Elektro-Taxis in Wien?

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  • In Wien gibt es 5.000 Taxis. Die Hälfte davon sind Funktaxis. Neben einigen kleineren, teilen sich zwei große Player den Kuchen: die Funkzentrale 40100, zu denen auch 60160 gehört, mit den gelben Wagen. Und 31300, mit den blauen Wagen. Die durchschnittliche Standzeit der Taxis beträgt 19,4 Minuten. Derzeit sind 8 Prozent „green“, also mit Erdgas oder Hybrid-Motor ausgestattet.

Wie könnte ein Umstieg auf Elektroautos aussehen?

Nachdem Taxi-Fahrten tendenziell eher kurz sind, ist eine Taxiflotte prädestiniert für den Antrieb mit einem Elektromotor. Aber es gibt noch einige Hindernisse:

  • Das Mittelspannungsnetz würde die Zusatzbelastung ertragen, das Niederspannungsnetz müsste angepasst werden. Entweder durch eine ausgefeiltere Steuerung oder durch Mengenbeschränkungen bei der Stromentnahme.
  • Die Umstiegskosten für die Unternehmen wären beträchtlich. Ohne Förderungen seitens der Stadt Wien ist die Umstellung in absehbarer Zeit nicht realistisch.
  • Für einen reibungslosen Betrieb ist noch zu wenig Lade-Infrastruktur vorhanden.
  • Die Ladezeiten dauern für einen effektiven Betrieb noch zu lange: 3,5h benötigt das Auftanken an einem Dreiphasen-Stecker, an normalen Steckern noch länger. Schnell-Ladestationen mit etwa einer halben Stunde Ladezeit gibt es erst ganz wenige.
  • Einige Langstrecken (zum Beispiel Fahrten von Wien nach Linz) müssten nach wie vor mit Taxis mit Verbrennungsmotor durchgeführt werden, weil einfach die Akkus noch nicht ausgereift genug sind,

Was tut sich dennoch in der Stadt?

  • In der Wirtschaftskammer „Fachgruppe Beförderungsgewerbe mit Personenkraftwägen“ wird über eine Umstellung der Flotte nachgedacht. „Nachdenken“ klingt noch nicht nach raschen Ergebnissen, aber es zumindest einmal ein Anfang.
  • Beide großen Player, strecken ihre Fühler in Richtung Elektromobilität aus: 40100 hat vor kurzem einen ersten Tesla S als Taxifahrzeug angeschafft. In nächster Zeit sollen 19 weitere Folgen. Aufgeladen werden sie an 2 Super-Chargern im Raum Wien, an denen der Ladevorgang in 30 Minuten abgeschlossen ist. Mit den 20 Fahrzeugen wäre schon einmal ein Schichtbetrieb möglich.
  • 31300 hat im letzten Herbst die Studie ZENEM, gemeinsam mit Austrian Institue of Technology (AIT), der Technischen Universität Wien und Wien Energie, durchgeführt. Die Hauptfrage war, ob eine Umstellung auf Elektrotaxis technisch möglich ist, ob das Stromnetz die Belastung aushält und wieviele Ladestationen nötig wären, um die 2500 Funktaxis durchgängig betreiben zu können. Die Studie kam zu dem Schluß, dass wenn es an einem Viertel der Taxishaltestellen, also an 250 Haltestellen, Schnell-Ladestationen für Elektrotaxis gäbe, könnten 25% der Funktaxi-Schichten mit 24kW-Fahrzeugen (Reichweite 100 Kilometer) oder 75% mit 48kW-Fahrzeugen (Reichweite 200 Kilometer) gemeistert werden.
  • Ein dritter kleiner Player, der Solarzyk-Limousinen-Service bietet schon einige Zeit ein Tesla-Taxi-Service an, man findet aber keinen echten Web- Auftritt der Firma

Der Nutzen

Es wäre um einiges leiser in Wien, 20.000 TonnenCO2 würden eingespart werden und die Stadt würde international eine Vorreiterrolle einnehmen!

 

 

 
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Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

4 Comments

  1. Interessant, aber: was mir hier komplett abgeht, ist eine echte Vision. Die Studie des AIT et al in Ehren, aber wenn dann da steht die Hauptfrage ist technischer Natur und das Ergebnis ist „wenn da … wäre, … dann … blablabla“ dann haben wir wieder mal Papier produziert und nennen das F&E.

    Fortschritt liegt aber viel mehr an der Willensbildung als an der Technik. Eine ROT-Grüne Regierung MIT Vision und Willen könnte gerade in dieser angeblichen Smart City sagen:

    EDIKT: ab 2017 50%, ab 2020 75% usw. aller Neuanmeldungen MÜSSEN alternative (oder nur e-) Antriebe sein. Und die alten CO2-Schleudern sind ab so und so viel Jahren auszuscheiden. Basta. Den Rest regelt der Markt von selbst. So einfach? Ja, so einfach. Der Wille zählt, nicht die Technik.

  2. Sportsfreund, wie oft fahren Taxis von Wien nach Linz?
    Wieso mit dem Schwierigstem beginnen?
    Seit es E Autos gibt redet man den Leuten ein 100km Reichweite ist zu wenig. Dabei fahren die meisten keine 50. Oneway schon gar nicht.
    Mit dem E Smart, E-BMW, E Renault, Twizy und total unbeachtet: Seagway (für 5 km one way super) E- Rimac ,… in die Arbeit, dort wieder laden und heim ist überhaupt kein Problem. Dabei Slowcharge und die Batterie hält „ewig“.

  3. @ Wolfgang Horn: auf jeden Fall geht eine Vision ab! Leider gibt es bis jetzt nur Initiativen Einzelner und keine politische Willensbildung und kein Gesamtkonzept!

    @Fritz: natürlich hast du Recht, dass man mit einem E-Auto bis Linz fahren kann. Allerdings kann es bei einem Taxi-Schichtbetrieb, bei dem man nie genau vorhersagen kann, wann welche Strecken von Gästen gewünscht sind und wie lange Zeit zum Aufladen sein wird, schwer werden, mit einem E-Taxi nach Linz zu kommen.

  4. Hallo,
    ich hätte nicht gedacht, dass so etwas in Wien angedacht wird. ich habe in den Niederlanden schon sehr häufig Elektroautos wie z.B. den Ampera gesehen. Dort setzen auch Privatpersonen vermehrt auf Elektroautos – evtl. hängt es damit zusammen, dass die Preise für Benzin und Diese explodiert sind und der Liter zum Teil 30Cent mehr als in Deutschland kostet – immerhin sind die Niederländer schon lange als recht „grünes“ Land bekannt. Gruß Thomas

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