dem Handel von Einsparmaßnahmen, sei es auf den bereits erwähnten Plattformen oder direkt mit den Energieversorgern, eine weitere Variable um die Energiekosten zu senken. Der genaue Zugang der einzelnen EVU´s mit diesen zusätzlichen Kosten ist aktuell noch nicht einschätzbar, allerdings wird es für die Kunden wichtig sein die zusätzlichen Kosten für etwaige Strafzahlungen in die Entscheidung bei der Auswahl des Energieversorgers einzubeziehen.

Kurz gesagt: EVU´s welche die „Strafzahlungen“ einfach an die Kunden weitergeben, werden teurer und auch daher unattraktiver sein als innovative EVU´s, welche die Zeichen der Zeit erkennen und sich offensiv mit dem Thema Energiesparen auseinander setzen.

Vielen Dank für diese spannenden Einsichten. Dieses Gesetz bring auf jeden Fall endlich einmal Schwung in die müde und undynamische österreichische Energiewirtschaft.

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About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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