Ein unsichtbarer Fahrradhelm

In Schweden fahren ungefähr 80 Prozent der Menschen regelmäßig mit dem Fahrrad. Aber nur ein Drittel davon trägt einen Helm. In Österreich benutzen ungefähr 40 Prozent der RadfahrerInnen für Wege in die Arbeit oder zum Einkaufen einen Helm. Die Hauptgründe keinen Helm zu verwenden sind: mangelndes Problembewusstsein, Bequemlichkeit und die eigene Schönheit.

Für Kinder gibt es in vielen europäischen Ländern inzwischen eine gesetzliche Helmpflicht. Bei Erwachsenen wird eine solche meist sehr emotional und heftig diskutiert: auf der einen Seite liegt klar auf der Hand, dass Asphalt und Autos dem Radfahrer-Kopf nicht gut tun, auf der anderen Seite schadet man unmittelbar niemandem, wenn man keinen Helm trägt (mittelbar allenfalls dem Gesundheitssystem).

Im ersten Moment mag eine gesetzliche Helmpflicht sinnvoll erscheinen. In manchen australischen Städten sank allerdings die Radnutzung um 20 bis 40 Prozent nach Einführung einer gesetzlichen Helmtrage-Pflicht für Erwachsene. Das ist auch nicht im Sinne des Erfinders.

Die Geschichte

Als vor ungefähr 10 Jahren in Schweden ein Gesetz eingeführt wurde, dem zufolge Kinder bis 15 Jahre beim Fahrrad-fahren verpflichtet waren, einen Helm zu tragen, löste das im ganzen Land eine Diskussion über die Helmpflicht für Erwachsene aus. Damals schrieben Anna Haupt und Terese Alstin ihre Diplomarbeit im Bereich „Industrial Design“ an der Universität Lund. Die Designerinnen wollten herausfinden, ob es möglich war einen Fahrradhelm zu entwickeln, den die Menschen gerne trugen, egal ob sie dazu verpflichtet waren oder nicht.

Der unsichtbare Helm

Mit einer Mischung aus Hightech und Mode entwarfen die beiden mit einem Team das Hövding. Das Hövding ist wie eine Art Kragen oder ein dicker Schal, den man sich um den Hals legt, vorne zusammen zippt und per Knopfdruck elektronisch aktiviert. Das Hövding nimmt dann Bewegungsmuster 200 Mal pro Sekunde wahr und kann daraus Crash-Situationen ableiten. In so einem Fall bläst sich ein eingebauter Airbag innerhalb von einer Zehntel-Sekunde auf und hüllt den Kopf ein. Das Gewicht dieses Airbags für den Kopf liegt bei etwas über 800 Gramm.
Die Hülle des Hövdings besteht aus Stoff. Dieser ist sowohl abnehm- und waschbar, als auch in vielen, verschiedenen Farben erhältlich, damit man ihn mit „dem Rest“ der Kleidung modisch abstimmen kann.

Die Praxis

Vor 2 Jahren hat der schwedische Versicherer Folksam die 13 gängigsten Helme am Markt getestet. Das Ergebnis war, dass das Hövding Stöße dreimal besser absorbiert als herkömmliche Helme. Aufgrund seiner Bauweise und Konzeption kann der Airbag aber nur für normale Stadtfahrten und nicht als Mopedhelm oder zum Skifahren verwendet werden. Auch für extremere Varianten des Radfahrens wie Downhill, Trick Cycling oder Einradfahren ist das Hövding nicht geeignet. Der Preis ist – mit 540 Dollar – momentan noch etwas gewöhnungsbedürftig. Nach einem Sturz kann das Hövding nicht wieder verwendet werden. Allerdings gibt es einige Versicherungsgesellschaften, die die Kosten für ein neues Modell übernehmen.

Ob das Hövding unter diesen Umständen massentauglich ist, wage ich einmal zu bezweifeln, aber es bringt auf jeden Fall neue Akzente in die Helm-Branche und ist vielleicht Ausgangspunkt weiterer, interessanter Entwicklungen.

Übrigens, erhältlich ist der Helm in Österreich bei der Firma Elektrobiker.
Und der Gasdruck-Generator des Hövding wurde vom österreichischen Familien-Unternehmen iSi (bekannt von den Schlagrahm-Flaschen) gefertigt: zum Einsatz kommt ein sogenannter „Cool Inflator“, ein Kaltgasgenerator der mit reinem Helium arbeitet. Hauptsächlich werden solche Gasgeneratoren für Kopf- oder Knie-Airbags im Auto eingesetzt.

 
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Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

3 Comments

  1. Es gibt auch Studien die belegen, dass Fahradhelmträger jene sind die viel häufiger Unfälle haben und die ängstlicheren / schlechteren RadlerInnen sind.
    Ähnlich zu Suzuki Fahrer mit Hut oder gar Hut mit Gamsbart. Die sind fahrerisch vom Vertrauensgrundsatz ausgeschlossen.

  2. Das heißt aber nur, dass diese Radler eher einen elm tragen und nicht, dass man ein ängstlicher oder schlechter Radfahrer wird sobald man sich den Helm drüberzieht.
    Es gibt aber sehr wohl Studien die belegen, dass Autofahrer an Radfahrern mit Helm näher vorbei fahren und bei Radlern ohne Helm mehr Abstand lassen.
    MMn ist das die gleiche Diskussion wie wenns um den Sicherheitsgurt im Auto geht. Klar gibt es vereinzelt Fälle wo nichtangeschnallt sein einem Menschen möglicherweise das Leben gerettet hat aber es gibt ungleich mehr Unfälle wo das sicher nicht zutrifft.

    just my 2cents

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