Zukünftige Heizkosten über den Heizwärmebedarf ausrechnen möglich?

Im Artikel über das Mysterium Heizwärmebedarf in Mietinseraten hatte ich ja schon versucht die zukünftigen Heizkosten über den Heizwärmebedarf (HWB) auszurechnen. Nun steht der Gegencheck an bei der ich diese Berechnungen mit den tatsächlichen Werten vergleiche. Das Ergebnis war erstaunlich. Sehet selbst:

Wahnsinn, oder? Relevant ist hier wie gesagt nur der Gasteil und es sei noch einmal erwähnt, dass diese Wohnung bislang ein Nebenwohnsitz war. Der Betrag wird sich dieses Jahr ganz bestimmt ändern, aber selbst wenn er sich verdoppelt, wäre das immer noch grandios und dabei ist noch nichtmal der Gaspreis optimiert. Wir zahlen 10 ct/kWh, was vielleicht auch an der geringen Abnahmemenge liegt, aber das werde ich auch noch prüfen. Mittlerweile kann man ja auch schon den Gasanbieter wechseln.

Hier nochmal zur Erinnerung. Im Energieausweis wird ein HWB von 60,5 kWh/m2 angegeben. Die Theoretische Rechnung lautete:

Die theoretische Rechnung

Die Werte:

  • 60,5 kW/m2/a
  • 62 m2
  • Gaskosten: € 0,08/kWh (dazu dividiere ich die Jahreskosten meiner Gasrechnung durch die verbrauchten kWh)

Die Rechnung:

HWB * Größe der Immobilie * Kosten/kWh = 60,5 * 62* 0,08

—–> Nach dieser Berechnung brauche ich in dieser Wohnung THEORETISCH 300,-/Jahr für die Heizung.

Der Reality Check:

Nun gebe ich die Echtwerte ein

Die Werte:

  • 60,5 kW/m2/a (bei 20° Raumtemperatur – wir waren aber wenig hier, also war meistens auf 17-18° eingestellt)
  • 62 m2
  • Gaskosten: € 0,10/kWh (die tatsächlichen Gaskosten sind höher als angenommen)
  • Verbrauch 1991 kWh für Heizung und Warmwasser (ca. 20% werden angeblich fürs Warmwasser gebraucht)
  • Verbrauch Heizung: 1592,8 kWh

Die Rechnung:

Verbrauch Heizung x Gaskosten = 1592 x 0,1 =159,28

Im Realitycheck habe ich also € 159,28 Gaskosten für die Heizung. Ein Wert, der sich sehen lassen kann. Wenn wir von einer Innentemperatur von 17°-18° ausgehen (wir waren ja nur selten da) müssten wir analog zum Beispiel fürs „Aufzinsen“ der Temperatur, nun auch etwas dazurechnen für die geringere Temperatur:

Wir erinnern uns ans Beispiel vom letzten Mal, wir haben für jedes Grad 10% an Kosten für die Heizung dazugerechnet.

  • 20° Zimmertemperatur: 300,-
  • 21° Zimmertemperatur: 318,-
  • 22° Zimmertemperatur: 337,-
  • 23° Zimmertemperatur: 357,-
  • 24° Zimmertemperatur: 378,-
  • 25° Zimmertemperatur: 401,-

Nun starten wir bei den Echtwerten bei 17°

  • 17° Zimmertemperatur: 159,-
  • 18° Zimmertemperatur: 175,-
  • 19° Zimmertemperatur: 193,-
  • 20° Zimmertemperatur: 212,-

Hmm, interessant, also laut dem HWB in unserem Energieausweis, verbrauchen wir deutlich weniger Heizenergie als technisch ausgerechnet. Das ist ja mal eine gute Nachricht. Alles andere hätte mich aber überrascht, da ich erfahren habe, dass der HWB auch in Wohnhäusern nur die Außenwände betrifft, da wir wie ein Sandwich zwischen anderen Wohnungen leben, ist unser tatsächlicher HWB bestimmt noch viel besser. Ich würde über den Daumen sagen 40 kWh/m2 was schon Niedrigenergiehausstandard entspricht.

Nur aus Interesse möchte ich auch diese Rechnung noch kurz aufmachen.

HWB * Größe der Immobilie * Kosten/kWh = 40 * 62* 0,1= € 248,- Heizkosten bei 20° Raumtemperatur

Sehr gut! Damit kommen wir der Sache schon näher. Und wenn ich 35 eingebe, ist es fast eine Punktlandung (€ 217,-). Natürlich habe ich mich hier jetzt nur ein wenig herangetastet aber die Systematik müsste stimmen und zeigt mir, dass diese HWBs doch irgendwie so ihre Berechtigung haben. Ich mag solche Überschlagsrechnungen. Habe mich mit einer ähnlichen Herangehensweise auch mal an die Berechnung der Stromkosten einer Wärmepumpe getraut. Auch diese Ergebnisse waren sehr erhellend und wie ein netter Kommentator meinte: Man kann sich nie so schwer verschätzen, wie man sich verrechnen kann.

Fazit: Auch wenn viele sagen, dass es mit dem HWB nicht möglich ist, die tatsächlichen zukünftigen Heizkosten auszurechnen, finde ich nach diesen Berechnungen, dass es nicht gänzlich unmöglich ist. Man muss lediglich die Hintergründe berücksichtigen und natürlich der Vollständigkeit halber auch noch Verluste und Warmwasserkosten dazurechnen.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

3 Comments

  1. Die wesentliche Unsicherheit hast Du selbst angegeben, das ist das Verhalten der Nutzer. Läuft die Heizung bei 22°C durch oder wie bei Euch nur mit 17-18°, das macht einen wesentlichen Unterschied.

    In Deutschland haben wir noch die Wahl zwischen einem verbrauchsabhängigen und einem bedarfsabhängigen Energieausweis. Aus dem verbrauchsabhängigen Ausweis könnte ein künftiger Mieter mit anderem Nutzungsverhalten wenig auslesen über seine künftige Heizkosten-Rechnung. Sinnvoller ist dagegen der Bedarfsausweis, wie es bei uns heißt. Vielleicht mit einer Ergänzung einer möglichen Abweichung je nach Verhalten?

  2. Danke Andy – in das Thema deutsche Energieausweise muss ich mich glaub ich noch ein wenig reinarbeiten. Das heisst es gibt immer zwei verschiedene? Sind die schon verpflichtend wie bei uns?

    Beide Versionen haben wohl immer ihre Vor- und Nachteile. Während die 20°, die beim österreichischen Energieausweis angenommen werden, für die meisten Bewohner nicht praxistauglich sind, halte ich es für genausoschwierig einen anderen Wert anzunehmen. Man könnte aber vielleicht lustige Bezeichnungen wie „Warmduscher“ und „Kaltduscher“ Energieausweise einführen ;-=

  3. Deine Berechnung aus Basis des Energieausweises kann meiner Meinung nach schonmal ganz gut an die Realität heran. Besonders, wenn man anhand der Raumtemperatur die Rechnung nachkorrigiert. Wir bekommen auch bald einen Energieausweis für unser Eigenheim. Ich würde das gezeigte auch gerne mal ausrechnen und dann, so, wie du mit der Realität vergleichen, wenn die Abrechnung kommt.

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